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Tatsache oder Trugschluss: Spült Spargel Giftstoffe aus dem Körper?

Spargel gilt als wahrhaftes Wundergemüse: Gerne wird damit geworben, dass die weißen Stangen helfen, den Körper zu entgiften. Doch stimmt das?

Von Lea Wolz

Spargel besteht zum größten Teil aus Wasser. Das Gemüse hat einen harntreibenden Effekt.

Spargel besteht zum größten Teil aus Wasser, das Gemüse hat einen harntreibenden Effekt

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? Der stern nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe. Zuerst lassen wir Sie, die Leser, darüber abstimmen. Auf der nächsten Seite finden Sie die Auflösung des Mythen-Checks.

Spült Spargel Giftstoffe aus dem Körper?

Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob Spargel tatsächlich Giftstoffe aus dem Körper schwemmt.

Gegen was er nicht alles helfen soll: Die Abwehrkräfte soll er stärken, gut für Herz, Muskeln und Verdauung sein und das Gift aus dem Körper schwemmen. Ist Spargel also, wie in Foren und Berichten immer wieder zu lesen, ein "Detox-Star"? Und sollte jeder, dem seine Gesundheit lieb ist, so viel wie möglich von dem Gemüse verputzen? Oder gar zu Kapseln mit getrocknetem Spargelpulver greifen, die als Entschlackungskur angeboten werden?

Als einen Star der gesunden Küche würde Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrbug von der Fachhochschule Münster die weißen Stangen nicht bezeichnen. "Spargel ist in erster Linie kalorienarm", sagt die Expertin, die auch den stern-Ratgeber "Ernährung" betreut. "Wer 100 Gramm des Gemüses isst, kommt auf knapp 20 Kilokalorien. Außer der Gurke gibt es nur wenige Lebensmittel, die da mithalten können." Der Grund: Auch Spargel besteht, wie die Gurke, größtenteils aus Wasser.

Kombiniert man die weißen Stangen nicht gerade mit einer mächtigen Sauce Hollandaise oder viel Butter, wird man davon zumindest nicht dick. "Allerdings lässt sich durch das Spargelessen auch kein Fett abbauen", ergänzt Wahrburg. Denn: Spargel hat zwar, ähnlich wie Kaffee, kurzzeitig einen harntreibenden Effekt. Die Nierentätigkeit wird also durch den hohen Wasser- und Kaliumgehalt sowie die sogenannte Asparagusinsäure, die im Spargel enthalten ist, angeregt. Als Folge muss man nach dem Genuss häufiger auf die Toilette. Doch überflüssige Pfunde, die sich als Fettpolster abgelagert haben, verliert dadurch niemand.

Nur jedem Zweiten stinkt's

Aber spült Spargel tatsächlich Giftstoffe aus dem Körper? Immerhin regt das Gemüse die Harnproduktion an und der Urin riecht nach dem Genuss streng – ganz so, als ob der Körper einer radikalen Entgiftungskur unterzogen worden wäre. Klingt einleuchtend, ist aber ein Mythos. Spargel entschlackt nicht. "Dass Spargel Giftstoffe aus dem Körper transportiert, ist nicht belegbar", sagt Wahrburg. Die Wissenschaft ist sich ohnehin einig, dass es Schlacken, die sich im Körper ablagern sollen, nicht gibt. "Wenn Leber und Niere funktionieren, werden alle unerwünschten Stoffe ausgeschieden", sagt Wahrburg. Spargel zu essen oder Kapseln mit Spargelpulver einzunehmen, sei dafür nicht nötig.

Die Duftnote des Urins hat auch nichts mit irgendwelchen Schlacken zu tun, die den Körper verlassen. Verantwortlich dafür ist die Asparagusinsäure, mit der sich das Gemüse vor Bakterienbefall schützt. Im menschlichen Körper verstoffwechselt sich die Säure bei der Verdauung zu schwefelhaltigen Verbindungen – und diese lassen den Urin übel riechen. Allerdings ist das nicht bei jedem Menschen so: Nur gut die Hälfte verfügt über das Enzym, das Asparagusinsäure in schwefelhaltige Stoffe zersetzt. Ob der Urin nach dem Spargelessen stinkt oder nicht, ist also genetisch veranlagt. Generell gilt aber: Durch den Spargelgenuss wird nur das aus dem Körper geschwemmt, was auch zuvor reingelangt ist.

Fazit

Spargel ist leider kein "Detox-Star". Wer das Gemüse gerne isst, muss dennoch nicht darauf verzichten. Denn auch wenn es den Körper nicht von irgendwelchen Giftstoffen reinigt: Eine schlechte Wahl ist Spargel nicht. Neben viel Wasser enthält das Gemüse auch für den Körper wichtige Mineralstoffe: etwa Kalium, das für Transportvorgänge und die Weiterleitung von Signalen im Körper bedeutsam ist und dafür sorgt, dass Muskeln und Nerven funktionieren. Oder B-Vitamine, die wichtig für den Stoffwechsel sind. "Wer eine Portion Spargel isst, kann seinen Tagesbedarf an Folsäure, ebenfalls ein B-Vitamin, durchaus decken", sagt Wahrburg. Als eine Portion gelten bei Spargel etwa 250 bis 500 Gramm.

Teilweise Entwarnung gibt die Ernährungswissenschaftlerin bei Gicht-Patienten: Ihnen wurde früher oftmals geraten, gänzlich auf Spargel zu verzichten. Denn die im Spargel enthaltenen Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut und können so einen Gichtschub auslösen. Ganz so strikt sehen Ernährungsexperten das heute nicht mehr, das Gemüse gilt mittlerweile als nicht mehr ganz so bedenklich – zumindest, wenn man keine großen Mengen davon in kurzer Zeit isst. "Mehr als 200 Gramm sollten es nicht sein", sagt Wahrburg. "Auf Fleisch oder Alkohol zum Spargel sollten Gichtpatienten dann allerdings verzichten", betont sie. Denn diese Lebensmittel treiben den Harnsäurespiegel ebenfalls in die Höhe.

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