HOME

Bakterieninfektion: Mutter verliert nach Geburt ihres Sohnes Arme und Beine

Im März brachte Lindsey Hubley ihren Sohn im kanadischen Halifax zur Welt. Nach der Geburt plagten die 33-Jährige starke Unterleibsschmerzen. Die Diagnose: Krankenhauskeime verursachten eine nekrotisierende Fasciitis, die sie Arme und Beine kostete.

Mutter Lindsey Hubley Gofundme

Die nekrotisierende Fasziitis ging soweit, dass der jungen Mutter beide Beine und Arme amputiert werden mussten

Die Geburt ihres Sohnes Myles Owen Anfang März verlief problemlos. Doch nur wenige Tage nach der Geburt erkrankte Mutter Lindsey Hubley schwer, wie Schwägerin Susan auf "Gofundme" berichtete.

In einem Krankenhaus im kanadischen Halifax hatte die 33-Jährige ihr Baby zur Welt gebracht. Dort seien ihre andauernden starken Unterleibsschmerzen jedoch als nicht besorgniserregend eingestuft worden, hieß es. Ein Arzt habe eine Verstopfung diagnostizierte und die schmerzgeplagte nach Hause geschickt. 

Fehldiagnose mit fataler Folge

Bei einer späteren Untersuchung hätten die Ärzte jedoch "nekrotisierende Fasziitis" festgestellt - das ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit in der Unterhaut und den Faszien, die Haut, Muskeln und später auch Organe absterben lässt. Offenbar waren bei der Geburt durch eine Verletzung an der Vagina Bakterien in den Unterleib der Mutter eingedrungen, die die Krankheit auslösten. Die Keime führten zu einer Blutvergiftung. Nach mehreren Operationen konnte das Leben der 33-Jährigen gerettet werden. Doch um das Ausbreiten der Krankheit zu stoppen, mussten beide Unterarme und -schenkel amputiert werden. 

Heute sitzt die 33-Jährige im Rollstuhl - und muss sich bald noch einer Nierentransplantation unterziehen. Ihre Lebensfreude hat sie dadurch aber nicht verloren, wie ihr Verlobter Mike stolz "CTV News“ erzählte: "Sie ist unglaublich positiv eingestellt. Sie wusste, sie würde Arme und Beine verlieren, aber das hat ihr nicht ihre Fröhlichkeit genommen."

Nun klagt die Familie gegen das Krankenhaus, weil die behandelnden Ärzte die Infektion zunächst übersehen haben sollen. Ein Großteil oder gar der komplette Schaden hätte verhindert werden können, wenn Lindsey richtig behandelt worden wäre, so ihr Anwalt. Für die finanzielle Unterstützung hat Schwägerin Susan - schon sehr erfolgreich - zu Spenden aufgerufen

MRSA-Keime gelangen über Verletzungen in den Körper

Immer wieder sterben Menschen durch Fehldiagnosen oder Krankenhauskeime, wie MRSA - in Deutschland infizieren sich rund 3,5 Prozent der Patienten auf Allgemeinstationen mit einem Krankenhauskeim, auf Intensivstationen sind es 15 Prozent. Zwischen 1000 und 4000 Todesfälle gehen hierzulande pro Jahr auf das Konto multiresistenter Erreger. Über eine halbe Million Menschen steckt sich pro Jahr in deutschen Krankenhäusern mit den gefährlichen Keimen an. Das kann auch bei einem Routine-Eingriff passieren.

"" steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Keime dieser Art siedeln sich häufig auf der Haut des Menschen an, ohne diesen automatisch krank zu machen. Gelangen sie jedoch über Verletzungen in den Körper, können sie schwere Infektionen auslösen. Die Folge sind Hautentzündungen, Geschwüre oder Entzündungen einzelner Organe. MRSA sind gegen die meisten gängigen Antibiotika resistent, was die Behandlung erschwert.

dm

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity