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Frida Kahlo in Berlin: Energiegeladene Bilder voller Herzschmerz

Mit über 150 Gemälden und Zeichnungen präsentiert der Martin-Gropius-Bau in Berlin die bislang größte Frida Kahlo-Ausstellung in Deutschland.

In Mexiko wird sie wie eine Nationalheilige verehrt. Frida Kahlos ausdrucksstarke, farbintensive Werke faszinieren aber auch über die Grenzen hinaus in aller Welt. Popstar Madonna ersteigerte eines ihrer Gemälde vor fünf Jahren für 5,6 Millionen Dollar. Von 30. April bis zum 9. August werden gleich 150 Arbeiten der mexikanischen Künstlerin (1907-1954) im Martin-Gropius-Bau in Berlin präsentiert - in der größten jemals in Deutschland gezeigten Kahlo-Retrospektive.

Dabei sind berühmte Selbstporträts, die Geschichten von Leid und Liebe erzählen, aber auch bislang gänzlich unbekannte, verschollen geglaubte Gemälde. Da deutsche Museen keine Bilder von Kahlo besitzen, waren die Kuratoren auf Leihgaben aus dem Ausland angewiesen, vor allem aus Mexiko und Nordamerika. Vereint wurden so zum ersten Mal die beiden größten Kahlo-Sammlungen. Daneben gibt eine umfangreiche Fotoschau aus dem Besitz der Familie - kuratiert von ihrer Großnichte Cristina Kahlo - Einblicke in ihr schmerzvolles Leben.

Frida Kahlo war gerade einmal 18 Jahre, als ihr Unterleib 1925 bei einem Busunfall in Mexiko-Stadt von einer Eisenstange durchbohrt wurde. Zeitlebens musste sie Schmerzen erdulden, lag lange in einem Gipsbett, musste ein Stützkorsett tragen, 22 Operationen über sich ergehen lassen. Fehlgeburten, Morphium- und Alkoholabhängigkeit waren die Folge. Ihre Ehe mit Diego Rivera war unglücklich: Seine zahlreichen Seitensprünge verletzten sie sehr, wenngleich auch sie einige Affären hatte.

Erst nach ihrem Unfall begann Kahlo zu zeichnen. Sie war ein Naturtalent ohne jede akademische Ausbildung. In ihren Gemälden drückt sie den Schmerz über dies Erlebte aus. Immer wieder malte sie sich selbst und nahm dabei einen permanenten Rollenwechsel vor - mal als Heilige, mal als Bettlerin, mal als Ärztin oder Professorin. Die Bildnisse sind ihrer jeweiligen Gemütslage angepasst. In einem ihrer berühmten Bildnisse zeichnet sie sich mit Dornenkrone um den Hals, in einem anderen ist ihre durchtrennte Wirbelsäule zu sehen - energiegeladene Bilder voller Herzschmerz.

"Ihr magisch uns nahe kommender Blick führt dazu, dass fast alle Betrachter sich ihr tatsächlich auch eng verbunden fühlen", erklärt Kuratorin Helga Prignitz-Poda. In allen Selbstbildnissen nehme Kahlo direkten Blickkontakt zum Betrachter auf und fordere ihn damit zum Dialog auf.

Ein weiterer Höhepunkt ist ein Selbstbildnis aus dem Jahr 1954 kurz vor ihrem Tod. Das in Öl gemalte Porträt zeigt sie als verblühende Sonnenblume. Kahlo zeichnete aber auch abstrakt: So ist die Serie der "13 Gefühle" zu sehen, die sie 1949 für Gespräche mit einer befreundeten Psychologin anfertigte. "Lachen", "Eifersucht", "Zorn" und "Freude" sind die Titel dieser Bilder. Auch wenn einige Zeichnungen surrealistisch anmuten - sie selbst sah sich nie als surrealistische Künstlerin.

In vielen ihrer Bilder nutzte Kahlo Sonne und Mond als Metaphern für ihre eigene Liebesgeschichte mit Diego Riviera. Er verkörperte ihre Sonne, die Vereinigung von Sonne und Mond war jedoch unmöglich. Ein weiteres Thema der Ausstellung ist Kahlos scheinbar unendliche Krankengeschichte: Einige Gemälde thematisieren das Verhältnis von Arzt und Patient.

Die Fotografien zeigen Kahlo in ihren unterschiedlichen Lebensphasen - als junges Mädchen, mit Riviera oder wie sie ihr Korsett bemalte. Ihre Großnichte Cristina erklärt: "Wenn man die Fotos und die Gemälde sieht, bekommt man einen Eindruck von Fridas Leben und Arbeit. Mit diesen Dokumenten kann man die Gemälde viel besser verstehen."

Frida Kahlo hatte auch einen direkten Bezug zu Deutschland: Ihr Vater Guillermo Kahlo stammte aus Pforzheim.

Geöffnet ist die Ausstellung täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr. Der Katalog kostet in der Ausstellung 25 Euro. Der Eintritt zur Ausstellung beträgt 10, ermäßigt 8 Euro. Bis 16 Jahre ist der Eintritt frei.

Holger Mehlig, APN / APN