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Neues vom Volks-Rocker: Andreas Gabalier - der Marketing-Man in Lederhosen

Blues, Swing, Alpenrock: Das neue Album von Andreas Gabalier ist so wild durchmischt wie sein Image. Bei ihm geht zusammen, was sonst nicht passt. Und der "Mountain Man" hat sie alle im Griff.

Von Sarah Stendel

Andreas Gabalier hat gerade sein fünftes Studioalbum veröffentlicht

Andreas Gabalier hat gerade sein fünftes Studioalbum veröffentlicht

Wer fliegt mit dir in die heile Welt?", fragt Andreas Gabalier im Titelsong seines neuen Albums. "Mountain Man, Mountain Man!", schmachten die Backgroundsängerinnen zum stampfenden Retro-Beat. Was jetzt schon klar ist: Sämtliche Oktoberfest-Besucher und Skihütten-Liebhaber werden ebenfalls für den Gabalier-Flug einchecken. Mit seinem einfachen Gejodel wird es aber das Mitgröl-Lied "Hulapalu" sein, das dann aus den Bier-getränkten Kehlen klingt. Zumindest, wenn es nach Gabalier geht.

"Der Song wird im Spätherbst die zweite Single. Er ist etwas programmierter und passt ins Après-Ski-Zelt und auf die Wiesn," sagt er, als der stern ihn in Hamburg trifft. Gabalier hat turbulente Wochen hinter sich. Der Sänger sorgte mit antiquierten Aussagen über die Rolle der Frau und einem #link;atv.at/amadeus-austrian-music-awards/gabalier-ausgebuht/v467417/;homophoben Kommentar# bei den Amadeus-Awards für mediale Aufregung. Jetzt ist sein neues Album erschienen, auf dem Cover inszeniert er sich als über-potenten Comic-Superhelden "Mountain Man", der eine Frau im Dirndl rettet und über eine Hügellandschaft fliegt, die verdächtig nach weiblichen Brüsten aussieht. Das Bild ist überspitzt, soll polarisieren - und trifft doch einen Nerv.

Das Album "Mountain Man" von Andreas Gabalier ist soeben bei Electrola/Universal Music Group erschienen

Das Album "Mountain Man" von Andreas Gabalier ist soeben bei Electrola/Universal Music Group erschienen

"Ich wusste: Nach all dem Wirbel kommt das Album und da muss es etwas geben, was den Leuten ins Auge springt. Da hilft ein lächelndes Coverbild wenig", sagt der Österreicher. Gabalier hat Marketing studiert, er ist ein Profi im Unterhaltungsbusiness. "Mountain Man" ist sein fünftes Album und auch hier macht der selbsternannte Volks-Rock'n'Roller vor kaum einem Genre Halt. Vom bluesigen "Es wird alles wieder gut" über eine Swing-Version von "Probier's Mal mit Gemütlichkeit" bis zu volkstümelnden Balladen und klassischem Alpenrock ist alles dabei. Beachtlich, wie selbstverständlich Gabalier die Brücken spannt.

Er lebt seinen Heimatfilm - und reißt alle mit

Und so ambivalent wie sein Sound sind auch seine Aussagen. Homosexualität werde ihm in der Öffentlichkeit zu sehr breitgetreten, sagt er auch im stern-Gespräch und kurz später, dass er Heirats- und Adoptionsrechte von Schwulen und Lesben befürworte. Er erzählt von Freunden daheim in der Steiermark, deren Frauen "glückseelig sind, wenn sie morgens auf den Bauernmarkt etwas Frisches zum Mittagessen einkaufen dürfen." Im nächsten Atemzug schwärmt er stolz von seiner Freundin Silvia, die gerade ihren Doktor in Jura macht und bei drei TV-Sendern moderiert. "Dass die Frau zuhause bleibt, ist zwar ein altes Bild, aber das muss man nicht negativ anmalen. Das ist das, was mich stört. Es wird uns in der Zukunft sozial einholen, wenn die Eltern - wurscht jetzt ob Mann oder Frau - keine Zeit mehr für die Kinder haben", sagt Gabalier. Und dass er zuhause gern den Staubsauger in die Hand nimmt und dabei laut AC/DC hört.

Er selbst ist in einer Großfamilie aufgewachsen und betont seine Verbundenheit zur Heimat in der Steiermark. Aus dem Stand kann er blumig eine kitschige Morgenrot-Nebel-auf-einem-Berggipfel-Szenerie beschreiben. "Diesen Moment, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch das orange-farbene Glühen dringen, muss man erlebt haben, dafür gibt's keinen Fernseher," schwärmt er. Kein Wunder, dass Gabalier manche der Songs auf dem neuen Album in unter 30 Minuten geschrieben hat. "Verliebt, verliebt, verliebt/ Wenn a kunterbunter Regenbogen/Dir zu Füßen liegt/Bist du verliebt" oder "Schön so schön kann des Leben sein wenn/ A Engerl für di lacht" heißt es in seinen Songtexten.

"TV-Sendungen sind Teufelszeug!"

Der 30-Jährige lebt seinen ganz persönlichen Heimatfilm - und das sehr mitreißend. Spätestens seit seiner Teilnahme bei "Sing meinen Song" im vergangenen Jahr ist er auch über die Carmen-Nebel-Zuschauer-Grenzen hinweg bekannt. Dort hatte er berührend offen vom Suizid von Vater und Schwester gesprochen und mit seiner hemdsärmeligen Art die Sympathien gewonnen. Zu seinen Konzerten kommen Teenagerscharen genauso wie Rentner und Schlagerfans - die meisten in Tracht, versteht sich. Sie alle wollen ein Stück heile Welt und gute Stimmung, die der "Mountain Man" ihnen verspricht.

Der "Mountain Man" in seinem natürlichen Habitat

Der "Mountain Man" in seinem natürlichen Habitat

Der weiß genau, wie er sein Image pflegen muss. "Zuhause mach ich endlich wieder Sport, die Waden schwinden schon", sagt Gabalier und klopft sich auf den tätowierten Schenkel. Er trägt trotz des kühlen Hamburger Frühlings eine kurze Hose und ein enges T-Shirt, die Volks-Rock'n'Roller-Tolle ist perfekt gegelt. Fehlt eigentlich nur sein "Mountain Man"-Umhang, aber den trägt er "nicht so gern, das wäre zu viel." Was auch zu viel wäre: Die zahlreichen Moderations-Angebote, die stetig reinkommen. "Schrecklich, Teufelszeug! TV-Sendungen nehmen immer ein wenig den Zauber vom Künstler", weiß Gabalier. Er spiele keine Rolle, betont er dann wieder, sein Alpen-Superheld sei mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Macho und Frauenversteher, Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit - in der Welt von Andreas Gabalier geht alles zusammen. "Man kann's nicht allen recht machen", sagt er zum Abschied schulterzuckend. Aber versuchen kann er es schon.