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Tierfutter-Skandal: Dioxin-Spuren weisen nach Rheinland-Pfalz

Der Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter hat seinen Ursprung vermutlich in verseuchter Kaolin-Tonerde aus Deutschland. Betroffen ist auch der Pommes-Frites-Hersteller McCain.

Der Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter in Deutschland, Belgien und den Niederlanden geht vermutlich auf verseuchte Kaolin-Erde aus Rheinland-Pfalz zurück. In Nordrhein-Westfalen sind drei Bullenmastbetriebe mit insgesamt rund 2000 Tieren in Bocholt, Ahaus und Billerbeck vorsorglich gesperrt werden. Sie haben möglicherweise mit hochgiftigem Dioxin belastetes Futter von einem niederländischen Betrieb bezogen. Der ebenfalls betroffene Nahrungsmittelhersteller McCain am Donnerstag, seine Pommes Frites könnten unbedenklich verzehrt werden.

Aufgeflogen war der Fall, weil die niederländischen Behörden in Milch einen erhöhten Dioxinwert festgestellt hatten. Die EU-Kommission in Brüssel bestätigte, dass Anfang der Woche in den Niederlanden mit Dioxin verseuchte Milchprodukte aufgetaucht seien. Ein entsprechendes EU-Alarmsystem sei umgehend aktiviert worden, um zu verhindern, dass betroffene Lebensmittel in Umlauf gerieten. Das als "Seveso-Gift" bekannt gewordene Dioxin ist stark Krebs erregend.

Wie McCain Deutschland berichtete, stammte das Dioxin aus Kaolin-Tonerde, die in einer Pommes-Fabrik im niederländischen Lelystad beim Sortieren von Kartoffeln eingesetzt wurde: "Restbestände von dioxinverunreinigtem Kaolin-Ton wurden in Schälabfällen gefunden." Diese Schälabfälle seien an Futtermittelhändler geliefert worden.

Der Pommes-Frites-Hersteller erklärte, der Verkauf von Schälabfällen sei bis auf weiteres eingestellt, der Einsatz von Kaolin gestoppt und die Anlagen in Lelystad komplett gereinigt worden. Zudem seien McCain-Kartoffelprodukte aus der betroffenen Fabrik in Zusammenarbeit mit den niederländischen Gesundheitsbehörden untersucht und als unbedenklich eingestuft worden.

Nach derzeitigem Sachstand habe ein rheinland-pfälzisches Unternehmen das Kaolin geliefert, erklärte eine Sprecherin des Mainzer Landwirtschaftsministeriums. Das betroffene Unternehmen werde zurzeit überprüft. Nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums sind die fraglichen Kartoffelabfälle als Futtermittel an mehr als 170 Mastbetriebe geliefert worden, darunter acht in Belgien und drei in Nordrhein-Westfalen.

Die nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn (Grüne) will nun geklärt wissen, wie es möglich war, dass "wieder Kaolinit-Tonerde aus Rheinland-Pfalz in Futtermittel auftaucht." Die Behörden im Nachbar-Bundesland hätten nach einem ähnlichen Skandal vor einigen Jahren die Verwendung der Substanz in Tierfutter verboten, betonte Höhn.

Der Leiter des europäischen Instituts für Lebensmittelwissenschaften, Udo Pollmer, sagte dem "Mannheimer Morgen", Tonerde aus Rheinland-Pfalz habe teils einen hohen natürlichen Dioxingehalt: "Das ist seit Jahren bekannt, und es kann sich auch niemand in der Lebensmittelproduktion damit herausreden, er habe das nicht gewusst."

Es müsse jetzt dringend geklärt werden, ob in der Vergangenheit dioxinbelastete Milch- oder Fleischprodukte zum Verbraucher gelangt seien, betonte das Bundesverbraucherministerium. "Dioxine haben weder in Futtermitteln noch in Lebensmitteln etwas zu suchen. Die niederländischen Behörden sind gefordert, diesen Fall streng zu ahnden", erklärte Alexander Müller, Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium.

Der Milchindustrie-Verband in Bonn versicherte unterdessen, dass deutsche Milcherzeugnisse von der aktuellen Dioxinaffäre nicht betroffen seien. Bei den drei in Nordrhein-Westfalen betroffenen Höfen handele es sich "definitiv nicht um Milchviehbetriebe."

AP / AP

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