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F. K. Waechter: Einer wie Ringelnatz und Wilhelm Busch

Der Grafiker, Zeichner und Autor F. K. Waechter ist tot. Er starb nach schwerer Krankheit im Alter von 67 Jahren. Bekannt wurde Waechter vor allem als Karikaturist für das Satire-Magazin "Titanic".

Seine Cartoons zierten die Klos und Kühlschränke der Wohngemeinschaften. Doch F. K. Waechter war weit mehr als ein Karikaturist der Spontis und 68er. Als Autor vor allem von Kinder- und Jugendbüchern erhielt er viel Anerkennung. "Gebt Waechter, was ihm zusteht: Ruhm! Das ist das Mindeste", schrieb ein begeisterter Literaturkritiker Roger Willemsen noch im April dieses Jahres. Waechter starb im Alter von 67 Jahren in Frankfurt am Main.

Mitglied der "Neuen Frankfurter Schule"

Als Sohn eines Lehrers wurde Friedrich Karl Waechter am 3. November 1937 in Danzig geboren. Nach der 12. Klasse verließ er das Gymnasium und absolvierte an der Kunstschule Alsterdamm in Hamburg eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker - heute würde man Designer sagen. Erste Station seines Berufslebens war eine Werbeagentur in Freiburg. 1962 kam Waechter nach Frankfurt, zeichnete für das linke Satire-Magazin "Pardon". Er lernte Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und Chlodwig Poth kennen und bildete mit ihnen die Satirikergruppe "Neue Frankfurter Schule" - der Name war eine ironische Anspielung auf die "Frankfurter Schule" um die Soziologen und Philosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Waechter war zudem 1979 Mitbegründer des Satire-Magazins "Titanic" - dem Nachfolger von "Pardon".

In den 70er Jahren erzielte der Vater von drei Söhnen vor allem mit seinen antiautoritären und tabufreien Kinderbüchern und Theaterstücken Erfolge. Besonders bekannt sind das Buch "Der Anti-Struwwelpeter" und das in Jugendtheatern noch immer gern gespielte "Schule mit Clowns" - ein schwungvolles, witziges Stück um den Konflikt zwischen Strenge und Ausgelassenheit, Disziplin und Fantasie, Ordnung und Chaos, das 1975 als Auftragsarbeit für das Schauspiel Frankfurt entstand.

"Einer der wirklich Großen auf dieser Erde"

"Ein ganzes Paralleluniversum des Absurd-Komischen hat er in vier Jahrzehnten zu Papier gebracht", schrieb die 'Zeit' über Waechters Lebenswerk. Bereits in den 70er Jahren hatte sich Waechter jedoch auch dem Film zugewandt, führte Regie und produzierte. Er versuchte zudem, sich der Erwartung, ausschließlich komisch und witzig, bissig und satirisch sein zu müssen, immer stärker zu entziehen und trat auch aus dem typischen Cartoon-Umfeld heraus. 1991 erschien "Mich wundert, dass ich fröhlich bin" mit einer Fülle von Material wie etwa Bleistiftskizzen, Collagen, Fotos oder Gedichten.

Die wissenschaftliche Anerkennung seiner Kinder- und Jugendbücher bekam Waechter im Jahr 2002 mit der Ehrung des Instituts für Jugendforschung, das vor ihm Peter Härtling, Paul Maar und Mirjam Pressler ausgezeichnet hatte. Im Jahr 2003 wurde er zusammen mit Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid und Hans Traxler als Vertreter der "Neuen Frankfurter Schule" mit dem Binding-Kulturpreis ausgezeichnet. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis würdigte damit die Lebensleistung der Satiriker-Gruppe.

Waechters letztes Werk "Prinz Hamlet" erschien im April 2005 - eine Shakespeare-Kommentierung aus der Sicht von Kasperle und Bär. Literaturkritiker Willemsen würdigte Waechter in einer Besprechung des Buches als einen "der wirklich Großen auf dieser Erde", der häufig verkannt worden sei. "Dieser Mann ist jemand, den wir mal als einen Ringelnatz oder als einen Wilhelm Busch schätzen werden."

Stephan Köhnlein/AP / AP