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"Angkor - Göttliches Erbe Kambodschas": Lächelnde Buddhas aus dem Dschungel

Angkor-Wat ist eine gewaltige Tempelwelt im Dschungel Kambodschas. In einer faszinierenden Ausstellung erweckt die Bonner Bundeskunsthalle ein altes Reich von Göttern und fremden Königen sowie die Pracht einer einzigartigen Kultur zum Leben.

In sich ruhende, lächelnde Buddha-Figuren oder elegante Göttinnen, die Büffeldämonen besiegen, symbolisieren eine mythische Religion und Geschichte, die noch immer nicht ganz erschlossen ist. Die Ausstellung, die von Bundespräsidenten Horst Köhler und dem kambodschanischen König Norodom Sihamoni eröffnet wurde, gibt erstmals in Deutschland einen umfassenden Einblick in die glanzvolle Epoche des Khmer-Reiches und das Weltkulturerbe Angkor-Wat. Die weitläufige Anlage gilt als größter Tempelbau und größtes religiöses Bauwerk der Erde.

Insgesamt fast 150 Exponate, die zumeist aus dem kambodschanischen Nationalmuseum in Phnom Penh stammen, zeugen von einer tiefen Symbiose von Architektur und Religion und einer sakralen Götterwelt, die stark von Indien beeinflusst wurde. In Steinstatuen, überlebensgroßen Kultskulpturen und Bronzefiguren wird die Verehrung von Gottheiten deutlich. Reliefierte Türstürze mit figürlichen Darstellungen zeigen, wie kunstfertig die Khmer im Detail arbeiteten. In originalgroßen Fotofriesen und Gipsabgüssen sind typische Flachreliefs mit der Darstellung epischer Legenden zu bewundern, mit denen die umlaufenden Galerien des Angkor-Wat geschmückt wurden.

Das Khmer-Reich erlebte seinen Höhepunkt zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert. In dieser Epoche wurden zumeist auch die Tempelanlagen errichtet. Angkor war das magisch-religiöse Zentrum eines mächtigen Reiches, das sich weit ins heutige Thailand, Vietnam und Laos erstreckte und in Südostasien dominierte.

Die frühesten überlieferten Werke der Khmer stammen aus dem 6. und 7. Jahrhundert nach Christus. Der indische Einfluss mit Buddhismus und Brahmanismus (Hinduismus) hatte sich in der gesamten Region ausgebreitet. Die Skulpturen der Götter stehen in der Tradition indischer Mythologie, haben aber einen unverwechselbaren eigenen Stil. Details wie Frisuren, Schmuck oder Gegenstände kennzeichnen ihre Wesen. Je mehr Köpfe und Arme die Götter haben, desto besser vermögen sie Aufgaben zu erledigen.

Der Besucher wird in die Schau geführt mit den Schöpfungsmythen. Die Götter Brahma, Vishnu und Shiva stehen für die drei kosmischen Fähigkeiten: Erschaffung, Beschützen und das Zerstören der Welt. Das so genannte Linga steht in seiner abstrakten Phallus-Form für die Schöpferkraft. Von Vishnu ist ein gewaltiges Bronzebildnis mit feinen Gesichtszügen zu bestaunen - es gilt als eine der größten Schätze der Khmer-Kunst.

"Gesichtertürme" mit dem berühmten Lächeln Angkors

Angor-Wat, von dem ein großes Holzmodell aufgebaut ist, wurde im 12. Jahrhundert aus Sandsteinen errichtet. Die Bauten sind buddhistischen Idealen wie Mitgefühl und Weisheit verpflichtet, was besonders in den typischen "Gesichtertürmen" sichtbar wird. Das berühmte Lächeln Angkors ist auf zahlreichen Figuren von Buddhas und Erleuchteten zu sehen.

Die Herrscher ließen die Tempel nicht nur als Ausdruck ihrer Macht bauen, sie wollten auch ihre eigene Vergöttlichung nach ihrem Tod sichern. Unter dem buddhistischen König Jayavarman VII. (1181-1220) erlebte Angkor eine letzte große Blütezeit. Von ihm ist ein Porträtkopf aus poliertem Sandstein zu sehen. Im 15. Jahrhundert wurde Angkor dann von den Khmer-Königen verlassen, die wieder in den östlichen Landesteil zurückkehrten.

Tausende Besucher ziehen durch das frühere Sperrgebiet

Lange Zeit blieben das Land und die Tempelanlagen - sie sind heute das Wahrzeichen Kambodschas und schmücken auch die Landesflagge - wegen der inneren politischen Wirren für Besucher aus dem Ausland verschlossen. Nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer ist seit den neunziger Jahren das Land auch für Touristen wieder zugänglich. Inzwischen ziehen jeden Tag Tausende Besucher durch die verwitterten Tempelbauten. Sie sind weiter von Verfall bedroht - auch durch den noch ungeregelten Besucherstrom. Kunstraub gilt inzwischen als gestoppt.

"Wir wissen noch nicht alles über das Khmer-Reich", sagte Kuratorin Wibke Lobo. "Fast alle Informationen kommen von Inschriften." Die Ausstellung wolle auch deutlich machen, wie das Erbe nachwirke. "Durch die Jahrhunderte steht Angkor bis heute auch für die nationale Identität und das Selbstverständnis der Khmer."

Die Schau "Angkor - Göttliches Erbe Kambodschas" in der Bundeskunsthalle in Bonn ist bis zum 9. April 2007 zu sehen.

Edgar Bauer/DPA / DPA