HOME

Vogelgrippe in Deutschland: Seehofer kritisiert Krisenmanagement

Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hat vor einer weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe gewarnt und zugleich das Krisenmanagement auf Rügen bemängelt. Seehofer will eine Neuverteilung der Kompetenzen von Bund und Ländern bei der Bekämpfung der Seuche.

Deutschland bereitet sich auf ein Ausbreiten der Vogelgrippe vor. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich das Geschehen geographisch erweitert", sagte Bundesagrarminister Horst Seehofer am Freitag. Angesichts der schleppenden Bergung toter Vögel auf Rügen appellierte er an die anderen Bundesländer, sich auf den Ernstfall besser vorzubereiten. Der CSU-Politiker forderte mehr Kompetenzen für den Bund bei der Seuchenbekämpfung und erntete dafür Widerspruch aus den eigenen Reihen.

Die Zahl der Vögel, die erwiesenermaßen an dem gefährlichen Virus H5N1 verendeten, stieg auf 13. Der Minister berichtete nach einer Schaltkonferenz des nationalen Krisenstabes, dass derzeit 80 tote Vögel im Friedrich-Loeffler-Institut analysiert würden. Er prognostizierte weitere positive Befunde. Seehofer wies auf das Infektionsrisiko an den Fundorten hin, das von den Ausscheidungen der Tiere ausgehe. Flächen müssten deshalb abgesperrt und desinfiziert werden, um zu verhindern, dass das Virus in Ställe weitergetragen werde.

Es herrsche "höchste Alarmstufe". Der Minister mahnte die Länder zur rigorosen Umsetzung der seit Freitag wieder herrschenden bundesweiten Stallpflicht: "Da gibt es null Toleranz." Man habe es mit einer gefährlichen Tierseuche zu tun. Seehofer kritisierte es als "nicht erfreulich", dass die verendeten Schwäne auf Rügen nicht schnellstens weggeräumt oder Fundorte nicht zumindest abgesperrt worden seien. Er mahnte die anderen Bundesländer zu einer besseren Vorbereitung und kündigte für Samstag einen Informationsbesuch in Mecklenburg-Vorpommern an.

Auf Rügen wurde die Bergung der toten Tiere mit zusätzlichen Helfern vorangetrieben. Zwischen Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) und dem zuständigen Landkreis brach ein Streit über die richtige Bekämpfung aus. Backhaus erklärte, die Kreisverwaltung Rügens sei "offenbar überfordert", und legte Landrätin Kerstin Kassner (PDS) nahe, den Katastrophenfall auszurufen. Nur so könne wirksamere Hilfe geleistet und sogar die Bundeswehr eingesetzt werden.

Sie haben Flash deaktiviert oder nicht installiert. Oder Sie benutzen ein iOS-Gerät.

Kein Medikamenten-Engpass zu befürchten

Seehofer forderte mehr Kompetenzen für den Bund beim Seuchenschutz. Darüber könne allerdings erst geredet werden, "wenn alles im Griff ist". Unionsfraktionschef Volker Kauder widersprach: Zur Koordinierung von Maßnahmen bedürfe es keiner Bundeszuständigkeit, sondern einer "engen Zusammenarbeit von Bund und Ländern". Nach Ansicht des Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, dem sachsen-anhaltinischen Ressortchef Gerry Kley (FDP), wird es im Fall einer ersten Vogelgrippe-Epidemie unter Menschen keinen Engpass an Medikamenten in Deutschland geben. Länder und Großunternehmen hätten bislang einen Arzneimittelvorrat für mindestens vier bis fünf Prozent der Bevölkerung zugelegt, sagte er.

Unterdessen wollen mehrere EU-Staaten vorbeugend gegen das Vogelgrippevirus impfen. Frankreich und die Niederlande reichten in Brüssel entsprechende Anfragen ein. Das Thema wollen die EU-Agrarminister am Montag erörtern. Zudem betonte die Kommission, dass ökonomische Schäden nur dann mit EU-Mitteln ausgeglichen werden könnten, wenn das Virus auf einen kommerziellen Betrieb übergriffen habe. Die Bundesregierung hat Vorbehalte gegen die vorsorglichen Impfungen, weil dann geimpfte Tiere nicht mehr von anderen unterschieden werden könnten und geimpfte Tiere das Virus übertragen könnten, ohne selbst daran zu erkranken. In Frankreich wurde am Freitag bei einer toten Ente erstmals Vogelgrippe nachgewiesen. Der Nachweis des gefährlichen Subtyps H5N1 steht noch aus.

DPA

DPA / DPA

Wissenscommunity