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Dustin Hoffman: Eine Ausnahme unter den Hollywood-Stars

Wenn Dustin Hoffman am kommenden Dienstag nach Berlin kommt, wird sein neuer Film nur eine Nebenrolle spielen. Alle warten gebannt auf ein politisches Statement.

Vor zwei Jahren war Dustin Hoffman in Deutschland und hielt auf der Berlinale-Gala eine viel beachtete Rede. Scharf griff der Hollywood-Star damals US-Präsident George W. Bush an. Am Dienstag ist Hoffman wieder in Berlin, er stellt seinen neuen Film "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" vor. Bush wird drei Wochen später zum Deutschlandbesuch erwartet, und es bleibt spannend, ob Hoffman erneut Stellung beziehen wird. Denn sein Präsident scheint ihm mächtig auf die Nerven zu gehen.

Umzug nach London

Ein Grund für seinen im September geplanten Umzug von New York nach London sei Bushs Politik, sagte Hoffman der "Sunday Times". Seine politische Umzugsbegründung ist bemerkenswert, so deutlich wie er hat noch kein anderer US-Star seines Kalibers auf Bush geschimpft.

Im Londoner Stadtteil Kensington hat Hoffman schon seit einigen Jahren ein Haus, und so ganz ohne Hollywood muss der 67-Jährige dort auch nicht auskommen. Unter anderem sind Madonna, Kate Blanchett und Kevin Spacey ebenfalls in London ansässig.

Hohe Wandlungsfähigkeit

Selbst innerhalb der Riege hoch bezahlter Hollywood-Stars nimmt Hoffman noch eine Ausnahmestellung ein. Seine Kunst, höchst unterschiedliche Charaktere zu spielen, verschafft ihm bei Publikum und Kritikern gleichermaßen Respekt. Ob als Mann in Frauenkleidern in "Tootsie", als autistisches Genie in "Rain Man" oder als hartnäckig recherchierender Reporter in "Die Unbestechlichen" - Hoffman scheint als Schauspieler fast alles überzeugend verkörpern zu können.

Dabei fing Hofmann erst mit 30 Jahren mit der Filmerei an. Zunächst studierte der am 8. August 1937 in Los Angeles Geborene noch Musik, doch dann wechselte er auf die Theaterbühne und spielte kleinere Rollen am Broadway, unter anderem an der Seite von Gene Hackman.

Ruhm durch "Die Reifeprüfung"

Besonders erfolgreich verlief seine Karriere damals noch nicht. "Bei mir gingen sogar die Mäuse ein", erinnerte sich Hoffman einmal in einem Interview an magere Zeiten. Die fetten Jahre begannen mit dem Kinofilm "Die Reifeprüfung" in der Regie von Mike Nichols. Hoffman spielte darin den jungen College-Absolventen Benjamin Braddock so überzeugend, dass er prompt für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert wurde. Plötzlich war Hoffman ein bekannter Mann, und er sorgte mit weiteren brillanten Darstellungen dafür, dass sich sein Ruhm mehrte.

Für seine Rolle in dem Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer" wurde Hoffman 1979 als bester Hauptdarsteller mit dem Oscar ausgezeichnet, neun Jahre später bekam er die Trophäe erneut, diesmal für seine Hauptrolle in "Rain Man". Selbstredend erhielt Hoffman mehrere Golden Globes und andere hochrangige Auszeichnungen der Branche.

Das Theater-Virus allerdings ließ Hoffman nicht los. 1984 stand er in "Tod eines Handlungsreisenden" auf der Bühne, ein Jahr später konnte der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff ihn für eine Verfilmung dieses Stoffs gewinnen. Für seine Bühnenkunst wurde Hoffman ebenfalls mehrfach ausgezeichnet.

Stefan Lange/AP / AP