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Auktion: Nazivergangenheit eines Picassos

Das Auktionshaus Christie's hat eine Reihe expressionistischer Gemälde versteigert, darunter auch die "Berliner Straßenszene". Ein Picasso-Bild wurde kurzfristig von der Auktion zurückgezogen, weil es Zweifel an seiner Vergangenheit gab.

Das Bild "Berliner Straßenszene" (1913) von Ernst Ludwig Kirchner ist nur wenige Monate nach der Rückgabe an die jüdischen Erben in New York für umgerechnet 30 Millionen Euro versteigert worden. Allerdings ging das Schlüsselwerk des deutschen Expressionismus bei der Auktion von Christie's in der Nacht zum Donnerstag nicht - wie von vielen Kunstfreunden befürchtet - an einen Privatmann. Es wird vielmehr künftig in der Neuen Galerie für deutsche und österreichische Kunst an der Fifth Avenue in Manhattan zu sehen sein.

Die Stadt Berlin hatte das wertvolle Gemälde im Juli an die Erben eines jüdischen Kunstsammlers zurückgegeben, weil dessen Familie es möglicherweise unter dem Druck der Nazis hatte verkaufen müssen. Die Entscheidung war bei Kunstfreunden und Museen in Berlin auf heftige Kritik gestoßen.

Klimt ist für Rekorde gut

Den Rekord bei der Christie's-Versteigerung fuhr das Frauenporträt "Adele Bloch-Bauer II" (1912) von Gustav Klimt ein. Das Werk des Jugendstilmalers brachte mit fast 88 Millionen Dollar (knapp 70 Millionen Euro) auf den mit Abstand höchsten Verkaufspreis des Abends. Das Pendant "Adele Bloch-Bauer I" mit dem Spitznamen "Die goldene Adele" war im Juni für 135 Millionen Dollar an den Kosmetikunternehmer Ronald Lauder verkauft worden, dem die Neue Galerie in New York gehört. Wer Adele II ersteigert hat, wurde nicht bekannt.

Die früheren Besitzer der Klimt-Bilder waren während der Nazizeit enteignet worden. Österreich hatte deshalb Anfang der Jahres nach einem achtjährigen Rechtsstreit insgesamt fünf Arbeiten des Künstlers an die Erben zurückgeben müssen. Die vier jetzt versteigerten Kunstwerke brachten insgesamt rund 134 Millionen Euro ein - die Versteigerungsgebühr nicht mitgerechnet.

Picassos ungeklärte Geschichte

Für Aufsehen hatte zuvor die Entscheidung von Christie's gesorgt, einen auf bis zu 60 Millionen Dollar geschätzten Picasso wegen seiner ungeklärten Geschichte in der NS-Zeit in letzter Minute von der Auktion zurückzuziehen. Eine deutsch-schwedische Erbengemeinschaft hatte kurz zuvor angekündigt, die Besitzfrage weiter gerichtlich klären zu lassen. Christie's und der derzeitige Eigentümer, die Kunststiftung des britischen Musicalkomponisten Andrew Lloyd Webber, erklärten daraufhin "mit großem Bedauern" den Verzicht auf eine Versteigerung zum jetzigen Zeitpunkt. Trotzdem konnte Christie's am Mittwochabend insgesamt 491 Millionen Dollar umsetzen. Beim Konkurrenten Sotheby's waren es tags zuvor nur knapp 240 Millionen Dollar gewesen.

DPA / DPA