Verhütung Sorglos in sechs Schnitten


Sterilisation ist die sicherste Verhütungsmethode beim Mann und risikoarm dazu. Sie kann sogar die Lust steigern. Schade, dass so wenige den Eingriff wagen.

Die sahen wie zwei kleine weiße Gummischläuche aus und waren ganz schön elastisch", erinnert sich Thorsten Bach (Name geändert). Der 49-jährige Diplompädagoge erzählt nicht von der letzten Fahrradreparatur, sondern beschreibt den Blick auf seine Samenleiter bei der Sterilisation. Die Entscheidung für diesen Weg der Verhütung hat er vor mittlerweile zehn Jahren getroffen. Bis heute hat er die Schnitte im Schritt nicht bereut.

Die Kasse zahlt nicht mehr

Etwa 50.000 Männer pro Jahr ließen in Deutschland in der Vergangenheit eine Vasektomie durchführen, sagt Horst Oesterwitz, Chefarzt der Urologie des Ernst-von-Bergmann-Klinikums in Potsdam. Verglichen mit den Quoten in Indien und China, den USA und Großbritannien sind das nur wenige. In diesem Jahr ist die Zahl sogar gesunken, denn seit dem 1. Januar zahlen die gesetzlichen Kassen den Eingriff nicht mehr. Ungefähr 250 Euro kostet eine Vasektomie in den Pro-Familia-Zentren Bremen, Rüsselsheim und Saarbrücken; bei den niedergelassenen Spezialisten - nahezu jeder operierende Urologe führt die Operation durch - kann es doppelt so teuer werden. In einem Krankenhaus ist die Sterilisation durch den besonderen organisatorischen Aufwand meist am teuersten. Oesterwitz schätzt, dass sich nur noch halb so viele Männer sterilisieren lassen, seitdem sie die Behandlung selbst bezahlen müssen.

Gut fürs Sexualleben

Aus medizinischer Sicht ist das schade, denn diese Art der Verhütung bietet nahezu hundertprozentige Sicherheit. Zudem birgt die Vasektomie ein niedriges Risiko, unerwünschte Nebenwirkungen zu erleiden, und ist damit eine durchaus erwägenswerte Alternative zur Hormongabe der Pille. Doch viele Männer haben Angst vor einem Eingriff an ihrer sensibelsten Körperregion, dazu kommt Unwissenheit darüber, was die Operation bewirkt. Viele glauben, dass die Sterilisation die Lust abtötet. Doch der männliche Hormonhaushalt wird durch die kleinen Schnitte nicht beeinflusst - es besteht keine Gefahr für Potenz, Erektion und Libido. Weil eine Sterilisation aber die Sorge vor einer ungewollten Schwangerschaft nimmt, so Experte Oesterwitz, wirke sie sich bei mehr als zwei Dritteln der Männer sogar positiv auf das Sexualleben aus. Jeder fünfte Mann berichtet nach dem Eingriff sogar von intensiveren Orgasmen.

Die Vasektomie ist erheblich einfacher und risikoärmer als die Sterilisation bei der Frau. Der Eingriff wird unter lokaler Betäubung ambulant durchgeführt. Nach einer kurzen Ruhephase kann der Mann in der Regel wieder nach Hause. Thorsten Bach konnte jeden Handgriff des Operateurs beobachten: Zunächst wurde die Haut des Hodensacks auf beiden Seiten ungefähr anderthalb Zentimeter eingeschnitten, um die Samenleiter freizulegen. Aus denen schnitt der Urologe jeweils ein ungefähr einen Zentimeter langes Stück heraus. Damit die Enden auf keinen Fall wieder zusammenwachsen, wurden sie verödet, umgeklappt und vernäht. Die Prozedur dauerte etwa eine Viertelstunde. Ein paar Minuten verschnaufte Bach im Wartezimmer, dann durfte er gehen. Einzige Anordnung für die Tage danach: Anstatt seiner Boxershorts solle Bach in den ersten Wochen besser einen engen Slip tragen, das entlaste die beiden Nähte.

Komplikationen sind selten

Durchschnittlich bei drei Prozent der Operationen kommt es anschließend zu Komplikationen, sagt Oesterwitz. "Dabei hängt die Häufigkeit auch von der Erfahrung des Operateurs ab." Die häufigsten unerwünschten Folgen sind Blutergüsse und Schwellungen, Infektionen und Spermaknötchen. Die Knötchen können entstehen, wenn die Operationsnähte zu fest angezogen sind, das verschnürte Gewebe abstirbt und Spermien austreten. Dann sind die Samenleiter offen und wachsen möglicherweise sogar wieder zusammen. Recht häufig ist eine vorübergehende Berührungsempfindlichkeit des Nebenhodens durch den Rückstau von Spermien. Auch Thorsten Bach kann sich noch an das unangenehme Ziehen erinnern. Nach wenigen Wochen waren die Schmerzen jedoch verschwunden.

Die Reserven müssen aufgebraucht werden

Zwei Monate nach der Sterilisation ging Bach das erste Mal zum Spermiogramm - erst dann lässt sich feststellen, ob die Operation wirklich erfolgreich war. "Um sicher unfruchtbar zu sein, müssen zunächst die 'Reserven' aufgebraucht werden", erläutert Oesterwitz. "Nach sechs bis acht Wochen oder zehn bis 15 Samenergüssen wird das erste Mal im Mikroskop geschaut, ob da noch Spermien vorhanden sind." Auch wenn keine zu finden sind, sollte das Ejakulat nach drei und nach sechs Monaten auf jeden Fall erneut untersucht werden. "Die Samenleiter wachsen zwar äußerst selten wieder spontan zusammen - aber wenn, dann passiert es in den ersten Monaten nach dem Eingriff."

Bei allen guten Argumenten für die Sterilisaton als Verhütungsmethode - die Entscheidung dafür sollte wohl überlegt sein. Denn die kleine Operation kann nur mit großem Aufwand rückgängig gemacht werden. Der Reproduktionsmediziner Klaus Bühler, Vorstandsmitglied des Deutschen IVF Registers (IVF sthet für In-vitro-Fertiisation), empfiehlt deshalb vor der Vasektomie ein ausführliches Beratungsgespräch. "Häufig befindet sich das Paar in einer krise, wenn sich der Mann zu einer Sterilisation entschließt. Die Sterilisation kann in dieser Situation Folge einer Abwehrhandlung sein". Die Trennung sei in solchen Fällen vorprogrammiert. Und mit einer neuen Partnerin entstehe häufig ein neuer Kinderwunsch.

Constanze Löffler print

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