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Medizin: Nie wieder Erkältungen? Wie Forscher sie bezwingen wollen

Sie nervt, schwächt und kann üble Folgen haben: die gemeine Erkältung. Forscher hoffen, sie endlich zu bezwingen - mithilfe eines Impfstoffs.

Von Christoph Koch und Ralph Kray

Gibt es bald Impfungen gegen Erkältungen?

Der Wiener Professor Rudolf Valenta nutzt Erkenntnisse seiner Allergieforschungen gegen Schnupfenviren

Freunde guter Bücher erinnern sich vielleicht an das eigensinnige Riechorgan des Beamten Kowaljow. Nikolai Gogol erzählte vor 180 Jahren von ihm: Kowaljows Nase löst sich vom Körper des russischen Kollegienassessors. Sie flieht in ein Eigenleben, verschafft sich Uniform und falsche Papiere und will auf Fernreise gehen. Die Nase wird festgenommen, lässt sich aber nicht wieder einpflanzen – bis sie eines Morgens, als Kowaljow erwacht, wieder unverhofft an ihrem gehörigen Ort sitzt. "Man rede, was man will", schließt Gogol, "solche Dinge gibt es in der Welt – zwar nur selten, aber sie kommen vor."

Banalerer Kummer mit dem "nur beim Menschen eigentümlich hervorragenden Teil des Gesichts" (so der Brockhaus aus Gogols Tagen) ist dagegen sehr häufig. Schnupfen quält jeden Erwachsenen gut dreimal, kleinere Kinder gar sechs- bis achtmal im Jahr. Und daran hat sich, dem Fortschritt zum Trotz, seit Gogols Zeiten nichts geändert. Die gemeine erwies sich als unbesiegbar, Ärzte müssen sie der Selbstheilung überlassen, mit allen fiesen Folgen einer kräftigen Immunreaktion: Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Kratzhals, Produktivitätsausfall, Brummschädel und winters landesweite schlechte Laune. Was die Nase dabei tut, ist ein gutes Unterscheidungszeichen zur echten Grippe (Influenza): Die Erkältung verrät sich gerade dadurch, dass die Nase läuft. Meist schon innerhalb zweier Tage nach einer Ansteckung geht das so richtig los.

"Wir müssen das Immunsystem umerziehen"

Seit Wochen registriert das zuständige Robert Koch-Institut deutschlandweit einen Anstieg der Virus-Ausbreitung. Es ist absolute Hochsaison für Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Und auch deshalb macht der österreichische Arzt und Forscher Rudolf Valenta Schlagzeilen. Valenta, 53, weithin bekannt als bedeutender Allergie-Spezialist, möchte eine ganze Menagerie von Schnupfenerregern wegimpfen – je nach Zählweise gibt es insgesamt zwischen 200 und 300 verschiedene Arten, das sind beinahe zehn Prozent sämtlicher erforschten bekannten Virusarten. Mit einigen wenigen Spritzen könne das gerade gegen die besonders verbreiteten Rhinoviren nicht optimal effektive menschliche Immunsystem künftig nachgerüstet werden, sagt er. Das passende Patent hat er seit Kurzem in der Hand. Mit der Medizinischen Universität Wien, wo Valenta Professor ist, sowie einem Startup-Unternehmen und internationalen Forschungspartnern mobilisiert er jetzt die Schlagkraft, um seine Erfindung in Richtung Medikament voranzubringen.


Selbst eine genial erscheinende Idee ist allerdings nicht mehr als der Beginn komplexer Bewährungsproben, die eine neue Arznei bestehen muss. Glücken die gebotenen Studien mit vielen Freiwilligen und rechnet sich das Ganze auch, wird es doch Jahre dauern, bis Patienten außerhalb von Forschungsstudien geimpft werden könnten.

"Weniger als zehn Jahre", hofft Valenta, der mit seiner wachsenden Prominenz gelassen umgeht. An Erdung fehlt es ihm nicht, er wollte Landarzt werden, kam über den Zivildienst nach Wien, begeisterte sich dort für die Forschung – und das glücklicherweise genau zur rechten Zeit. Denn Valenta erlebte jene Phase des medizinischen Fortschritts mit, in der erstmals Gene entschlüsselt und selbst komplizierteste Moleküle von Mensch, Tier und Mikrobe gezielt verändert werden konnten. Heute sind das ausgereifte Techniken, Valenta lernte sie früh, machte Karriere und wandte sie beim Heuschnupfen erfolgreich an. Seine Anti-Erkältungs-Waffe baut genau darauf auf.

Valenta propagiert eine unorthodoxe Theorie: "Wir müssen das Immunsystem des Menschen umerziehen", sagt er, "denn nur dadurch kommt es in die Lage, die Viren sofort an der idealen Stelle zu attackieren." Sie würden dann umgehend zerstört; zum Schniefen, Rotzen, Niesen käme es gar nicht erst.

Wie das? Unser Immunsystem erzeugt Antikörper, wenn es einen Gegner bekämpfen muss. Diese Eiweißgebilde passen wie Schlüssel und Schloss zur Gestalt von Merkmalen eines Eindringlings. Der kann auch ein falsch erkannter Feind sein, wie bei der Allergie, wo Antikörper etwa gegen harmlose Pollen gebildet werden. Es könne aber auch geschehen, dass die Abwehr einen wirklichen Schädling zwar ausmacht, aber an einer ungünstigen Stelle angreift, sagt Valenta: "Und das ist bei Erkältungsviren der Fall." 2012 fanden er und seine Forschungspartner heraus: Menschliche Immunzellen gehen zwar rabiat gegen Schnupfenviren vor (und genau das erzeugt die Symptome) – aber nicht gegen deren äußerste Umhüllung. Sie agieren nur gegen -Bauteile, die erst zutage treten, wenn der Mensch bereits angesteckt wurde und sich die Erreger rasend vermehren. Valentas Immun-Pädagogik gegen diese Schwäche: Er verbindet Außenhüllenmerkmale des Erregers mit einem künstlichen Trägereiweiß. Von ihm lernt die Abwehr, künftig den Virus-Mantel unmittelbar zu zersetzen, bevor die Nase ans Laufen kommt.

Das Rennen um das erfolgreichste Präparat ist eröffnet

Traditionelle hingegen verwenden zum Beispiel ganze Viren, die künstlich abgeschwächt werden, um die Verteidigung des Körpers vor der Infektionssaison zu trainieren. So geschieht es bei der echten Grippe, und so versuchen es derzeit auch Valenta-Wettbewerber in den USA. Das ist technisch einfacher, praktisch aber sehr aufwendig: Bis zu 50 verschiedene Virusstämme müssen zur Schnupfenabwehr mit dem traditionellen Ansatz angezüchtet werden – bei Influenza dagegen sind es immer nur drei oder vier, die in jeder Saison neu gemischt werden. Im vergangenen Jahr gelang es den Entwicklern der auf klassische Art konzipierten Erkältungsimpfung bereits, bei Affen eine gute Immunität gegen zahlreiche verschiedene Erkältungsviren hervorzurufen.

Damit ist das Rennen der Konzepte auf ihrem Weg in die Apotheken gestartet – und schon das ist ein erstaunlicher Durchbruch. Denn der Blick in die medizinische Forschungsliteratur der vergangenen Jahrzehnte zeigt in Sachen Erkältungsabwehr gähnende Leere. Die letzten ernsthaften Bemühungen, die Impfung gegen Nasenrotz und Schädelbrummen auf den Weg zu bringen, scheiterten um 1975. Technologien und wirtschaftliche Perspektiven reichten damals nicht aus, um ans Ziel zu kommen.

Valenta sagt: Es ist ihm sehr ernst. Auch, weil die alltägliche Erkältung in Wahrheit nicht so harmlos ist wie ihr Ruf. Ein Großteil schwerer Asthmaanfälle im Kindesalter wird durch Schnupfenviren ausgelöst, ebenso stellt sich ein hoher Anteil gefährlicher Lungenentzündungen erst infolge einer Ansteckung mit ihnen ein. Für eine alternde Gesellschaft ist das eine wachsende Gefahr, denn die Anfälligkeit von Senioren ist deutlich erhöht.

Wenn das Impfprojekt glückt, lassen sich Nasen künftig womöglich so leicht vom Laufen abhalten wie einst das reiselustige Exemplar des Beamten Kowaljow durch die Petersburger Polizei.

Natürlich heilen: Diese 7 Hausmittel sollten Sie kennen
Halsschmerzen  Der Name der Salbeipflanze leitet sich vom lateinischen Wort "salvare", also heilen, ab. Tatsächlich wirkt die Pflanze antibakteriell und hemmt das Wachstum von Viren und Pilzen. Zum antiseptischen Effekt kommen noch abschwellende und gefäßabdichtende Eigenschaften, das im ätherischen Öl enthaltene Thujon wirkt schmerzlindernd. Die Experten der Kommission E, einem Expertengremium für pflanzliche Arzneimittel, raten bei Mund- und Rachenentzündungen deshalb zum Gurgeln mit Salbeitee.        Rezept    ➝ Einen Teelöffel getrocknete Salbeiblätter mit einem halben Liter kochendem Wasser übergießen.    ➝ Zehn Minuten ziehen lassen und den Tee abgießen.    ➝ Mehrmals täglich damit gurgeln bis die Beschwerden abklingen.
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Halsschmerzen

Der Name der Salbeipflanze leitet sich vom lateinischen Wort "salvare", also heilen, ab. Tatsächlich wirkt die Pflanze antibakteriell und hemmt das Wachstum von Viren und Pilzen. Zum antiseptischen Effekt kommen noch abschwellende und gefäßabdichtende Eigenschaften, das im ätherischen Öl enthaltene Thujon wirkt schmerzlindernd. Die Experten der Kommission E, einem Expertengremium für pflanzliche Arzneimittel, raten bei Mund- und Rachenentzündungen deshalb zum Gurgeln mit Salbeitee.


Rezept

➝ Einen Teelöffel getrocknete Salbeiblätter mit einem halben Liter kochendem Wasser übergießen.

➝ Zehn Minuten ziehen lassen und den Tee abgießen.

➝ Mehrmals täglich damit gurgeln bis die Beschwerden abklingen.