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Dschungelcamp-Kritik, Tag 11: Der wahre Freigeist heißt Tina York

Sie nimmt es mit Zigarettenzombie Daniele und den ganzen anderen Zauderern auf: Wie sich die verschlafene Schlagersängerin zur Favoritin auf die Krone mausert.

Von Simone Deckner

Dschungelcamp 2018 Tina York Tag 11

Tina York: Sie ist Menschenfreund. Sie denkt, bevor sie spricht. Sie hört zu und macht sich ihren Reim darauf. Sie leidet, aber im Stillen. Sie ist ein Menschenfreund, trotz allem.

An Tag 11 des Dschungelcamps darf man schon mal philosophisch werden. Man sollte sogar. Irgendwie muss das alles doch einen Sinn ergeben. Also, hier eine der großen Fragen der Menschheit, runtergebrochen auf das Camp: Gibt es Zufälle im Leben? Oder ist nicht doch alles Kismet? Vorherbestimmt von einer Macht, die größer ist als das, was sich die verbliebenen Kandidaten vorstellen können, ihre mehr oder weniger mitgenommenen Körper auf patschnasse Pritschen in Marlborowumballa, oder wie das australische Nest heißt, lagernd.

"Will the real slim Freigeist please stand up?"

Vieles spricht für eine außerweltliche Fügung, sagen Experten. Wie ist es sonst zu erklären, dass erst nach dem freiwilligen Abgang eines selbsternannten "Freigeistes", bürgerlicher Name Ansgar Brinkmann, und ein bisschen Wikipedia-Recherche herauskommt, dass die Mächte schon vor langer Zeit ein Zeichen gesendet haben, das mindestens so riesig ist wie Matthias Vorderzahnlücke? Ein Zeichen, das uns den Weg weist zum wahren Freigeist; zur einzig wahren Dschungelkönigin. Kann das wirklich Zufall sein?

Hier die erschütternden Fakten: Schon im Jahr 1805 verfasste ein gewisser August Klingemann die "Nachtwachen", gewissermaßen einen Klassiker der Freigeist-Literatur. Die Hauptfigur: ein Nachtwächter, nicht unbedingt der beliebteste seiner Zunft. Er trifft in seinen nächtlichen Streifzügen auf die unterschiedlichsten Gestalten, erlebt Abenteuer, macht sich seinen Reim darauf, nur um am Ende zu erkennen: die Welt, sie ist ein Irrenhaus.

Dschungelcamp, Tag 11: Kakerlakenregen, Ausraster und ein Heiratsantrag
Inhalt Kiste 4 mit Kakerlaken bekommt Kattia Vides über sich geschüttet

Schade, dass Ansgar Brinkmann das nicht mehr erlebt: Die Dschungelprüfung am elften Tag heißt "Wenn ich Du wäre, wäre ich lieber ich"- so hieß auch seine Autobiografie. Da der "weiße Brasilianer" jedoch in den Sack gehauen hat, mussten sich Kattia Vides und Daniele Negroni der Herausforderung stellen. Kattia wurde in einem sternförmigen Gehege an Armen und Beinen auf dem Boden festgebunden. Über ihr schwebten sechs Trichter.

Alle Infos zu 'Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!' im Special bei RTL.de.


Nachtwächter und Irrenhaus? Da klingelt jetzt etwas. Wer hat praktisch immer die Augen offen, selbst, wenn er behauptet, zu schlafen? Wer macht die Nacht zum Tag und verpennt selbst die wenige Momente, in denen wirklich mal etwas passiert, so wie zuletzt Ansgars freiwilliger Abgang? Wer schiebt im Dunkeln dann Zweifachschichten? Dreifachschichten? Ohne zu murren, selbst wenn die Knochen knacken und ein durchgedrehter Zigarettenzombie cholerisch wütet? Wer schminkt sich noch im dunkelsten Schummerlicht gekonnt die Wimpern mit einer Zahnbürste?

Tina York - Menschenfreund im Dschungelcamp

Sie ahnen die Antwort sicher längst: Ja, es ist Tina York. Die 63-jährige Schlagersängerin ist der wahre Freigeist im Dschungelcamp!

Sie ist Menschenfreund, trotz allem.

Sie denkt, bevor sie spricht.

Sie hört zu und macht sich ihren Reim darauf.

Sie leidet, aber im Stillen.

Sie ist ein Menschenfreund, trotz allem.

Nebenbei haut sie Sätze heraus, um die sie jeder Twitterer beneidet: Als Daniele sie wie einer der Dalton-Brüder minutenlang anpampt, weil sie die anderen lieber schlafen lässt ("Es müssen immer zwei am Lagerfeuer sitzen! Tina, damit brechen wir wieder die Regeln und damit verlieren wir wieder Sachen. Ich schwöre bei Gott, wenn die Zigaretten morgen wieder weg sind, dann raste ich hier aus!") beschwichtigt sie den blau getönten Grünschnabel nonchalant mit einem "Ist doch nicht so schlimm." Später im Dschungeltelefon haucht sie mit sexy Telefonstimme: "Ich lasse mich nicht von Männern anschreien." Pause. Pause. Pause. "Daniele wird ja erst noch zum Mann." Breites Grinsen.

Tina ahnt nichts von ihrer Beliebtheit

Herrlich auch ihr dreckiges Lachen, als einer von vielen Platzregen über dem Camp niedergeht und Matthias fluchend versucht, seine Pritsche ins Trockene zu retten. Und wann hat zuletzt eine Frau so elegant ein Kissen (?) auf dem Kopf balanciert, wie die "Wir lassen uns das Singen nicht verbieten?"-Interpretin.

Was die ganze Angelegenheit noch besser macht: Tina York ahnt kein bisschen, wie sie wirkt. Dass sie bei Twitter schon jetzt die Top-Favoritin auf die Dschungelkrone ist. Sie würde einen mit ihren weit aufgerissen Augen anschauen und immer wieder stammeln: "Sag, dass das nicht wahr ist! Das ist nicht wahr, oder?"

Bleibt nur zu hoffen, dass auch die Älteren vor den stationären Fernsehern noch rechtzeitig erkennen, dass die innere Schönheit der York dieser trantütigen 12. Staffel gerade den Allerwertesten rettet, da kann sie noch so oft sagen: "Die Mädels, die mit dem Hintern wackeln, die sind viel interessanter als ich." Aber, die Zeichen stehen gut: Im Gegensatz zu den beiden Vortagen war Tina heuer nicht unter den Kandidaten mit den wenigsten Telefonanrufen. Sie trug ihr Weiterkommen, wie sollte es anders sein, mit Fassung.

Außer dem Zigarettenzombie polarisiert niemand

Bleibt zu hoffen, dass sie noch ein wenig länger durchhält, die gute Frau. Weit und breit gibt es ja sonst niemanden, dem man den Sieg auch nur zur Hälfte gönnen würde. In diesem Camp polarisiert außer dem Zigarettenzombie ja keiner. Vielleicht könnte RTL beim nächsten Casting ja wirklich mal nach dessen Motto "Straße hält zusammen" handeln und irgendwelche x-beliebigen Neuköllner oder St. Paulianer von derselben holen. Die Chance, dass das, was diese No Names im Dschungel treiben, unterhaltsamer ist, als all das, was die diesjährigen Kandidaten bieten, sind so schlecht nicht.

Dschungelcamp, Tag 10: Der nackte David - endlich!
David Friedrich bei der Dschungelprüfung

Noch hat er gut lachen: David Friedrich tritt am zehnten Tag im Dschungelcamp zu seiner dritten Prüfung an. Es ist die erste, die er alleine bestreiten muss. "Ich glaube, es wird eine schwere Prüfung. Wasser, Tiere, alles was es gibt", unkt Friedrich - und er sollte Recht behalten.


Wie schnell man auf den Dschungelschrotthaufen der Geschichte kommen kann, durfte sich etwa Ansgar im Hotel anschauen, wenn er da nicht gerade mit Rainer Calmund skypte. "Wenn ich Du wäre, wäre ich lieber Ich" hieß die Prüfung, ebenso wie das Buch des Ex-Fußballers, das sein Verlag jetzt leider nicht mit einem feschen, neuen Button ("Vom Dschungelkönig selbst verfasst") erneut auf den Markt werfen kann. Kattia lag dabei angekettet am Boden und dirigierte Daniele mit Maschinengewehrstimme und Rechts-Links-Schwäche immer schön geradewegs knapp am Ziel vorbei. Während grüne Ameisen und Spinnen auf sie regneten, beruhigte sie den bockigen Daniele unentwegt, er mache das alles "perrrrrfekt". Drei Sterne, die magere Ausbeute der Prüfung.

Ein Heiratsantrag und ein Brief vom Hund

Umso deftiger, was die Ochsenknecht unversehens andeutete: "Es gibt hier schon Menschen mit zwei Gesichtern", raunte sie in den Regenwald und hinterließ allenthalben fragende Gesichter. Und auch, wenn es nahe liegt, Tatjana Gsell schien sie mit dieser dunklen Andeutung nicht gemeint zu haben. Sie wisse von "Geschichten" eines Mitcampers, die "mit Alkohol" zu tun hätten, spezifizierte die O. im Dschungeltelefon. Dann enttäuschte die in Kindernamen ja so Kreative jedoch mit der Aussage: "Ich werde keine Namen nennen."

Welchen Namen Matthias künftig tragen wird: Mangiapane oder Fella, wie sein Freund Hubert, das steht derzeit noch in den Sternen. Wieso, weshalb warum? Es wurde die traditionelle "Briefe von den Lieben"-Aufführung gegeben. Wir vermissen Dich! Du schaffst das! Wir sind alle so stolz auf Dich! Man kennt das. Auch dieses Jahr heulte und schluchzte es gar heftig im Dschungel. Neu hingegen: der handgeschriebene Heiratsantrag. Praktisch: man erspart sich irritierte Blicke und den Kniefall. Wer kann da schon "Nein" sagen? Matthias jedenfalls nicht.

Darauf eine Apfelschorle

Romantischer wurde es da nur noch bei der Post für Tatjana Gsell. Kein Foffi, auch kein Eckhard oder anderer Ex aus dunklen Tagen übersandte eine Depesche, nein, es war der treue Rudi seines Zeichens Chihuahua. Der Vierbeiner muss irgendwo auf einer sündhaft teuren Hundeschule sein Abitur gemacht haben. Sein Deutsch stand jedenfalls dem der anderen Schreiber in nichts nach.

Bodenständig der Brief von der besten Freundin der Dschungelkönigin in spe, Tina York: Sie motivierte ihre BFF, weiter dran zu bleiben mit der Aussicht auf eine "köstliche Apfelschorle." Was Freigeister eben so trinken, wenn sie mal ordentlich einen drauf machen wollen.