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Song "Marionetten": Nächster großer Radiosender rückt von Xavier Naidoo ab

Mit NDR 2 rückt ein weiterer Sender wegen des umstrittenen Songs "Marionetten" von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims ab. Der Sender sagte die Präsentation eines Festivals ab, auf dem die Band spielen wird. Selbst ein Ex-Bundespräsident schaltet sich in die Diskussion ein.

Xavier Naidoo

Der Radiosender NDR 2 hat sich wegen des umstrittenen Songs "Marionetten" von der Präsentation eines Festivals am 26. Mai in Hannover zurückgezogen. An diesem Tag werden auf dem Plaza-Festival auch die Söhne Mannheims mit Bandleader Xavier Naidoo auftreten. Die für den 27. Mai geplante "N-Joy Starshow" des Norddeutschen Rundfunks (NDR) wird dagegen wie geplant stattfinden. Die Show ist ausverkauft.

"Einige Textpassagen des Songs 'Marionetten' aus dem neuen Album der Söhne Mannheims passen einfach nicht zu NDR 2", begründete Programmchef Torsten Engel auf der NDR-Homepage den Rückzug des NDR. "Die Erklärungen der Band hierzu haben uns nicht überzeugt", fügt er hinzu. Künstlern stehe es selbstverständlich frei, ihre Songs und Texte nach eigenem Geschmack zu gestalten, doch andererseits sei auch der Sender frei in seiner Entscheidung. NDR 2 wolle sich nicht durch die Präsentation des Plaza-Festivals mit den Inhalten von "Marionetten" gemein machen. Der Text ist nach Lesart vieler Kritiker aus Medien und Politik eindeutig rechtspopulistisch.


Xavier Naidoo und Band bekennen sich zur Rechtsstaatlichkeit

Das Plaza-Festival in Hannover wird seit 17 Jahren von NDR 2 präsentiert. Es "liegt uns sehr am Herzen. Gerade aus diesem Grund haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", beteuert Engel. Zur Präsentation gehörte stets auch die Moderation des Abends. Auch die findet nun nicht statt. Ansonsten bleibt es aber beim vorgesehenen Programm. Eine ähnliche Entscheidung wie NDR 2 hatte zuvor der Sender Bremen Vier getroffen.

Unterdessen hat auch ein Krisentreffen der Stadt Mannheim mit der Popgruppe die Wogen um rechtspopulistische Songtexte der Band noch nicht geglättet. Über eine weitere Zusammenarbeit wollte die Stadt vorerst keine Prognose abgeben. "Im Augenblick ist ein wichtiger Schritt gegangen, sodass wir nichts aufkündigen", sagte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Gemeinsame Aktionen seien derzeit ohnehin nicht geplant. "Aber jedem möglichen Projekt würde eine sorgfältige Prüfung vorausgehen. Und natürlich verfolgen wir die Entwicklung." Kurz teilte allerdings mit, dass die Band beim Gespräch habe glaubhaft machen können, dass sie auf dem Boden von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehe. Dies habe zuletzt ja für viele in Frage gestanden, so Kurz.

 


Wulff: Wer viel Macht hat, hat auch viel Verantwortung

Alt-Bundespräsident Christian Wulff schaltet sich über ein Zeitungs-Interview am Mittwoch in die Diskussion ein. Er habe keine Lust mehr auf die Musik von Xavier Naidoo. Mit rechtspopulistischen Liedtexten begebe sich Naidoo "in die Nähe von Totengräbern der Demokratie, in die Nähe des Hasses", kritisierte Wulff gegenüber dem "Mannheimer Morgen". "Ich mag seine Musik durchaus", verriet der Ex-Präsident. Er sehe aber "jedenfalls im Moment keine Veranlassung, seine Konzerte zu besuchen oder seine Platte zu kaufen". Naidoo verfüge als erfolgreicher Musiker über viel Macht, sagte Wulff. "Und wer über viel Macht verfügt, der hat auch viel Verantwortung." Er werfe Naidoo vor, "dass er seine Rolle nicht reflektiert hat".

dho mit / DPA / AFP