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"Unser Lied für Rotterdam": Er fährt für Deutschland zum ESC - warum Ben Dolic Hoffnung macht

Tanzhymne statt Ballade, Newcomer statt etablierter Künstler: Ben Dolic vertritt mit "Violent Thing" Deutschland beim ESC in Rotterdam. Der ehemalige "The Voice of Germany"-Teilnehmer und sein Song kamen bei der Bekanntgabe in Hamburg gut an. Warum er die deutsche ESC-Schmach beenden könnte. 

Ben Dolic

Er fährt für Deutschland zum ESC: Ben Dolic belegte 2018 bei "The Voice of Germany" den zweiten Platz.

stern

Helene Fischer, die Tochter von Michelle oder sogar noch einmal Lena: Viel war spekuliert worden um den deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest in Rotterdam. Der verantwortliche Sender NDR verzichtete in diesem Jahr auf einen Vorentscheid und bestimmte Song und Künstler in einer geheimen, internen Auswahl. Das war zuletzt 2009 der Fall und endete mit "Miss Kiss, Kiss Bang" in einem Debakel. Doch die Auswahl für 2020 klingt vielversprechend. Denn Künstler, Titel und ESC scheinen ein perfektes Match zu sein.

Ben Dolic wird Deutschland mit dem Poptitel "Violent Thing" vertreten. "Es ist eine Tanzhymne" sagte der 22-Jährige bei der Aufzeichnung der Show "Unser Lied für Rotterdam" in der Hamburger Astor Filmlounge. Die Sendung wird am Donnerstagabend auf ARD One ausgestrahlt und von Barbara Schöneberger moderiert. Wochenlang hatte der NDR ein Geheimnis um seine Wahl gemacht, die bereits seit 12. Dezember feststand. In einem aufwendigen Auswahlverfahren aus zwei Jurys hatte der Sender nach Künstler und Lied gesucht. Das scheint sich gelohnt zu haben. Ben Dolic könnte ein Glücksgriff sein.

Ben Dolic nahm für Slowenien am ESC-Vorentscheid teil

Der gebürtige Slowene hat bereits ESC-Erfahrung gesammelt. Der er am 4. Mai 1997 in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana geborene Dolic nahm 2016 für sein Geburtsland bereits am ESC-Vorentscheid teil. Mit 18 zog er mit seinen Eltern in die Schweiz und lebt seit vergangenem Jahr in seiner Wahlheimat Berlin. Dort entschied er, sich auch beim deutschen Vorentscheid zu bewerben. Der Sänger setzte sich unter 600 Mitbewerbern durch. "Für mich wird ein Traum wahr", sagte Dolic dem stern. Er will für Deutschland eine gute Platzierung unter den ersten zehn erreichen.

Das könnte mit seiner modernen Tanznummer "Violent Thing" gelingen. Der Popsong stammt aus der Feder des österreichisch-bulgarischen Komponisten und Produzenten Boris Milanov und ist Dolic auf den Leib geschneidert. Song und die androgyne, fast zerbrechliche Stimme des Sängers passen. Ein bisschen Justin Timberlake, ein bisschen Michael Jackson, dazu Synthesizer-Klänge und ein Uptempo-Beat - das ist "Violent Thing". "Es geht um Liebe auf den ersten Blick", erklärt Dolic zum Inhalt des Songs. "Und am Ende wird alles gut."

Das hofft er auch für Rotterdam. Beim Live-Auftritt in Hamburg kann der Sänger überzeugen. Mit einer Acoustic-Version des Lieds nimmt er das Publikum für sich ein. Die sonst eher kritischen Journalisten spenden wohlwollend Applaus. Dabei ist Dolic keine Rampensau. Beim Interview wirkt der Sänger schüchtern, knetet nervös mit den Händen. Doch der 22-Jährige hat Ausstrahlung, Charme und vor allem Wiedererkennungswert. In Rotterdam soll ihn der internationale Choreograf Marty Kudelka bei der Entwicklung des Auftritts unterstützen. Wie das genau aussehen soll, verriet Dolic noch nicht. "Ich werde tanzen", sagt er. 

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Die Zutaten für einen ESC-Hit stimmen

Macht Dolic die Schmach der vielen letzten Plätze der vergangenen Jahre, die Sisters, Ann-Sophies und Levinas endlich vergessen? Boris Milanov ist da ganz sicher. Der Komponist schrieb unter anderem für Jennifer Lopez, Kylie Minogue, Lady Gaga und Miley Cyrus. Drei seiner Songs erreichten beim ESC in den vergangenen vier Jahren eine Platzierung unter den ersten vier. "Mein Ziel ist es, unter die Top Ten zu kommen", gibt sich Dolic selbstbewusst.

Dem NDR scheint endlich der lang ersehnte Coup gelungen zu sein. Künstler und Song stimmen. Ob die deutschen Zuschauer, die in diesem Jahr beim Vorentscheid nicht abstimmen durften, das auch so sehen, wird sich mit der Chartplatzierung in den kommenden Wochen zeigen. Am 16. Mai entscheidet dann das europäische Publikum. Doch eins scheint jetzt schon sicher: "Sorry Germany. Zero Points" werden wir nicht wieder hören.