Entdeckung Virologen identifizieren Lugenkrankheitserreger


Forschern aus Hamburg und Frankfurt ist es gelungen, den Erreger der hoch ansteckenden asiatischen Lungenentzündung SARS zu identifizieren. Er gehört demnach zur Gruppe der Coronaviren.

Der Erreger der hoch ansteckenden asiatischen Lungenentzündung SARS gehört nach Angaben des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts zur Gruppe der Coronaviren. Das habe ein Team aus Virologen des Instituts und der Universität Frankfurt herausgefunden. In Hamburg sei es gelungen, mit Hilfe molekularer Methoden typische Genabschnitte von Coronaviren sowohl in der Patientenprobe des Frankfurter Falls wie auch in einer Zellkultur nachzuweisen, teilte das Bernhard-Nocht-Institut am Dienstag mit. Dabei handele es sich um bisher nicht in Datenbanken erfasste Genabschnitte.

Auch sei das Virus in Frankfurt mit Hilfe von Antikörpertests identifiziert worden. Damit könne das Virus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Erreger gelten. Das aus anderen Patientenproben ebenfalls isolierte, so genannte Metapneumovirus aus der Gruppe der Paramyxoviren war den Angaben zufolge in den Proben der Patienten aus Frankfurt nicht zu finden. Zunächst hatten Wissenschaftler aus Hongkong und Deutschland Paramyxoviren als wahrscheinlichen Erreger genannt.

Bei Mensch und Tier verbreitet

In einer Telefonkonferenz am Dienstagnachmittag sei der Befund durch Ergebnisse anderer Laboratorien des weltweiten Netzwerkes der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt worden. Auch in Proben von anderen SARS-Patienten seien Coronaviren gefunden worden. Coronaviren gehören zu einer großen und sehr heterogenen Virusfamilie, die in der Natur bei Mensch und Tier verbreitet ist. Die Coronaviren des Menschen führten bisher lediglich zu Erkältungskrankheiten.

Erster Fall in Italien aufgetaucht

Weltweit ist die Zahl der Toten durch die asiatische Lungenentzündung nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation WHO auf 17 gestiegen, 10 davon gab es allein in Hongkong. Bis zum Montagabend hatte die WHO zudem 456 SARS-Fälle registriert, 70 mehr als am Vortag. In der Statistik sind die mindestens 300 Fälle in China nicht enthalten. Auch aus Italien wurde am Dienstagabend ein erster bestätigter Fall gemeldet.

Lage in Südostasien kritisch

In Südostasien ist die Lage besonders kritisch: Dort wird das öffentliche Leben zunehmend durch die Angst vor der lebensbedrohlichen Lungenkrankheit SARS beeinträchtigt. Die Menschen erhalten Atemschutzmasken, hunderte sind zu Hause in Quarantäne. Viele Menschen trauen sich zudem nicht mehr in öffentliche Verkehrsmittel. In der südchinesischen Provinz Guangdong (Kanton) sind möglicherweise rund 20 Menschen an der in Asien grassierenden atypischen Lungenentzündung gestorben. Dies berichtete die in Hongkong erscheinende Zeitung "South China Morning Post" am Mittwoch unter Berufung auf einen ungenannten Gewährsmann. Bei weiteren Krankheitsfällen werde noch untersucht, ob tatsächlich ein Schweres Akutes Atemwegssyndrom (SARS) vorliege. Generell habe man die Situation aber unter Kontrolle.

In Deutschland gibt es derzeit mehrere Verdachtsfälle. In der Frankfurter Universitätsklinik liegen zudem 3 Patienten, ein Arzt aus Singapur und 2 Familienmitglieder, die per Flugzeug nach Deutschland gekommen waren. Sie können möglicherweise in einigen Tagen zurück nach Singapur fliegen. Der genaue Zeitpunkt für ihre Entlassung soll in Abstimmung mit der WHO festgelegt werden.


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