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Opioid-Epidemie in den USA "Sucht ist ein Vollzeitjob": Mutter will Drogensucht überwinden – und ihre Kinder wiederbekommen

Ende 2018 verliert Emily McIntyre das Sorgerecht für ihre zwei Kinder. Ein Kokaintest bei ihrem Säugling fällt positiv aus.


Die 26-Jährige ist eine von Tausenden Amerikanern, die Opfer der Opioid-Epidemie sind.


"Sucht ist ein Vollzeitjob. Sechs Jahre lang hatte sie mich im Griff."


McIntyres elf Monate alte Tochter und ihr fünfjähriger Sohn sind nun in einer Pflegefamilie in Ohio. Über die vergangenen fünf Jahre steigt in diesem US-Bundesstaat die Anzahl der Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden, um 27 Prozent.


"Meine Kinder mussten von mir weggenommen werden, damit ich mich auf mich konzentrieren und erholen kann. Sie sind nicht der Grund, warum ich nun nüchtern bin, aber sie sind dafür meine größte Motivation. Ich will nie wieder, dass meine Kinder mich mit einer Sucht sehen."


Mit 18 Jahren wird die Amerikanerin nach dem Medikament OxyContin süchtig. Der Schmerzmittel-Hersteller Purdue wurde im September für seine Mitschuld an der Opioidkrise in den USA zu 12 Milliarden Dollar Schadensersatz verurteilt.


Auf McIntyres Medikamentensucht folgt später die Heroin- und Kokainabhängigkeit.


Als die junge Frau ihre Kinder verliert und zum dritten Mal schwanger wird, will sie ihr Leben drastisch ändern.


Sie nimmt an einem von Gericht angeordneten Reha-Programm teil.


“Sie ist dafür verantwortlich, sich bei uns zu melden. Sie muss sich beim Gericht melden und zur Behandlung gehen. Wir verfolgen es jede Woche."
Lauren Wimer, Sachbearbeiterin des lokalen Gerichtssystems


Als Teil der Rehabilitation bekommt man einen "Erholungs-Coach".


Angela Cochran, die ebenfalls drogensüchtig war, hilft McIntyre durch den Prozess.


"Es macht überschaubarer und weniger beängstigend für die Person, die das leisten muss, jemanden mit der gleichen Erfahrung zu haben."


In der Kleinstadt Warren gibt es 2019 bisher 564 Überdosen – darunter 60 Todesfälle. Im ganzen Land steigt die Anzahl der Tote durch Opioide: 2017 sind landesweit 47.600 Menschen an einer Überdosis gestorben.


"Es ist hier ein großes Thema und ein riesiges Problem. Viele meiner Freunde sind wegen der Krise tot. Sie haben es nicht geschafft. Ich bin glücklich, dass ich überlebt habe."


Kimberly Ruble arbeitet beim Jugendamt und will eine Wiedervereinigung möglich machen.




"Wir wollen mindestens sechs Monate Abstinenz. Aber wir wollen auch sicherstellen, dass sie ein sicheres und stabiles Zuhause haben, in einer gesunden Beziehung sind und den Kindern eine sichere Umgebung anbieten können."


Seit sieben Monaten ist McIntyre nüchtern. Sie hat eine neue Wohnung und könnte ihre Kinder bis Ende des Jahres wiederbekommen. Das dritte Kind soll in den nächsten Wochen auf die Welt kommen – die Zeichen dafür, dass sie es behalten darf, stehen gut.


"Meine Zukunft sieht gut aus. Ich ahne, dass meine Kinder zurückkehren. Einen Job zu haben, ein Auto, alles. Ein normales Leben."
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2019 gab es in Ohio bisher 564 Überdosen an Opioiden – darunter 60 Todesfälle. Das Video gibt Einblicke in das Leben einer Frau, die ihren Kurs drastisch ändern will, um die Drogensucht zu beenden und ihre Kinder zurückzubekommen.

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