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Gesundheitsgefahr durch Aschewolke: Keine Panik wegen der Vulkanasche

Nichts geht mehr über Europa, Flugzeuge bleiben am Boden. Ein Lungenfacharzt erklärt, ob die Aschewolke aus Island für Menschen gesundheitsschädlich sein kann.

Herr Professor Bergmann, die Aschewolke aus Island bewegt sich auf Deutschland zu. Geht davon eine gesundheitliche Gefahr für die allgemeine Bevölkerung aus?
Nein, im gegenwärtigen Moment geht davon keine Gefahr aus. Es besteht also kein Grund zur Panik. Die Staubwolke ist momentan noch sehr hoch, acht bis zehn Kilometer. Wenn Teilchen herunterkommen, dann nur als ein feiner Staubfilm, sehr stark verdünnt und in kleinen Mengen. Ich gehe davon aus, dass das zu keinen Reaktionen in der Lunge führt, auch nicht bei Asthmatikern, die ja bereits vorbelastet sind.

Die britische Gesundheitsbehörde hat Menschen mit Atemwegserkrankungen zur Vorsicht gemahnt, sogar die WHO schlägt Alarm. Ist die Aschewolke nicht gerade für diese Gruppe besonders gefährlich?
Diese Menschen würden zumindest als erstes merken, wenn Staubteilchen besonders konzentriert niedergehen, weil die Bronchien von Asthmatikern entzündet sind, was wiederum dazu führt, dass sie besonders empfindlich reagieren. Aber gegenwärtig dürften die Staubteilchen in Deutschland keine Gefahr darstellen - weder bei Allergikern, noch bei Asthmatikern. Solange die Wolke nicht tiefer runterkommt, müssen wir uns keine Gedanken machen.

Was würde denn passieren, wenn die Wolke tiefer sinkt? Auf was müssen Asthmatiker dann achten?
Asthmatiker sollten dann überprüfen, ob sie mehr Reizhusten haben oder eine Verengung der Atemwege. Ist das der Fall, sollten die Betroffenen besser nicht zuviel Zeit an der Luft verbringen und sich wenig körperlich belasten.

Was passiert, wenn solche Teilchen in die Atemwege gelangen?
In der Regel enthalten solche Aschewolken kleine, kristalline Staubteilchen ohne chemische Wirkung. Sind diese Partikel groß genug, werden sie in der Nase abgefangen und ausgeschneuzt. Sind sie klein genug, gelangen sie in die Bronchien, werden von dort mit kleinen Härchen, dem sogenannten Flimmerepithel, wieder nach oben befördert und ausgespuckt oder runtergeschluckt. Bei Menschen, deren Lungentätigkeit schon beeinträchtigt ist, kann das zu Reizungen führen und zum Beispiel zusätzliche Asthmaanfälle auslösen.

Auch Pollenallergikern könnte der Staub Probleme bereiten, befürchten Experten. Die Ascheteilchen könnten sich an die Pollen heften und diese aggressiver machen. Ist das möglich?
Prinzipiell ja. Die Teilchen müssten dafür allerdings sehr klein sein. Wir beobachten intensiv, ob sich das Verhalten der Pollen ändert und ob sich Staubteilchen daran ablagern. Ergebnisse sind allerdings erst in den kommenden Tagen zu erwarten.

Welche Krankheitssymptome könnten durch den Aschestaub hervorgerufen werden?
Als erstes leiden Augen, Nase und Atemwege. Die Augen sind gerötet und tränen vermehrt. Die Nase juckt, die Partikel lösen einen Niesreiz aus. Ein weiteres Symptom, an dem gut zu erkennen ist, dass etwas in der Luft liegt, ist ein trockener Reizhusten.

Was kann man tun, wenn man diese Symptome bemerkt?
Wer eine Vorerkrankung hat, ist in der Regel schon ausreichend mit den notwendigen Medikamenten wie einem Asthmaspray versorgt. Wer ansonsten gesund ist und schlimme Symptome aufweist, sollte einen Lungenarzt, einen Allergologen oder einen Kinderarzt aufsuchen. Das sind aber alles Ratschläge, die jetzt noch keine Rolle spielen. Von der jetzigen Aschewolke geht keine Gesundheitsgefahr aus, sie wird erst dann gefährlich, wenn der Staub in viel größeren Mengen sinkt. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie sich die Lage auf Island und die Wetterlage in den kommenden Tagen entwickeln. Noch ist der Vulkan weiter aktiv und schleudert Asche in die Luft. So wie das Wetter momentan ist, sieht es allerdings danach aus, dass die Aschewolke bestenfalls erst einmal über uns hinweggetragen wird und nur wenige Teilchen absinken.

Lea Wolz

Wissenscommunity