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Pressekonferenz in München: Coronavirus erreicht Deutschland: neue Details zu erstem Infizierten und Übertragung

Nach dem ersten bestätigten Fall der neuartigen Lungenkrankheit in Deutschland wurde in München über den aktuellen Kenntnisstand informiert. Demnach hat sich der Infizierte bei einer Kollegin aus China angesteckt. 

Coronavirus: Erkrankter Mann in Bayern hatte Kontakt mit mindestens 40 Personen

Befürchtet wurde es schon seit Tagen, nun ist der erste Nachweis da: Das in China kursierende neue Coronavirus ist auch in Deutschland angekommen. Ob sich im Umfeld des Betroffenen weitere Menschen infiziert haben, ist noch unklar. Bei einer Pressekonferenz im bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in München wurde über den aktuellen Kenntnisstand informiert. Der Überblick. 

... zu dem Infizierten

Bei dem mit dem neuen Coronavirus infizierten Mann in Bayern handelt es sich um einen 33-Jährigen. "Es geht im recht gut, gestern Vormittag hat er noch gearbeitet", sagte der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, am Dienstag in München. Er liegt derzeit auf einer Isolierstation in einem Zimmer mit Schleuse im Münchner Klinikum Schwabing. 

"Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr", sagte sein behandelnder Arzt, Clemens Wendtner, Chefarzt im Klinikum Schwabing in München. "Die Sonderisolierstation ist nicht aktiviert und wird für diesen Patienten auch nicht aktiviert", sagte Wendtner. Er betonte: "Es besteht keinerlei Gefahr für Mitpatienten."

... zu den Hintergründen der Infektion

Der Mann habe an einer Schulung seiner Firma Webasto teilgenommen, an der auch eine Kollegin aus dem Werk des Unternehmens in Shanghai teilgenommen habe.

Die Frau habe vor ihrer Reise nach Deutschland am 19. Januar Besuch von ihren Eltern gehabt, die aus der besonders betroffenen Region Wuhan stammen. Sie sei am 23. Januar wieder zurückgeflogen und habe sich auf dem Heimweg krank gefühlt. Ein Test auf das Coronavirus in China sei positiv ausgefallen. Webasto in Deutschland sei daraufhin informiert worden und habe die Mitarbeiter gewarnt.

Am Wochenende seien bei dem 33-Jährigen dann Symptome einer Bronchitis aufgetreten. Am Montagabend sei er positiv auf das Coronavirus getestet worden.

... zu Verdachtsfällen

Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat es am Dienstag zunächst keine weiteren Verdachtsfälle gegeben. "Wir haben bislang keinen finden können, der noch weitere Symptome hat", sagte LGL-Präsident Zapf. Das sei aber "Stand jetzt, 10.30 Uhr". Die Behörden seien derzeit damit beschäftigt, herauszufinden, mit wem die beiden Mitarbeiter der Firma Webasto Kontakt hatten. Das müsse jetzt "ganz rasch" gehen.

... zu geplanten Maßnahmen

"An vordringlichster Stelle steht für uns nun die Kontaktpersonenermittlung", sagte LGL-Präsident Andreas Zapf. Dabei gehe es um die Personen, mit denen der Patient Kontakt hatte, aber auch um jene Kontakte der Chinesin, bei der sich der Mann angesteckt hatte. Derzeit würden 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie überprüft, sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch. "Die Zahl kann noch steigen." Die Behörden wollen in diesem Zuge auch einen Kindergarten überprüfen. Der 33 Jahre alte Patient stamme aus dem Landkreis Landsberg und habe Kinder in dem Kindergarten. "Natürlich denken wir an Kinder und auch an die Kindergärten", sagte Zapf.

... zu der Besonderheit des Falls

Die Chinesin und der deutsche Mitarbeiter hätten im Rahmen der Schulung in einer kleinen Gruppe zusammengearbeitet, sagte Martin Hoch. Die Ansteckung habe "in einem Intervall, in dem die Chinesin noch symptomfrei war", stattgefunden, sagte Landesamtspräsident Zapf. Das neuartige Coronavirus 2019-nCoV kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind - die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Übertragungen, bevor Symptome auftreten, gelten als sehr selten.

Besonders an dem Fall in Bayern ist auch, dass es einer von bisher erst drei bekannten Nachweisen weltweit ist, bei denen die Ansteckung außerhalb Chinas geschah. Bisher handelte es sich bei fast allen der rund 50 erfassten Infektionen in Frankreich, den USA, Thailand und anderen asiatischen Ländern um importierte Fälle. Die Betroffenen hatten sich bei einer Reise nach China infiziert. 

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... zu den Ansteckungswegen

Nach Ansicht der bayerischen Gesundheitsbehörden liefert der Coronavirus-Fall in Deutschland neue Erkenntnisse über die Ansteckungswege der Lungenkrankheit. Wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitteilte, hat sich der 33 Jahre alte Mann nach ersten Erkenntnissen bei einer Chinesin angesteckt, die zu dem Zeitpunkt noch keine Symptome der Krankheit zeigte. "Das ist neu, dass wir das so wissen", sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch. Die Behörden müssten aber noch mit der Chinesin sprechen, um das zu bestätigen.

Laut Hoch sei nach einem "längeren Face-to-Face-Kontakt" die Ansteckungsgefahr am höchsten. "Wenn man ein längeres Gespräch führt, so etwa 15 Minuten, ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit am höchsten", so Hoch. Es handele sich wohl um eine Tröpfcheninfektion, dementsprechend ähnlich seien die Schutzmaßnahmen zur Influenza: Die Beachtung der Nies- und Hustenetikette sowie regelmäßiges Händewaschen. 

... zur Diagnose

Nach Angaben von Martin Hoch, Leiter der Taskforce Infektiologie, hätte die Diagnose des infizierten rund vier bis fünf Stunden gedauert. "Das geht inzwischen sehr schnell", so Hoch. Die Kontaktpersonen würden aber nicht alle getestet werden, sondern zunächst beobachtet. "Die engen Kontaktpersonen bleiben zu Hause und werden auf Symptome untersucht", so Hoch. Erst nach der Beobachtung komme ein Test infrage.

Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen, nachdem das chinesische Staatsfernsehen am Dienstag einen Sprung um mehr als 1700 Fälle im Vergleich zum Vortag meldete. Allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei habe es auch 24 weitere Todesopfer gegeben, so dass landesweit mindestens 106 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben seien.

Das neue Virus 2019-nCoV stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung gibt es nicht. Die Symptome - darunter trockener Husten, Fieber und Atemnot - können aber mit Medikamenten abgemildert werden.

fs / wue / DPA

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