"DDR-Museum der Alltagskultur" Neue Heimat für Triolas und Robotrons


Im gerade eröffneten "DDR-Museum der Alltagskultur" sollen alle wichtigen Themen des täglichen Lebens im Ex-Osten erfasst werden: Trabbis, Spreewaldgurken und Triolas. Bei der Eröffnung wurde auch Kritik laut.

Das neue private "DDR-Museum der Alltagskultur" in Berlin-Mitte zieht mehr Besucher an, als die Macher erwartet haben. Seit der Eröffnung am Freitagabend seien rund 900 Besucher - Berliner wie Touristen - in die Ausstellungsräume am Spreeufer gegenüber dem Berliner Dom gekommen, sagte Museums-Direktor Robert Rückel gegenüber der Deutschen Presseagentur. "Unsere Erwartungen an das Projekt wurden übertroffen."

Die Ausstellung will alle wichtigen Themen des DDR-Alltags vom Kindergarten über Familie und Freizeit bis zu den Grenzanlagen und der Bespitzelung durch die Stasi erfassen. Auf rund 400 Quadratmetern werden beispielsweise auch der Filmvorführapparat Walter Ulbrichts aus dem Staatsratsgebäude, ein Trabant, FDJ-Hemden und Jeans gezeigt. Ein Fernseher in einem komplett eingerichteten Wohnzimmer laufen unter anderem Berichte der DDR-Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera".

Besonders interessiert waren viele Besucher an einer gefüllten Schulmappe aus DDR-Zeiten. Auch die nachgestellte Abhöranlage der Staatssicherheit (Stasi) zog viel Aufmerksamkeit auf sich. "Hier gibt es viele kleine Dinge zu entdecken, die sowohl für Besucher aus dem Osten wie aus dem Westen Deutschlands interessant sind", sagte ein Museumssprecher.

Widersprüche im Alltag nicht aufgezeigt

Zur Eröffnung am Freitagabend hatte es auch kritische Stimmen gegeben. Die Schau vertiefe die angeführten Themen nicht genügend, meinte der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei). Die kulturellen Milieus Ostdeutschlands würden nicht differenziert, Widersprüche im Alltag kaum aufgezeigt. Zugleich nannte er die Eröffnung eines privaten Museums aber bemerkenswert.

Detlef W. Stein von der Vereinigung der Opferverbände sagte, die DDR-Geschichte werde zu oberflächlich behandelt, die Repression sei unterrepräsentiert. Allerdings sei das Museum als "schneller Durchlauf für uneingeweihte Touristen" durchaus geeignet.

Leitung zeigt Verständnis für Kritik

Museumsdirektor Rückel zeigte am Sonntag Verständnis für die Kritik. "Wir mussten einen gewissen Grat gehen. Die Kritik ist angebracht", sagte er. "Aber wenn man durch die Ausstellung nicht einfach nur schnell durchrennt", könne man in dem Museum viel sehen und entdecken. Es gehe um den Alltag der Menschen in der DDR.

Das "DDR-Museum für Alltagskultur" befindet sich in der Spreepromenade an der Liebknechtbrücke und ist täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet, Samstags bis 22 Uhr. Infos unter www.ddr-museum.de.

DPA DPA

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