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Ausstellung in Leipzig: Kreativ für den Frieden – wenn eine das kann, dann Yoko Ono

Für viele ist Yoko Ono immer noch die Frau, die die Beatles auseinandergebracht hat. Das Stigma wird ihr wohl immer anhaften. Doch wer es besser wissen will und die unglaubliche Kraft der Künstlerin kennenlernen möchte, der macht sich schleunigst auf nach Leipzig.

Zitronenbäume wachsen aus Holzsärgen

In einfachen Holzsärgen, wie sie etwa bei Katastrophen mit vielen Toten verwendet werden, hat Yoko Ono Zitronen- und Mandarinenbäume angepflanzt, die Installation trägt den Titel "Ex It". Der Raum eröffnet die Ausstellung in der dritten Etage des Museums und vermittelt eine wunderbare Atmosphäre: Tageslicht dringt durch die Decke, Vogelgezwitscher vom Band und der Duft der Bäume verhindern, dass die Holzkisten sofort als das wahrgenommen werden, was sie urspünglich waren, eben Särge.

Wer noch nicht dort war, muss sich auf den Weg machen: "Peace is Power", die aktuelle Ausstellung von Yoko Ono im Museum der bildenden Künste (MdbK) in Leipzig, ist nur noch bis zum 7. Juli zu sehen. Und sie lohnt sich! In Europa ist die heute 86-jährige Künstlerin den meisten erst durch ihre Beziehung zu John Lennon bekannt geworden. Eine Aufnahme von dem legendären Bed-in in Amsterdam, bei dem Lennon und sie 1969 eine Woche lang ihr Bett im Hilton-Hotel nicht verließen, um gegen den Vietnam-Krieg zu protestieren, hat vermutlich jeder schon einmal gesehen. Schließlich wurden damals zahlreiche Medienvertreter eingeladen, die "Make love not war"-Flitterwochen der beiden auch fotografisch zu begleiten. Fünfzig Jahre ist das inzwischen her.

Das Thema Frieden hat Yoko Ono ihr Leben lang begleitet. Die gebürtige Japanerin zog mit 19 Jahren ihren Eltern hinterher, die vor dem Zweiten Weltkrieg nach Scarsdale im Bundesstaat New York geflohen waren. Ono führte ihr Philosophie-Studium weiter und belegte zusätzlich das Fach Musik. Bereits in den 1950er Jahren wurde sie Konzeptkünstlerin mit verschiedensten Ausrichtungen: Text, Zeichnungen, Musik und insbesondere Performances. Ihre Arbeiten waren eindringlich und hatten stets einen intellektuellen Überbau, der sich nicht auf den ersten Blick erschloss. 

Fluxus for ever

Yoko Onos Werke sind nie abgeschlossen, sie folgt dem Fluxusprinzip: Der Übergang zwischen Leben und Kunst ist fließend, alles ist wiederholbar und alle Medien kommen zum Einsatz, Video, Musik, Licht, Geräusche, Bewegung, Handlungen und diverse Materialien.

In Leipzig sind Werke aus fast 70 Jahren Ono-Kunst zu sehen. In den Räumen der dritten Etage des MdbK werden die Besucher zum Mitmachen eingeladen, sie können Botschaften an die Künstlerin hinterlassen, zerbrochenes Porzellan kitten, ein Stück Himmel mit nach Hause nehmen oder auch einen Nagel in die Wand schlagen.

Yoko Ono kam persönlich

Natürlich hatten alle gehofft, dass Yoko Ono persönlich zur Vernissage im April in Leipzig erscheint. Stattdessen kam sie, ganz unspektakulär, mitten in der Ausstellungszeit, am 29. Mai.

Unverständlich bleibt lediglich die Tatsache, dass der Katalog zur Ausstellung voraussichtlich Ende Juli erscheinen wird – Ressourcenverschwendung, möchte man meinen, denn der Abverkauf dürfte dann wohl gering ausfallen. Wer sich also auf den Weg nach Leipzig macht, sollte das wissen und sich das Lesen der zahlreichen Texte nicht in der Hoffnung aufsparen, sie auf dem Heimweg nachlesen zu können.