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"Wickert trifft" Dorothee Bär im netten Gespräch – doch bei einem Thema kracht's gewaltig

Ulrich Wickert im Gespräch mit Dorothee Bär
Ulrich Wickert unterhält sich in der neuen Folge seines Podcasts mit der CSU-Politikerin Dorothee Bär, der Beauftragten der Bundesregierung für Digitalisierung.
© Uwe Zucchi/dpa / picture alliance/Flashpic
In der neuen Folge seines Podcasts unterhielt sich Ulrich Wickert mit der CSU-Politikerin Dorothee Bär. Die entspannte Plauderei wurde bei einem Thema kritisch.

Der einstige "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert hat sich in seinem Podcast vorgenommen, Politiker von ihrer privaten Seite zu zeigen, herauszufinden wie sie als Mensch ticken und was sie geprägt hat. Mit Dorothee Bär hatte er in seiner aktuellen Folge einen Gast, der ohnehin sehr öffentlich lebt und wenig Hemmungen hat, über Privates zu sprechen.

So entwickelte sich ein über weite Strecken entspannter Plausch zwischen dem erfahrenen Journalisten und der 42-jährigen CSU-Politikerin, die aus politischer Familie kommt und schon mit 23 in den Parteivorstand gewählt wurde. Bär berichtete freimütige darüber, wie sie in die Politik kam, was sie bei ihrem Austauschjahr in Amerika gelernt hat, sprach über ihre Vorliebe für Krimis und verriet sogar, was sie ihrem Sohn zu Weihnachten schenkt. 

Dass es bei dem Gespräch dennoch zur Sache ging, lag daran, dass Wickert ein heißes Eisen anpackte: die umstrittene Reform des Urheberrechtes. Ein Thema, das Wickert als langjährigem Journalisten besonders am Herzen liegt. Schließlich geht es hier auch um den Wert geistiger Arbeit und die Rechte seines Berufsstandes.

Ulrich Wickert kommt aufs Urheberrecht zu sprechen

Im vergangenen Jahr hatte das EU-Parlament eine Reform des Urheberrechts in der Europäischen Union beschlossen. Im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, die die EU-Vorgaben direkt übernehmen, bastelt die Bundesregierung derzeit an einem eigenen Gesetz. 

Mit Modifizierungen, die Wickert und vielen Inhalteproduzenten kritisch sehen: So soll es künftig jedem Nutzer erlaubt sein, bis zu 20 Sekunden Ausschnitt aus einem Film oder Musikstück und bis zu 1000 Zeichen Text frei zu verwenden. Wickert nutzte die Gelegenheit, die Probleme bei der Staatsministerin für Digitalisierung direkt zu adressieren und sprach von "Enteignung des geistigen Eigentums". 

Bär wollte zunächst nicht Stellung beziehen. "Wir sind da mitten in den Abstimmungen", wich sie aus. Man sei um einen Interessenausgleich bemüht zwischen denen, die geistiges Eigentum schaffen, wolle aber gleichzeitig eine handhabbare Lösung für die Verbraucher finden.

Dorothee Bär erklärt ihre Position

So einfach ließ sie Wickert jedoch nicht davonkommen: "Aber Sie haben doch eine eigene Meinung", lockte er sie aus der Reserve. Wieso die Interessen der Verbraucher so hoch gewichtet werden, leuchte ihm nicht ein. Das erklärte er an einem Beispiel: "Wenn ich tanke, muss ich ja auch 100 Prozent zahlen", sagte Wickert. Da seien die ersten zehn Liter ja auch nicht kostenlos.

Geistiges Eigentum werde durchaus geschätzt, versuchte nun die CSU-Politikerin zu beschwichtigen, fand aber auch: "Die Welt entwickelt sich weiter." Sie holte noch einmal aus und erklärte, warum die Bundesregierung nicht wie die Franzosen die EU-Richtlinie übernehme, sondern eine abweichende Regelung anstrebe. Ihre Sorge seien Abmahnanwälte, also Juristen, die das Netz nach möglichen Regelverstößen durchsuchten und einfache Menschen oder kleine Firmen anzeigten. Dem wolle man die Rechtsgrundlage entziehen. "Man muss nicht jede Bürgerin und jeden Bürger jeden Tag mit einem Bein im Gefängnis sehen, nur weil man vielleicht eine Urheberrechtsverletzung begangen hat", so ihre Begründung. Die Regierung suche eben nach einer pragmatischen Lösung.

Am Ende wurden sich zwar die beiden Diskutanten zwar nicht einig. Doch durch das Gespräch holte diese Podcast-Folge ein wichtiges Thema ins Licht der Öffentlichkeit, das derzeit kaum wahrgenommen wird. Hier wurden in bester Klarheit zwei konträre Positionen dargelegt. Möge jeder Zuhörer selbst entscheiden, welche er überzeugender findet.

Die neue Folge des Podcasts "Wickert trifft" mit Dorothee Bär ist seit dem 17. Dezember auf Audio Now und anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar.


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