Jugendliche und Rauchen Rauchen statt Essen

41 Prozent der Mädchen rauchen nur, weil sie nicht zunehmen wollen
41 Prozent der Mädchen rauchen nur, weil sie nicht zunehmen wollen
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Ein Drittel aller deutschen Jugendlichen raucht - das ergab eine Krankenkassen-Studie. Damit nimmt Deutschland weltweit einen Spitzenplatz ein. Noch beunruhigender: Viele Mädchen rauchen nur, weil sie nicht zunehmen wollen.

Jugendliche Raucher neigen fünf Mal mehr zum Rauschtrinken als Nichtraucher. Das Rauchstopp-Programm "Just be smokefree", das unter anderem von der Krankenkasse DAK und der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, stellte am Donnerstag in Berlin die Studie vor. Sie brachte unter anderem das Ergebnis, dass zwölf Prozent der rauchenden Jungen der Klassenstufen 7 bis 13 bereits innerhalb der ersten fünf Minuten nach dem Aufstehen zur Zigarette greifen - wissenschaftlich erwiesenes Symptom einer Sucht, wie Klaus Spörkel von der DAK erläuterte.

Rauchen, um nicht zuzunehmen

Insgesamt rauchen der Untersuchung zufolge etwa 30 Prozent der Jugendlichen, womit Deutschland international eine Spitzenstellung einnimmt. Die Geschlechtsunterschiede sind deutlich: Täglich rauchen 18,8 Prozent der Jungen und 13 Prozent der Mädchen, gelegentlich 8,1 beziehungsweise 11,1 Prozent.

Von den Rauchern und Raucherinnen konsumieren 40 Prozent der Jungen und 30 Prozent der Mädchen mehr als zehn Zigaretten täglich. Unter diesen geben 41 Prozent "Nicht zunehmen" als einen Grund für das Rauchen an. 92 Prozent dieser Mädchen haben allerdings überhaupt keinen Grund, sich Sorgen um ihre Figur oder ihr Gewicht zu machen. 35 Prozent der rauchenden Mädchen gaben in der Umfrage unter 1.738 Schülerinnen und Schülern an, zu rauchen anstatt zu essen. Die Ursachen für das Rauchen sind "komplexer als man denkt", wie der Kinderarzt und Suchtberater Wolf-Rüdiger Horn erklärte.

Raucher sind weniger gebildet

So sind Raucher weniger gebildet als Nichtraucher. Hintergrund seien oft die Neigung zur Normüberschreitung ("Renitenz"), was auch das Erliegen der alkoholischen Versuchung teilweise erkläre, aber auch größerer Konsum elektronischer Medien oder Schulprobleme. Horn regte an, die Risikofaktoren wie Renitenz stärker bei Prävention und Therapie zu berücksichtigen und statt lediglich medikamentöser Behandlung Gespräche und Motivationshilfen aller Art stärker ins Blickfeld zu nehmen.

Die Initiative, die einen "niedrigschwelligen" (Spörkel) Einstieg zum Rauchstopp bietet, hat bisher mehr als 11.500 Anmeldungen erhalten. Die Erfolgsquote liegt, so weit messbar, zwischen rund zwölf und 45 Prozent. Nach Auffassung der Organisatoren sind das ermutigende Zahlen, da die Quote derjenigen Jugendlichen, die ohne Hilfe rauchfrei werden, bei nur zwei Prozent liegt. Die DAK kritisierte das "Hin und Her" der politischen Ebenen über die Gesetzgebung zum Nichtraucherschutz. "Das ist genauso uncool wie das Rauchen", meinte DAK-Sprecher Jörg Bodanowitz.

AP AP

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