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Vogelgrippe: Proben für den Ernstfall

Im Kampf gegen die Vogelgrippe will die EU die Anti-Grippe-Maßnahmen stärker koordinieren und entwirft Notfall-Pläne für den Epidemie-Ernstfall. Derweil verenden in Russland tausende Vögel.

Im Kampf gegen die Vogelgrippe will die Europäische Union (EU) die Maßnahmen ihrer Mitgliedstaaten stärker koordinieren. Dazu gehöre der Schutz vor einem Ausbruch der Tierseuche in den Ställen ebenso wie die Versorgung der Menschen mit Grippe-Medikamenten und Impfstoff, teilte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou nach einem Treffen der EU-Gesundheitsminister mit Seuchenexperten nahe London mit. Konkrete Beschlüsse nannte er nicht. Der britischen Gesundheitsministerin Patricia Hewitt zufolge sollen Details sowie die Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter diskutiert werden.

Bereits am Donnerstag hatte die EU das Importverbot von Geflügel und Geflügelprodukten verschärft, nachdem das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 bei verendeten Vögeln nahe Moskau festgestellt worden war. Wildgänse aus dem Großraum Moskau ziehen derzeit zu Zehntausenden Richtung Westeuropa. Deshalb muss in Deutschland wie auch in anderen EU-Ländern alles Geflügel für die nächsten Wochen im Stall bleiben.

Computersimulation des Ernstfalls

Einem Sprecher der EU zufolge haben inzwischen alle Mitglieder ihre Notfall-Pläne vorgelegt, wenn auch zum Teil noch in Entwürfen. Damit könne die EU den Ausbruch einer gefährlichen Grippe-Epidemie in einer groß angelegten Computersimulation durchspielen, um das Krisenmanagement in den Ländern zu testen. Die Notfallübung soll von der britischen Behörde für Gesundheitsschutz gesteuert werden.

Die internationale Hilfsorganisation Oxfam warnte unterdessen mit Blick auf eine mögliche Grippe-Pandemie davor, dass arme Länder am stärksten betroffen sein könnten. Die Patent-Vorschriften der Welthandelsorganisation (WTO) würden deren Chance auf bezahlbare Medikamente zerstören. "Arme Menschen können die zwei Dollar oder mehr für eine Tablette nicht bezahlen", sagte Oxfam-Direktor Phil Bloomer. Dies gelte selbst dann, wenn die Regierungen genügend Medikamente beziehen könnten.

Hamsterkäufe von Grippemedikamenten

Auch innerhalb der EU wurde die Frage der Verteilung von Grippe- Medikamenten und Impfstoff den Informationen zufolge diskutiert. Die EU-Kommission sei sich möglicher Probleme bewusst, hieß es dazu.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat die Auslieferung seines Grippemittels Tamiflu nach Informationen der "Thüringer Allgemeinen" in Deutschland gestoppt. Ein Unternehmenssprecher sagte der Zeitung, die Lieferungen würden erst wieder aufgenommen, wenn die diesjährige Grippewelle anrolle. Das Medikament sei ausschließlich für die Behandlung von Influenza zugelassen. Diese sei in Deutschland noch nicht aufgetreten. Derzeit seien Hamsterkäufe zu verzeichnen, bei denen man nicht wisse, "wo diese Medikamente hingehen". Der Großhandel habe bereits die doppelte Menge eines Saisonbedarfs erhalten. Im Falle einer Epidemie trage der Hersteller Sorge für eine rechtzeitige Auslieferung, betonte der Sprecher.

Experten befürchten, dass sich das Vogelgrippevirus oder ein anderes Grippe-Virus genetisch verändert und dann eine weltweite extrem gefährliche Epidemie folgt.

DPA / DPA

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