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"Skyfall"-Regisseur: Sam Mendes wird 50

Im November kommt der neue James Bond "Spectre" in die deutschen Kinos. Es ist der vorerst letzte Film der Kultreihe, bei dem Sam Mendes Regie führt. Der Brite wird am Samstag 50 und will zurück zu seinen Wurzeln.

Regisseur Sam Mendes wird 50

Nach einem Oscar, zwei Golden-Globe-Nominierungen und zwei James-Bond-Filmen will Sam Mendes wieder zu seinen Theaterwurzeln zurückkehren

Mit 50 Jahren hat Sam Mendes genug, zumindest von James Bond. Im BBC-Interview offenbarte der britische Regisseur wenige Wochen vor seinem runden Jubiläum ein, dass er keinen weiteren Bond-Film plane. "Ich glaube nicht, dass ich diesen Weg noch einmal gehen werde", erklärte Mendes. "Man muss dafür alles andere hintanstellen." Das sei mehr ein Lebensstil als ein Job, sagte er mit Blick auf das jüngst abgedrehte aufwändige Agenten-Spektakel "Spectre". Fast fünf Jahre seines Lebens hätten "Spectre" und der 007-Vorgänger "Skyfall" verschlungen.

Am 1. August feiert Mendes seinen 50. Geburtstag, Ende Oktober feiert das 24. Bond-Abenteuer mit Hauptdarsteller Daniel Craig und Christoph Waltz als Bösewicht in London seine Weltpremiere. "Spectre" sei noch größer als "Skyfall", mit mehr als 1000 Menschen an noch mehr Orten - darunter Mexico City, Rom, in der Sahara und in den Alpen - gedreht.  "Es war ein enormes Unterfangen", stöhnt Mendes.

Eigentlich wollte der ambitionierte Theater-Regisseur schon nach "Skyfall" einen Schlussstrich ziehen, ließ sich dann aber noch einmal von den Produzenten überreden. Mit 50 will er offenbar mehr denn je zu seinen Ursprüngen zurück. Beim Theater fühle er sich Zuhause, nach dem Chaos eines Movie-Sets sei die Bühne überschaubarer.

Spielberg holte Mendes nach Hollywood

Ob Hollywood oder Bühne, der Sohn eines britischen Schriftsteller-Paares hat längst freie Wahl. In seiner Heimat galt er früh als "Wunderkind". Mit 23 Jahren war er im Londoner Theaterviertel West End ein renommierter Regisseur, der mit Oscar-Preisträgerin Judi Dench arbeitete. Mit 27 Jahren leitete er sein eigenes Theater und arbeitete für die Royal Shakespeare Company und das Royal National Theatre.

Kinoangebote schlug er lange aus, bis die Hollywood-Legende Steven Spielberg dem jungen Engländer das Drehbuch für "American Beauty" zeigte und ihm die Regie anbot. Der Rest ist Oscar-Geschichte. Mit 34 Jahren gab Mendes in Hollywood sein Regiedebüt. Seine bitterböse Gesellschaftssatire über die Spießbürgerwelt in einer US-Vorstadt holte im Jahr 2000 auf Anhieb fünf Oscars. "Ich bin ein bisschen überwältigt", sagte Mendes mit dem Regie-Oscar in der Hand bei der Preisverleihung. Er dankte dem Studio DreamWorks, "das den Mut hatte, einen Typen von einem englischen Theater anzuheuern, um einen Film über das amerikanische Vorstadtleben zu machen".

Danach stand ihm Hollywood offen. Mit Tom Hanks und Paul Newman drehte er den Gangsterfilm "Road to Perdition" (2002), mit Jake Gyllenhaal das Kriegsdrama "Jarhead - Willkommen im Dreck" (2005), mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio das Gesellschaftsdrama ""Zeiten des Aufruhrs" (2009).

Alles offen nach "Spectre"

Mit der Oscar-Preisträgerin Winslet verband ihn damals noch mehr. Sie hatten sich 2003 still und heimlich in der Karibik das Jawort gegeben. Erst nach der Rückkehr aus dem Urlaub teilten sie ihre Vermählung mit. Viele Jahre galten die Eltern von Söhnchen Joe als Vorzeige-Ehepaar, als bodenständige Familie von nebenan, bis sie 2010 überraschend ihre Trennung bekanntgaben.

Die Hollywood-Karriere hielt den Regisseur nicht davon ab, immer wieder seiner ersten Liebe zu folgen. 2009 inszenierte er erstmals an einer deutschen Bühne, bei den Ruhrfestspielen "Der Kirschgarten" von Anton Tschechow. In London stellte er 2013 eine Musicalversion von Roald Dahls "Charlie und die Schokoladenfabrik" vor, ein Jahr später wählte er William Shakespeares "King Lear".

Wie es für Mendes nach "Spectre" weitergeht, ist noch nicht bekannt. Nur so viel verriet das Multitalent kürzlich im BBC-Interview: "Am glücklichsten bin ich bei den Proben für ein Theaterstück oder beim Filmschnitt, und wenn ich einen Film fertig habe, will ich meist zum Theater zurück". 

Barbara Munker, DPA
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