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TV-Produzent Nico Hofmann: "Wir gehen an die Schmerzgrenze"

Nico Hofmann ist Deutschlands erfolgreichster TV-Produzent. Seine Filme "Die Luftbrücke" oder "Die Flucht" sahen Millionen. Im Moment baut er gerade die Mauer wieder auf. Ein Gespräch über Geschichte und Geschichten.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Außer Nico Hofmann.

Das ist stark verkürzt, aber es stimmt: Am Ende des Films, den der Regisseur Roland Suso Richter gerade für uns dreht, spaltet sich ein Teil Mecklenburg- Vorpommerns von der Bundesrepublik ab. Es entsteht eine neue kleine DDR, ein umzäuntes Billiglohnland, finanziert von den Wirtschaftsverbänden des Westens. Was wir in "Die Grenze" machen, ist durchaus eine Provokation...

... und ein kalkulierter PR-Coup: Die Medien feiern 20 Jahre Mauerfall - und mittenhinein werfen Sie eine Stinkbombe.

Unser Film ist kein Marketing-Gag. Am Anfang steht eine Weltwirtschaftskrise, der Ölpreis gerät ins Taumeln, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Ost und West wird immer größer.

Das TV-Movie zur Krise?

Die Drehbuchautoren und ich hatten die Idee schon vor gut zwei Jahren. Wir fragten uns damals: Hat die Wiedervereinigung funktioniert, sind Ost und West gleichberechtigt? Wo könnte Deutschland 2012 stehen? Was geschieht, wenn die bürgerliche Mehrheit ihre Macht verliert, wenn die Menschen im Osten der Mut verlässt und sie sich dem rechten Lager anschließen? Was passiert, wenn eine Partei wie die NPD mit einem charismatischen Führer antritt? Wir wollen zeigen, wie Politik funktioniert, wenn sie sich nur narzisstisch ausrichtet. Unser Volksverführer ist eine moderne Hitlerfigur.

Ein Warnruf?

Definitiv. Wir gehen an die Schmerzgrenze, zeigen Hilflosigkeit, Aggression bis hin zum Bürgerkrieg. Wenn dieser Film keine kontroverse Debatte auslöst, haben wir etwas falsch gemacht.

Wurden Sie auch gewarnt - vor diesem Projekt?

Viele haben anfangs gesagt, die Konstruktion einer Weltwirtschaftskrise sei an den Haaren herbeigezogen. In Wahrheit war es dann so, dass wir im letzten halben Jahr das Drehbuch justieren mussten, weil die Krise viel heftiger über uns hereinbrach, als wir sie je beschrieben hatten.

Sie produzieren "Die Grenze" für Sat 1. Wäre das nicht ein perfektes Programm für ARD oder ZDF?

Ich hatte mit öffentlich-rechtlichen Programmdirektoren gesprochen. Das Thema war ihnen zu brisant. Es kam immer wieder die Frage auf: Spielen Sie nicht mit den Ängsten der Menschen?

Und?

Ich halte es für legitim, das zu tun, denn der Stoff hat eine klare Moral: Er spricht sich aus für die deutsche Einheit, er spricht sich dafür aus, Menschen ernst zu nehmen, Ängste nicht zu demagogisieren. "Die Grenze" ist ein radikales Stück deutsches Fernsehen. Womöglich hätte ich dann in der Schnittphase mit Rundfunkräten rumdiskutieren müssen, was ich da eigentlich mache. Darauf hatte ich keine Lust.

Die meisten Zuschauer erreichte Ihre Firma Teamworx mit verfilmter Historie: Fürs ZDF bombardierten Sie noch einmal Dresden, für Sat 1 verfilmten Sie "Die Luftbrücke", "Die Flucht" zeigte in der ARD die Vertreibung aus dem Osten. Deutsche Geschichte als Abendunterhaltung.

Unsere Herausforderung war: Wie macht man Kriegserlebnisse in Deutschland physisch spürbar, im Hauptabendprogramm, in zwei mal neunzig Minuten? Wie macht man Geschichte so spürbar, dass Zeitzeugen es zulassen, Vergangenheit, manchmal auch verdrängte Vergangenheit mit ihrer Familie noch einmal zu erleben? Entscheidend ist, dass sowohl "Die Flucht" als auch "Dresden" in den Familien eine generationenübergreifende Diskussion ausgelöst haben, zwischen Großeltern und Enkeln.

Den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen erzählen Sie anhand fiktiver Familien- und Liebesdramen. Sie bewegen sich ständig am Rand der Geschichtsfälschung.

Von Fälschung kann keine Rede sein. Richtig ist, dass wir immer nur Ausschnitte zeigen können. Filme konzentrieren sich in ihrer Dramaturgie immer auf Einzelschicksale. Dass Bausteine auch fiktional sind, ist vertretbar, solange sie im historischen Kontext recherchiert sind.

Was im kollektiven Gedächtnis bleibt, sind Ihre Filmbilder. Eine große Verantwortung tragen Sie da.

Ich trage sie gern. In der "Flucht" zum Beispiel hätte man die Vergewaltigung durch einen Rotarmisten sechs Minuten dauern lassen können. Wir haben die Szene auf zwei runtergeschnitten, denn je länger sie dauert, desto revanchistischer wird der ganze Film. Bei jeder Arbeit treffen Sie unzählige Entscheidungen, die mit Moral und Haltung zu tun haben.

Ist die deutsche Geschichte jetzt auserzählt?

Wir produzieren weiter historische Stoffe, der Blickwinkel wird immer wieder neu justiert. Als Nächstes bereiten wir einen Film über Generalfeldmarschall Erwin Rommel vor. Darüber, wie er sich vom glühenden Anhänger zum überzeugten Gegner Hitlers wandelte. Wir erzählen vom Ende her eine gebrochene Männerfigur, beginnend mit seinem Selbstmord. Im Herbst läuft im ZDF erst unser Film über Rudi Dutschke und dann unser Dokudrama über Helmut Kohl. Dafür haben wir Kohl 35 Stunden lang interviewt, das war noch vor seinem schweren Sturz.

Neulich beim Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik - fing es da bei Ihnen gleich an zu rattern: Gute Story, ich muss die Rechte kaufen?

Gar nicht. Es hat gerattert, weil ich die Strecke selbst geflogen bin. Dieses Unglück hat mich unendlich traurig gemacht.

Und als herauskam, dass der Mann, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, ein Stasi-Spitzel war?

Verrückt, dass das jetzt Wirklichkeit wurde. Wir reden schon seit einiger Zeit mit der ARD darüber, ob wir eine fiktionalisierte Geschichte in diese Richtung treiben können: Eine Geschichte, die den Anteil der DDR an der Protestbewegung in der Bundesrepublik untersucht.

Der Niedergang von Karstadt - wäre das ein packender Stoff?

Wenn, dann wäre vielleicht Thomas Middelhoff das Thema, der frühere Karstadt-Chef ...

... gegen den jetzt wegen Untreue ermittelt wird ...

... dieses unglaubliche Auf und Ab im Leben eines Wirtschaftszauberlehrlings, dessen Wirken ich stets mit großer Faszination beobachtet habe. Oder Frau Schickedanz, die Quelle-Erbin. Wenn ich jetzt lese, sie hat vor lauter Sorge um ihren Konzern in ihrer Schweizer Villa einen Herzinfarkt erlitten - dann sehe ich da ein großes Thema.

Bliebe die Frage: Welche von Ihren Lieblingsdarstellerinnen spielt's - die Furtwängler oder die Ferres?

Mit beiden verbindet mich eine Freundschaft. Maria hab ich bei der "Flucht" für mich entdeckt. Für Veronica empfinde ich seit über 15 Jahren eine tiefe Zuneigung, wir haben zehn Filme mit ihr gemacht. Ich mag sie, und ich mag es, mit einer Schauspielerin eine so lange Strecke zu gehen.

Wofür braucht man Veronica Ferres - für die Kunst oder für die Quote?

Auch für die Kunst. Veronica ist jemand, der nicht stehen bleibt. Ich erlebe sie gerade in einer großen inneren Freiheit, das gefällt mir sehr. Als sie und Martin Krug sich getrennt hatten, bin ich runtergeflogen nach Afrika, wo Veronica für mich vor der Kamera stand. Einen ganzen Abend, eine ganze Nacht haben wir beide geredet, bis sechs Uhr früh, dann bin ich zurückgeflogen. Das musste sein, ich hätte es mir übel genommen, wenn ich ihr nicht beigestanden hätte.

Privat verlässlich, als Produzent rund um die Uhr im Einsatz - Nico Allmächtig?

Mein Plan ist, mich bei Teamworx etwas zurückzuziehen, um stärker bei unserer neu gegründeten Schwesterfirma Ufa Cinema mitzuarbeiten, die Kinofilme produziert. Ich baue schon seit Jahren ein junges Team auf, aber es passieren immer noch Fehler. Ich hab zum Beispiel jetzt am Wochenende einen Film komplett allein umgeschnitten ...

... was gar nicht Aufgabe eines Produzenten ist, Sie sollen Ideengeber sein, Geldgeber, Motivator ...

... aber wenn ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin, muss ich halt selber ran. Ich will Mitarbeiter, die mit mir streiten. Wenn ich zum Beispiel einen Schnitt anders konstruieren will, kann ich das immer erklären. Zu 95 Prozent habe ich recht.

Vor knapp zwei Jahren hatten Sie einen Burnout.

Ich war hektisch, habe nervös Entscheidungen getroffen, bin mit Mitarbeitern härter umgegangen, als es gerechtfertigt war. Das geschah in einer Phase, als wir ein wichtiges Event-Programm nach dem anderen durchgepowert hatten. Irgendwann hatte ich die Lust verloren, alles war nur noch Pflicht. Seitdem versuche ich, anders zu leben. Mehr Yoga, mehr Sport.

Sie sind ein Getriebener.

War ich schon immer.

Mit zehn bekamen Sie Ihre erste Kamera, mit 17 haben Sie die Scheidung Ihrer Eltern verfilmt.

Ich hab in unserem Wohnzimmer gedreht. Man sieht ausgewählte Szenen aus dem Ehe- und Familienleben, im Wesentlichen Streit. Und Versuche des Sohnes, das Drama irgendwie zu retten.

Ist der Sohn ein Held?

Eher ein Opfer, ein tragisch scheiternder Junge.

War das Ihre Therapie?

Unbedingt. Das war mein Weg, mir diese Trennung begreiflich zu machen. Der Film hieß "Treibsand".

Gab's für den Film keine Ohrfeigen?

Nein, meine Eltern waren zu liberal, mir das zu verbieten. Ich habe in unserer Garage ein kleines Kino betrieben. Auf dem Höhepunkt der nachpubertären Kriege mit meinen Eltern, bevor ich ausgezogen bin, spielte ich eine Woche lang diesen Scheidungsfilm von 56 Minuten, jeden Abend. Auf der Wiese vor der Einfahrt saßen bis zu 200 Leute, unter ihnen viele neugierige Nachbarn. Im Grunde war das der Auftakt zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Familie, das mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Wenn dieser Film Ihre persönliche Familientherapie war, sind dann Filme wie "Dresden" und jetzt "Die Grenze" die Therapie für das deutsche Volk?

Das klingt ja nun sehr groß. Ich glaube, das Nachdenken über historische Abläufe ist der Schlüssel zu allem. Das kommt aus den Debatten in meiner Familie: Der Zweite Weltkrieg, die Nazis, die politische Verführung, Widerstand, Wiederbewaffnung, die Verehrung meines Vaters erst für Willy Brandt, dann für Helmut Kohls Politik des vereinten Europa ... Familiengeschichte ist immer auch Zeitgeschichte. Vor "Dresden" habe ich mit meiner Mutter ihre Tagebücher vom Bund Deutscher Mädel gelesen. Was für ein deutscher Wahnsinn, diese Hitler-Gläubigkeit! Wie lange meine Mutter als Kind für Hitler gelebt hat, wie lange sie gebraucht hat, um von dieser grauenvollen Zeit loszukommen.

Harald Schmidt hat einmal gesagt: Wäre er von den Nazis engagiert worden, vor 80.000 Zuschauern zwischen Goebbels und Hitler den Pausenclown zu machen - er hätte nicht abgelehnt. Wenn die Nazis Sie gebeten hätten, Propagandafilme zu drehen ...

Es wäre vermessen und unmöglich zu sagen, man wäre im "Dritten Reich" Widerstandskämpfer geworden. Aber eine politische Moral, auch das mutige Einstehen für Überzeugungen, all das war in meinem Elternhaus sehr lebendig. Ich glaube, das erlaubt mir zu sagen: Nein, da wäre ich standhaft geblieben.

Interview: Helge Hopp und Alexander Kühn / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(