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Gesundheitsvorsorge Britischer Expertenvorschlag: Gutscheine für Schwangere, wenn sie mit dem Rauchen aufhören

Schwangere Frau raucht
Rauchen in der Schwangerschaft schädigt nicht nur die Mutter, sondern auch das ungeborene Kinde
© skynesher / Getty Images
Großbritannien könnte schwangeren Frauen bald finanzielle Anreize bieten, wenn sie in der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhören. Allerdings müssen die Frauen ihre Abstinenz auch nachweisen.

Etwa jede zehnte Frau in Großbritannien raucht auch während ihrer Schwangerschaft, schätzt die britische Gesundheitsbehörde NHS. In Deutschland sind es nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums 13 Prozent – die Dunkelziffer liege allerdings deutlich höher. Das ist eine alarmierende Zahl, denn Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Fehl- und Frühgeburten, führt oft zu einem deutlich zu geringen Geburtsgewicht des Neugeborenen und möglicherweise auch zu einem erhöhten Krebsrisiko beim Kind.

Britische Gesundheitsexperten möchten deshalb schwangere Frauen davon überzeugen, zumindest für die Zeit der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufzuhören. Wo die gesundheitlichen Argumente nicht helfen, sollen nun finanzielle Anreize als zusätzliche Motivation dienen. Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE), eine Einrichtung des Gesundheitsministeriums, empfiehlt deshalb, schwangeren Frauen Einkaufsgutscheine zur Verfügung zu stellen, wenn sie auf das Rauchen verzichten.

Rauchen in der Schwangerschaft: Gutschein als Anreiz zum Aufhören

Im Gespräch sind Gutscheine mit einem Wert von bis zu 400 Pfund, umgerechnet mehr als 460 Euro. Auch Frauen, die nicht während der gesamten Schwangerschaft rauchfrei bleiben, können von dem Angebot profitieren: Pro Woche gibt es zehn Pfund. Bisher handelt es sich lediglich um einen Vorschlag des Instituts, der noch auf politischer Ebene beraten werden muss. Eine NICE-Erhebung habe aber gezeigt, dass pro tausend Frauen, denen das Angebot unterbreitet wird, 177 mit dem Rauchen aufhören würden.

"Wir müssen jedes Mittel nutzen, um die Zahl der Raucher zu verringern", sagt Paul Crisp, beim National Institute for Health and Care Excellence verantwortlich für Gesundheitsrichtlinien: "Dazu gehören Bildung, verhaltensorientierte Unterstützung, finanzielle Anreize und E-Zigaretten, wenn Menschen diese nutzen wollen."

Nachweis durch Kohlenmonoxid-Test

Gynäkologen und Hebammen sollen werdende Mütter zu Beginn ihrer Schwangerschaft auf das Angebot hinweisen. Um die Gutscheine zu erhalten, müssen Frauen an einem anerkannten Nichtraucher-Programm teilnehmen und zudem durch einen regelmäßigen Kohlenmonoxid-Test nachweisen, dass sie in der jüngsten Vergangenheit nicht geraucht haben. Die Gutscheine sollen beispielsweise in Supermärkten gültig sein, allerdings nicht für Waren wie Alkohol oder Zigaretten.

Von dem Gutscheinmodell versprechen sich Fachleute besonders deshalb Erfolg, weil empirisch nachgewiesen ist, dass junge Mütter und Frauen aus sozial benachteiligten Schichten besonders häufig während der Schwangerschaft rauchen. Nikotinkonsum mache die Hälfte des Unterschieds in der Lebenserwartung zwischen ärmeren und reicheren Schichten aus, teilte NICE mit.

Quellen: National Institute for Health and Care Excellence (NICE) / "Quarks" / Bundesgesundheitsministerium 

epp

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