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Lästige Parasiten: Der Läuse-Profi: Dieser Berliner Friseur lehrt die Blutsauger das Fürchten

Es juckt und kribbelt im Haar: Läuse können jeden treffen - ganz unabhängig von Alter und Hygiene. Der Berliner Friseur Naram Shakra hat sich das Töten der Blutsauger zum Job gemacht. Ein Salonbesuch.

Ein Frisörsalon der etwas anderen Art: Statt mit Schere und Rasierer arbeitet Naram Shakra mit heißer Luft und einem Kamm. Der Salon "Bye bye Läuse" im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg hat sich auf Kunden mit Läusebefall spezialisiert.

Ein Frisörsalon der etwas anderen Art: Statt mit Schere und Rasierer arbeitet Naram Shakra mit heißer Luft und einem Kamm. Der Salon "Bye bye Läuse" im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg hat sich auf Kunden mit Läusebefall spezialisiert.

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Sie springen von Mütze zu Mütze in Kitas oder Schulen, jucken schrecklich und ernähren sich von Blut: Kopfläuse. Aus dem bei vielen Eltern ungeliebten Kampf gegen die Plagegeister hat der Franzose Gary Attias (34) ein Geschäft gemacht. Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg hat er den nach seinen Angaben ersten Anti-Läuse-Salon Deutschlands eröffnet.

Die hartnäckigen Tierchen fühlen sich überall dort besonders wohl, wo Menschen auf engem Raum zusammen sind. Der (Pediculus humanus capitis) gefalle hierzulande gerade die kältere Jahreszeit, heißt es in mehreren Berliner Gesundheitsämtern. Oft sind Eltern in heller Aufregung, wenn die lieben Kleinen die ungebetenen Gäste mit nach Hause bringen.

Kopfläuse kann jeder bekommen. Mit fehlender hat das nichts zu tun, wie Ärzte betonen. Die Biester kommen weltweit vor. Was also tun gegen das flügellose Insekt, das in die Kopfhaut sticht? Sich vom Arzt ein Mittel verschreiben zu lassen, ist eine Möglichkeit. Zudem gibt es im Internet zahlreiche Ratgeber zur Selbstbehandlung. Doch die dauert lange und ist umständlich. So mancher hat dafür nicht die Nerven.

55 Grad heiße Luft soll Läuse abtöten - Methode umstritten

Die Idee von Läuse-Jäger Attias: Heiße Luft soll den Tierchen den Garaus machen. Das Studio "Bye bye Läuse" verspricht: Eine einzige Behandlung von einer bis anderthalb Stunden und alle Kopfläuse sind entfernt. Die Filiale gehört zur US-Firma Lice Clinics of America, die bereits zahlreiche Franchise-Ableger in Europa hat.

Das türkis gestrichene, etwas spärlich eingerichtete Studio sieht auf den ersten Blick aus wie ein gewöhnlicher Friseursalon. Statt mit Schere und Rasierer arbeiten die drei Angestellten mit Maschinen, die aussehen wie Staubsauger. Zuerst werden die mit 55 Grad Celsius heißer Luft aus einem Schlauch getrocknet, dann mit einer Creme behandelt und schließlich ausgekämmt.

Die Methode sei natürlich und komme ohne die vielen Chemikalien aus, die in handelsüblichen Mitteln gegen Läuse enthalten seien, wirbt Läuse-Entferner Attias. Jedoch sei in der Creme, die er verwendet, auch Dimeticon. Dieser Wirkstoff ist in vielen, weit preiswerteren Anti-Läuse-Präparaten aus der Apotheke enthalten.

Etwa zehn Kunden pro Woche kämen seit der Eröffnung im November, sagt Attias. Für eine Behandlung mit kurzen Haaren müssen 79 Euro hingeblättert werden. Bei langen Haaren kostet es 119 Euro. Kaffee und Keks inklusive. Für Familien gibt es Rabatt. Krankenkassen übernehmen die Behandlung nicht.

Das Robert Koch Institut (RKI) zeigt sich skeptisch. Das Abtöten von Läusen und deren Eiern, den Nissen, durch Heißluft sei unzuverlässig und könne die Kopfhaut erheblich schädigen, warnt das Institut auf seiner Webseite. Von einer solchen Behandlung sei "grundsätzlich abzuraten". Auch ein Saunabesuch sei zum Abtöten der Läuse nicht geeignet.

Mit Kamm und Lupe auf Läusejagd

Die Eier der Kopflaus klebten wasserunlöslich an den Haaren. Krankheiten übertragen die Tiere aber nicht. Empfohlen wird, das angefeuchtete Haar mit einem Läusekamm, bei dem die Zinken besonders eng stehen, Strähne für Strähne zu untersuchen. "Auch eine Lupe hilft." Dann sollte ein Insektizid aufgetragen werden. Eine zweite Behandlung nach wenigen Tagen sei unerlässlich.

Einen bundesweiten Überblick über das Kopflaus-Problem zu bekommen, ist schwierig. Eine statistische Erfassung ist nicht vorgesehen. Laut Infektionsschutzgesetz ist der Befall mit der lästigen Laus nur in Gemeinschaftseinrichtungen meldepflichtig. Viele Fälle bleiben den Behörden daher unbekannt.

Selbst in den Berliner Bezirken gibt es keine einheitliche Erfassung, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Die Bezirke Spandau, Pankow, Reinickendorf und Treptow-Köpenick meldeten etwa für das Vorjahr zusammen 1542 Mal Kopflausbefall. Die Zahlen spiegelten aber nicht die ganze Situation wieder, hieß es. Etliche Eltern gingen gleich zum Arzt.

In anderen Bezirken wird dagegen nur die Zahl der Beratungen erfasst. "Kopflaus-Sprechstunden" heißen sie beim Gesundheitsamt Steglitz-Zehlendorf. "Wir gucken auf die Köpfe, behandeln aber nicht", sagt Hygienereferentin Silvia Schmidt. Meist rufe eine Schule oder Kita an und komme mit der ganzen Gruppe oder Klasse.

Die erhalten dann einen Zettel für die Eltern, was zu tun ist. Im Vorjahr wurden so genau 706 Köpfe inspiziert, 2016 waren es noch knapp 1140. Die Sprechstunden mussten wegen Personalmangels gekürzt werden, wie Schmidt bedauert.

Das Gesundheitsamt Mitte berichtete von 364 "kontrollierten Köpfen" im Vorjahr. In Friedrichshain-Kreuzberg vermerkt die Statistik 1235 "Kopflauskontrollen". Seit Mitte November gebe es die Sprechstunden aber nicht mehr.

Jutta Schütz/ikr / DPA

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