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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Der kalkulierte Lapsus

Der geschmacklose Motto-Pulli, das hingenuschelte Fäkalwort – ups, wie dumm von mir ! Aber manchmal lohnt es eben, sich kräftig zu vertun

Nicht alle News sind gute News. Und nicht alle News sind gute Promotion. Wer wüsste das besser als der stern.

Irgendwo in der Grauzone tänzelte unlängst mal wieder Dieter Bohlen entlang. Bohlen, für guten Geschmack so bekannt wie Boris Becker für cleveres Wirtschaften, ließ es sich nicht nehmen, sich auf der Social-Media-Plattform Instagram unter dem Label "Dieters Tagesschau" zum Thema Daniel Küblböck zu äußern. Man könnte ja auch einfach mal gar nix sagen. Fällt mir selber schwer genug. Wenn es aber partout kneift, dann sollte man zumindest bei der Kleiderwahl etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen. Nicht so der blondierte Leguan aus Tötensen. Der kommentierte den tragischen Fall um den offenbar auf der "Aida" von Bord gegangenen Sänger in einem Kapuzenpullover, auf dem der Schriftzug "Be one with the ocean" prangte.

Ist einer, der sich für so schlau hält, wirklich so doof?

Eine unglückliche Wahl. Was folgte, war die übliche öffentliche Erregung, jede Menge "Bild", RTL, Twitter, Sie kennen das. Kurze Zeit später die öffentliche Entschuldigung für die vermeintlich unüberlegte Garderobe. Ist einer, der sich für so schlau hält, wirklich so doof? Sagen wir es mal so: Für jemanden, der sich gerade eine Gefolgschaft bei Instagram aufbaut, ist dieses "Ich muss den mal abonnieren und schauen, was der da immer so treibt!" gewiss nicht verkehrt. Und das "Entschuldigung, wenn ihr das missverstanden habt"-Prinzip haben zuletzt ja sogar Parteien für sich genutzt. Der (kalkulierte) Lapsus als Bekanntheits-Booster. Wenn das Netz schon jede Sau durchs Dorf treibt – warum nicht vorher wenigstens das eigene Logo auf die Sau malen.

Nehmen wir nur Starbucks. Immer wieder landen Fotos im Netz von Fehlleistungen verwirrter Baristi: Der Kunde kauft einen Kaffee to go, sagt dem Typen am Tresen seinen Namen – "Andre!" –, und auf dem Becher steht später "Adolf". Also, beispielsweise. Natürlich macht Andre ein Selfie mit dem Becher, um der Welt zu zeigen, wie bescheuert die Mitarbeiter in der Koffeintanke sind. Auf dem Becher aber steht nicht nur Adolf, sondern eben auch immer das Logo der Kaffeebude. Mit dem Teilen hat ja bereits Moses gute Erfahrungen gemacht. Wäre ich der Chef des Konzerns, ich würde die Direktive rausgeben, jeden zehnten Becher absichtlich falsch zu beschriften. Je irrer, desto teilenswerter. Wir sind eine mitteilsame Gesellschaft. Das kann man doch zu seinem Vorteil nutzen!

Alle Medien machten mit

Noch ein Beispiel? Unlängst veröffentlichte die Schlagersängerin Vanessa Mai ein neues Album. So weit, so gleich. Schnell allerdings mehrten sich Aussagen, dass auf der ausgekoppelten Single im Refrain das Wort "Fotze" zu hören sei. Das war natürlich ein nationaler Spaß. Alle hörten rein, ob dem wirklich so ist. Alle Medien machten mit. Die Sängerin selbst behauptete, sie habe "Worte" gesungen. Zu hören war das nicht – ich hab’s natürlich auch getestet. Was bleibt, ist ein Album als bundesweiter Mitmachspaß. Was es gekostet hätte, die CD in derselben Intensität zu bewerben – kaum auszurechnen.

Es lohnt sich also, sich mal kräftig zu vertun. Zumindest, wenn man glaubhaft versichern kann, es sei keine böse Absicht dahinter gewesen – oder Versagen mit Kalkül.

Würden Sie im Supermarkt bei Seitenbacher stehenbleiben, wenn diese sagenhaft schlechte Reklame sich nicht über Jahre hinweg in unsere Hirnrinde geschwäbelt hätte? Man erinnert sich eben nicht nur an Schönes.

Man muss nur aufpassen, dass dabei nicht zuerst die Würde über Bord geht.