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Kinostart von "Savages": Düsterer Drogenkrimi von Oliver Stone

Oliver Stone hat Don Winslows Krimi "Savages" über den bis in die USA reichenden mexikanischen Drogenkrieg verfilmt. Ein topbesetzter und sehr düsterer Thriller.

Das Geräusch der Kettensäge nimmt es vorweg. Nichts wird gut in "Savages", Oliver Stones düsterem Krimi über den mexikanischen Drogenkrieg, der bis in die USA reicht. Menschen werden enthauptet, aus kalifornischen Hippies werden Killer. Ob Serien wie "Breaking Bad" oder "The Wire": Die amerikanische Popkultur hat Drogen als Thema wiederentdeckt. Viele Fans hat Bestsellerautor und Ex-Detektiv Don Winslow, der mit "Zeit des Zorns" die Vorlage für "Savages" lieferte.

Der mit Salma Hayek, John Travolta und Benicio Del Toro topbesetzte Thriller ist nichts für schwache Nerven oder Zuschauer, die bei Stones "Natural Born Killers" das Kino verlassen haben. Hier zeigt sich der 66-Jährige von seiner kontroversen Seite, wobei er das Film-Kalifornien in eine trügerische Flausch-Optik verpackt. Das Surferparadies Laguna Beach, die Häuser am Meer, schöne Menschen - wie einer Magazinstrecke entsprungen.

Ein Kontrast zu den Abgründen der Geschichte: "Nur weil ich euch diese Story erzähle, heißt das noch lange nicht, dass ich deren Ende erleben werde. Es ist nämlich eine von den Geschichten, die total außer Kontrolle geraten." Das ist die Vorwarnung der Erzählerin namens O, gespielt von "Gossip Girl" Blake Lively. Sie ist die Geliebte von zwei Männern, die in Kalifornien ein Haschisch-Imperium aufgebaut haben. Der eine ist der friedliebende Hippie Ben (Aaron-Taylor Johnson), der andere der Ex-Soldat Chon (Taylor Kitsch), der beim Sex mit "Wargasms" sein Kriegstrauma verarbeitet.

Travoltas Rolle erinnert an "Pulp Fiction"

Natürlich ist dieses Dreier-Idyll zu schön für diese Welt. Die beiden Kalifornier bekommen ein Drohvideo aus Mexiko. Die Kartellchefin Elena (stark: Hayek) will am Geschäft beteiligt werden, Chon und Ben lehnen ab - der Kampf beginnt. Wie aus der Drehbuchschule: Es gibt für die Figuren keinen Weg zurück. Der Film ist stellenweise grausig, der Showdown schwach, dennoch ist "Savages" einer der besseren Stone-Filme.

John Travolta spielt einen korrupten Drogenfahnder, ein Auftritt, der an "Pulp Fiction" erinnert. Travolta hätte nach dem Tod seines Sohnes im Jahr 2009 beinahe mit dem Filmemachen aufgehört. "Ich war an gar nichts mehr interessiert", sagte er. Erst langsam sei die Einsicht gekommen, dass Arbeit helfen könnte. Und plötzlich habe Stone wegen einer Rolle angerufen - eine Art Comeback für Travolta.

Film soll Menschen aufrütteln

Die Mexikanerin Salma Hayek ("Frida") hofft, der Film werde die Menschen aufrütteln, welches Ausmaß der Drogenhandel habe. Er sei nicht nur ein mexikanisches Problem, sondern ein gemeinsames. "Das eine Land verkauft, das andere kauft, vorbei an den Behörden beider Nationen."

Stone verweist auf 50 000 Morde zwischen 2006 und 2012. Das erinnert den Kriegs-Veteranen an Vietnam. Antworten, wie das Blutvergießen und die seiner Meinung nach sinnlose Strafverfolgung von Haschisch enden könnten, hat der Oscar-Preisträger weder auf der Leinwand noch im echten Leben. "Es gibt keinen Ausweg." Es ist die Gier nach Geld, die Stone wie in "Wall Street" anprangert. Die "Savages", die "Wilden", wohnen auf beiden Seiten der Grenze.

Caroline Bock, DPA / DPA