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Interview: "Impfung nur, wenn die Seuche droht außer Kontrolle zu geraten"

Das Friedrich-Löffler-Institut arbeitet an einem Impfstoff für Tiere gegen die Vogelgrippe. Könnte die Seuche über Zugvögel auch zu uns gelangen?

Herr Mettenleiter, wie hoch ist die Gefahr der Einschleppung über Zugvögel? Sollte die Stallpflicht wieder eingeführt werden?

Momentan ziehen keine Vögel, daher ist die Gefahr gering. Der Frühjahrszug beginnt ungefähr Ende Februar und dauert bis in den April hinein. Wir beobachten die Lage sehr genau und an Hand einer aktuellen Risikobewertung werden wir dann im Frühjahr ein Aussage darüber treffen, ob die Stallpflicht wieder eingeführt werden sollte oder nicht.

Wie arbeiten Sie mit dem Robert-Koch-Institut [RKI, Anm. d. Redaktion] und den Ministerien zusammen?

Die Zusammenarbeit zwischen RKI und FLI ist sehr eng. Das RKI konzentriert sich auf die humanmedizinischen Fragen der Vogelgrippe, wir auf die tiermedizinischen. Zum Beispiel entwickeln wir Diagnose-Schnelltests oder erforschen die Übertragbarkeit des Virus zwischen Vögeln und auch von Vögeln auf andere Tiere.

Das RKI berät das Bundesgesundheitsministerium, das FLI das Verbraucherministerium.

Arbeiten Sie an einem Impfstoff für Vögel?

Ja, es gibt einen Prototypen, der auch recht gut funktioniert. Allerdings ist er noch nicht einsatzbereit. Das dauert noch.

Sollte man nicht jetzt großflächig impfen, bevor die Seuche im Land ist?

Nein. Eine Impfung ist nur dann angebracht, wenn die Seuche droht außer Kontrolle zu geraten oder schon unkontrollierbar ist, wie derzeit in Südost-Asien und China. Dann können Impfmaßnahmen dazu beitragen, die Seuche wieder in den Griff zu bekommen. Man muss aber bedenken, dass geimpfte Tiere immer noch infiziert werden können und dass sich das Virus auch schneller verändert, wenn geimpft wird. Deshalb bleibt unsere Strategie jeden Ausbruch schnell zu erkennen und sofort zu eliminieren, wie das ja 2003 in Viersen auch gut geklappt hat.

Wie schnell verändert sich das Virus? Macht es überhaupt Sinn einen Impfstoff zu entwickeln?

Ja durchaus. Grippeviren verändern sich generell schnell, aber das Virus ist dem asiatischen Vogelgrippe-Virus immer noch sehr ähnlich. Einen Impfstoff kann man auch anpassen.

Wie hoch ist das Risiko der Einschleppung durch illegale Tiertransporte?

Vorletzten Oktober wurden zwei Kleinadler nach Europa geschmuggelt, die infiziert waren. Das sind natürlich spektakuläre Fälle, sie zeigen aber das Einschleppungsrisiko. Sorgen macht uns aber auch das Mitbringen von Fleisch aus den betroffenen Gebieten. Es sind erhebliche Mengen, die da an den Grenzen konfisziert werden. Hier hilft neben verstärkten Kontrollen hauptsächlich die Aufklärung.

Thomas Mettenleiter ist Präsident des Friedrich-Löffler-Institutes Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Interview: Jens Lubbadeh

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