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Henri Nannen Preis: "Die Zeit" räumt ab - Sonderpreis für "FTD"

Zum neunten Mal wurde der Henri Nannen Preis für Qualitätsjournalismus verliehen. "Die Zeit" gewann zweimal - auch die letzte Ausgabe der "FTD" wurde geehrt.

Preisverleihung im Video: Das war der Henri Nannen Preis 2013

Am Freitagabend haben das Magazin "stern" und der Verlag Gruner + Jahr mit dem renommierten Henri Nannen Preis herausragende journalistische Leitungen ausgezeichnet. Vergeben wurde die begehrte Trophäe in mehreren Kategorien wie "Reportage", "Investigation" oder "Dokumentation". Die Preisverleihung stand ganz im Zeichen von Henri Nannen, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Immer wieder wurde während der Veranstaltung an das Leben und Wirken des streitbaren und streitwilligen "stern"-Gründers erinnert. Großer Sieger des Abends war die Wochenzeitung "Die Zeit" mit zwei Auszeichnungen - aber auch die letzte Ausgabe der 2012 von Gruner + Jahr eingestellten "Financial Times Deutschland" (FTD) wurde mit einem Sonderpreis prämiert.

Vor rund 1200 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Unterhaltungsbranche und Medien wurde als bester Investigativ-Journalist Wolfgang Kaes vom Bonner "General-Anzeiger" geehrt. Er stolperte über eine Anzeige, mit der eine Frau 16 Jahre nach ihrem Verschwinden für tot erklärt werden sollte, und ging der Sache im Alleingang nach. Am Ende klärte Kaes den Tod der Frau auf, ihr Ex-Mann wurde wegen Totschlags verurteilt. Mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage wurde die Journalistin Heike Faller, die für ihren Text im "Zeit Magazin" einen Patienten eines Präventionsprojektes für Pädophile begleitet hatte.

Reise in die deutsche Vergangenheit

In der Sparte "Dokumentation" wurden Fabian Gartmann und Sönke Iwersen für einen "Handelsblatt"-Artikel über den Unternehmer Anton Schlecker ausgezeichnet. Den Preis in der Kategorie "Essay" bekam der Politikchef der "Zeit", Bernd Ulrich, für einen Reisebericht über deutsche Vergangenheitsbewältigung . Im Bereich "Foto-Reportage" gewann Sandra Hoyn von emerge-mag.com mit einem Beitrag über kleine Kinder in Thailand, die für einen Hungerlohn brutal boxen müssen.

Der Preis für Verdienste um die Pressefreiheit ging an René Wappler von der "Lausitzer Rundschau" für die Berichterstattung über Rechtsextreme. Die Ehrung für das publizistische Lebenswerk erhielt die Herausgeberin der "Münchner Abendzeitung", Anneliese Friedmann.

Preis für die "Financial Times Deutschland"

Überraschend hat die Jury des Henri-Nannen-Preises der inzwischen eingestellten "FTD" einen Sonderpreis für deren letzte Ausgabe verliehen. Die Anfang Dezember erschienene "FTD"-Nummer sei "ein Meisterstück des gedruckten Journalismus". Die Redaktion hatte eine schwarze Titelseite mit dem abgewandelten Titel "Final Times" drucken lassen, die Seiten rückwärts gezählt und ihre besten Geschichten aus fast 13 Jahren resümiert.

Die letzte Nummer sei "nicht getragen von Larmoyanz oder Bitterkeit", sondern zeuge von kluger Selbstreflektion, lobt die Jury. Die Geehrten reagieren erfreut und traurig zugleich. Weil von 5000 Euro Preisgeld bei 300 ehemaligen "FTD"-Mitarbeitern nicht mehr viel übrig bliebe, geht die Summe jetzt an die Hilfsorganisation "Reporter ohne Grenzen".

Der Henri-Nannen-Preis wurde zum neunten Mal vergeben. Auf der Gästeliste der Feier standen viele Prominente wie Moderator Thomas Gottschalk, Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn, Focus"-Mitherausgeber Helmut Markwort und Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers.

be