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»SHANGHAI KNIGHTS«: Showdown im Glockenturm

Kung-Fu-Ass Jackie Chan schlägt sich durch das London des Jahres 1880. Die Dreharbeiten in Prag, dem »Hollywood an der Moldau«, laufen auf Hochtouren.

Millionen Kinogänger wissen, wer Jackie Chan ist - bei Dreharbeiten in Tschechien lernt eine »Gangsterbande« den 48- jährigen Action-Star gerade kennen. In der 70 Millionen US-Dollar teuren Produktion »Shanghai Knights« schlägt sich der in Hongkong geborene Schauspieler durch das London des Jahres 1880 - die Kulissen dazu stehen in den Prager Barrandov-Studios. Zwei Jahre nach »Shanghai Noon« will das US-Unternehmen Touchstone Pictures die Fortsetzung des Thrillers am 14. Dezember in die Kinos bringen.

Die Dreharbeiten laufen auf Hochtouren

Fünf Monate davor laufen in Prag die Dreharbeiten auf Hochtouren. Er freue sich schon auf die Premierenfeier, scherzt Chan im Barrandov-Studio Nummer Sieben. In eine schwarz-rote Fantasie- Uniform gekleidet, klettert der Star mit demonstrativem Ächzen auf einer Eisenleiter bis unter das Hallendach. Dort wird sich Chan alias »Chon Wang« gleich mit Händen und Füßen gegen seinen Rivalen Rathbone (gespielt von Aidan Gillen) wehren - wie in bisher fast allen Chan- Filmen, bietet »Shanghai Knights« zahlreiche Kung-Fu-Szenen.

»Hollywood an der Moldau«

»Die Kämpfe müssen penibel einstudiert werden, wie eine olympische Kür im Eiskunstlauf«, sagt ein Stuntman und blickt in die Schwindel erregende Höhe. Dort hangeln Arbeiter an Seilen und befestigen Styroporplatten für besseren Ton und gegen unerwünschte Scheinwerfer- Reflexe. Barrandov gilt als beste und gleichzeitig preiswerteste Produktionsstätte in Ostmitteleuropa, und außer Chan drehen Stars wie Ben Becker (»Trenck«), Susan Sarandon und Sean Connery (»The League Of Extraordinary Gentlemen«) derzeit im »Hollywood an der Moldau«.

Detailtreuer Nachbau von »Big Ben«

Für »Shanghai Knights« haben die Prager Experten zwei berühmte Londoner Wahrzeichen mit beeindruckender Detailtreue teilweise nachgebaut: das Wachsfiguren-Kabinett der Madame Tussaud und den Turm des Londoner Parlaments mit der Glocke »Big Ben«. Hier, auf einer engen Plattform und mit den unbarmherzig mahlenden Stahlrädern des imitierten Uhrwerks im Rücken, stellt sich Chan seinem Gegner. Ein Dutzend Mal lässt Regisseur David Dobkin die beiden Kontrahenten mit Holzsäbeln aufeinander schlagen, bis die Szene im Kasten ist.

»Jackie hat eine unglaublich einfache Art zu spielen«

»London war um 1880 das Zentrum der Welt - kein Ort ist geeigneter für die Geschichte von Chon und Roy«, sagte Dobkin. »Roy«, das ist US-Schauspieler Owen Wilson, den »The Royal Tenenbaums« international bekannt machte. »Wir jagen im Film eine chinesische Bande, die Wangs Vater getötet hat«, meint Wilson, der schon in »Shanghai Noon« Chans Partner war. »Jackie hat eine unglaublich einfache Art zu spielen, das macht es mir leichter. Ich kann mir auch einen dritten Teil gut vorstellen, die Charaktere sind ausbaufähig«, betont er.

Gleichzeitig Werbefilm für Prag

Für den nur 1,66 Meter großen Chan soll »Shanghai Knights« ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Weltstar sein. Die Barrandov-Studios hingegen versprechen sich von dem Film einen weiteren Aufschwung. Kameramann Adrian Biddle (»Die Mumie«, »007-Die-Welt ist nicht genug«) drehe mit dem Thriller gleichzeitig einen Werbefilm für Prag, meint ein Studioleiter. Auch der 1995 in Prag entstandene Film »Mission:Impossible« mit Tom Cruise habe in der Folge für volle Auftragsbücher an der Moldau gesorgt.

Wolfgang Jung