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TV-Kritik

"Anne Will" zu Trump: Das große Stochern im Nebel der Ratlosigkeit

Donald Trump ist US-Präsident und wie sich die Weltordnung durch ihn verändert, wollte Anne Will von ihren Talkshow-Gästen wissen. Die vermuten: Alles bleibt wie es ist - oder auch nicht.

Von Andrea Zschocher

Anne Will zu Donald Trump

Abwarten und zu Anne Will gehen. Talkrunde zu Donald Trump am Sonntagabend

Sich ausreden lassen, hin- und zuhören, sich nicht gegenseitig schlecht machen - all das gab es in der Sendung von "Anne Will". Eine Wohltat und gleichzeitig ein Zeichen für Rat- und Ahnungslosigkeit. Statt hitzigen Diskussionen rund um den 45. Präsidenten der USA, Donald Trump, gab es Aus- und Einblicke in politische Herangehensweisen.

Was die Zukunft bringt? Ungewiss

Schwierig dabei: Keiner der Gäste hat eine Glaskugel. Und deswegen waren viele Fragen Wills danach, wie sich denn dieser Präsident nun verhalten wird, auch untermauert mit Vermutungen oder Prognosen. Nur die Zeit wird zeigen, ob Donald Trump all seine Ankündigungen in die Tat umsetzt. Das hält natürlich nicht vom Spekulieren ab, wohin es gehen wird mit den USA und Europa, mit Russland und der Welt.
Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Günter Verheugen (SPD), der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Dieter Kempf, der Historiker Michael Wolffsohn und der Vizepräsident "Republicans Overseas Germany" Ralph Freund waren neutral und antworteten ausschweifend auf die vielen Fragen Wills.

Von der Leyen plant, sich "unaufgeregt" auf Donald Trump einzustellen. Ihrer Analyse nach wird der neue US-Präsident permanent die Regeln brechen, so dass die Menschen froh sein werden, wenn es nicht "so schlimm" kommt. Sie warnte aber auch davor, mit zu viel Gefühl an die nächsten vier Jahre heranzugehen. "Ablehnen oder völlige Zustimmung sind falsch, man muss nüchtern daran gehen", meinte die Verteidigungsministerin.

Trump Wähler - Verlierer der Globalisierung?

Der Vizepräsident von "Republicans Overseas Germany", Ralph Freund wies darauf hin, dass die Menschen "die zwischen den Ozeanen wohnen" Trump gewählt hätten. Das seien die Menschen, die arbeiten zum Überleben, nicht die Superreichen. Günter Verheugen stimmte zu, er glaubt, dass vor allem die Leute, die sich als Verlierer der Globalisierung empfinden, Adressaten von Trumps Politik sind. Dem widersprach der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Die "kernigen Aussagen [Trumps] sind wirtschaftlich falsch", sagte er und könnten der Wirtschaft der USA eher schaden. Der Beweis, dass dem so ist, gelang ihm aber nicht.

Überhaupt war keiner der Anwesenden in der eigenen Aussage sicher. Das liegt darin begründet, dass sich eben nicht vorhersagen lässt, wie Trump als Präsident wirklich sein wird. Es gibt selbstverständlich Hinweise darauf. wie der Superreiche das Land führen möchte, allerdings muss er vor allem an dem gemessen werden, was er seinen Wählern versprochen hat. Das waren in erster Linie Arbeitsplätze. "Taten und Ergebnisse müssen zählen", sagte Ursula von der Leyen und glaubt momentan nicht, dass er das schafft. Günter Verheugen hingegen war sich sicher, dass ihm dieses Wahlversprechen zumindest kurzfristig gelingen wird. Wie genau und wie nachhaltig, das muss sich dann eben in den nächsten vier Jahren zeigen.

Donald Trump ist "brandgefährlich"

"Der Ton ist ein bisschen rustikal", fand Freund, der Trump nun unterstützen will. Auch er warb gebetsmühlenartig um Geduld, denn der Präsident sollte doch erstmal zeigen dürfen, ob seinen Worten auch Taten folgen können wie der geplante Nato-Ausstieg oder die Steuererhöhung für ausländische Firmen. Nicht alles davon lässt sich aber kraft Präsidentenamt umsetzen. "Er ist eingebunden in ein enges Machtgefüge", so Freund, der darauf hofft, dass genau dieses Gefüge dann korrigierend eingreift.

Michael Wolffsohn hält Trump für "brandgefährlich", für den "Mund des amerikanischen Bauches". Ein schreckliches Sinnbild für einen Mann, der einen behinderten Journalisten nachäffte. Würde es doch bedeuten, dass die meisten von Trumps Wählern ebenfalls so ticken. Es bleibt zu hoffen, dass das Machtgefüge, der Senat, und die Berater Schlimmeres verhindern. Denn auch wenn sich die Gäste bei Anne Will einig waren und erstmal abwarten wollten, was die Zeit bringt, einen Wunsch gab es dann doch. Amerika solle sich etwas mehr zurücknehmen, wünschte Verheugen. Keine schlechte Idee in Zeiten wie diesen.