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Urteil von Bundesgerichtshof: Pharmariese Johnson & Johnson muss Frauen Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen

Der Bundesgerichtshof in Australien hat Johnson & Johnson zu einer Schadenersatz-Zahlung verurteilt. Geklagt hatten mehrere Frauen, denen fehlerhafte Scheiden-Implantate eingesetzt wurden. Die Betroffenen litten anschließend unter quälenden Schmerzen.

Julie Davis umarmt eine weitere Betroffene vor dem Gerichtsgebäude

Bereits im November fiel das Urteil gegen den Pharmakonzern Johnson & Johnson. Damals fiele sich betroffene Frauen vor dem Gerichtsgebäude in die Arme (Archivbild).

DPA

Der Bundesgerichtshof in Australien hat den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson zu fast 2,6 Millionen Dollar Schadenersatz an drei Frauen verurteilt. Ihnen wurden fehlerhafte Scheiden-Implantaten eingesetzt.

Mehr als 1300 Frauen hatten in Australien eine Sammelklage gegen den US-Pharmakonzern gestartet. Das Produkt sollte ihnen eigentlich nach der Geburt helfen. Viele jedoch klagten, es habe Schmerzen und Probleme nur schlimmer gemacht. Eine Frau fühlte sich, "als ob ich eine Rasierklinge in der Vagina hätte".

Im November 2019 gab das oberste Bundesgericht gab in Sydney den Frauen Recht. Richterin Anna Katzmann sagte damals, bei der Entwicklung von sogenannten Vaginal-Netzen ("Vaginal Mesh") sei "fahrlässig" gehandelt worden. Der Konzern habe die Risiken gekannt.

Netze sollten überdehntes Gewebe unterstützen

Bei den drei Frauen, denen jetzt die Schadenersatzsumme zugesprochen wurde, handelte es sich um die drei Hauptklägerinnen. Wie das Online-Portal "abc.net.au" berichtete, waren sie selbst im Gerichtssaal nicht anwesend – dafür jedoch etwa ein Dutzend anderer betroffener Frauen. 

Die Netze waren in Australien mehr als zehn Jahre lang und bis 2017im Handel. Das synthetische Gewebe sollte Frauen helfen, die nach Geburten an schwacher Beckenbodenmuskulatur oder unkontrolliertem Urinverlust litten. Die Netze sollten überdehntes oder gerissenes Gewebe unterstützen. Dazu wurden sie - ähnlich wie eine Hängematte - mit einer Operation im Becken fixiert. Richterin Katzmann sagte in der Urteilsbegründung, die Netze seien nie richtig getestet worden. Es habe nie genügend Daten gegeben, dass sie sicher seien.

Bei Frauen, die sich solche Netze einsetzen ließen, hatte dies unter anderem Gewebeschäden, Entzündungen und Inkontinenz zur Folge. Viele Betroffene gaben an, keinen schmerzfreien Sex mehr haben zu können. Entwickelt wurden die Netze von dem Pharmaunternehmen Ethicon, das zu Johnson & Johnson gehört. An der Klage hatten sich 1350 Frauen beteiligt. Eine Frau sagte in dem Verfahren, die Schmerzen seien so heftig, "als ob ich eine Rasierklinge in der Vagina hätte".

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Immer wieder Klagen gegen Johnson & Johnson

Seit Jahren ist Johnson & Johnson mit Klagen wegen umstrittener Körperpflegeartikel konfrontiert, darunter angeblich asbestverseuchtes Babypuder. Zuletzt verurteilte deshalb Anfang Februar die Geschworenenjury eines Gerichts in New Jersey das Unternehmen, frühere Nutzer des Babypuders mit 750 Millionen Dollar zu entschädigen. Die zuständige Richterin signalisierte aber direkt danach, dass die Summe auf 186,5 Millionen Dollar (170,1 Mio Euro) gesenkt werden dürfte. Ob Johnson & Johnson das Geld überhaupt jemals zahlen muss, ist jedoch unklar. Solche Urteile werden in den USA häufig in höheren Instanzen gekippt, und der Konzern kündigte umgehend Berufung an

Quellen: DPA, "abc.net.au"


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