HOME

Umstrittener US-Sender: Fox News vor TV-Duell - das wird man jawohl noch senden dürfen

Fox News wird erstmals in seiner Geschichte einen Moderator für das TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten stellen. Ein Ritterschlag für einen Sender, der als konservative Krawallbude zum erfolgreichsten Nachrichtensender der USA geworden ist.

Der US-Nachrichtensender Fox News strahlte bereits die Debatten rund um die Nominierung bei den Republikanern aus

Der US-Nachrichtensender Fox News strahlte bereits die Debatten rund um die Nominierung bei den Republikanern aus. Beim TV-Duell zwischen Donald Trump und Hillary Clinton wird Chris Wallace (links neben Megyn Kelly und Bret Baier) moderieren.

Meinungsmache vom rechten Rand ist auch in den USA ein Erfolgsmodell. Das belegt Fox News eindrucksvoll. 1996 von Medienmogul Rubert Murdoch ins Leben gerufen, hat sich der Sender mit aggressiven Moderatoren, rechts-patriotischer Polemik und viel Emotionen an die Spitze der US-amerikanischen Fernsehlandschaft gewuchtet. Am Mittwochabend (US-Zeit) überträgt der Sender die dritte TV-Debatte zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten. Donald Trump und Hillary Clinton werden sich unter Leitung von Fox-News-Moderator Chris Wallace gegenseitig die Hölle heiß machen.

Der umstrittene Kanal, preist sich zwar als "gerecht und ausgewogen", macht aber aus einen Sympathien für die christliche Rechte und die Neokonservativen keinen Hehl. Viele sehen in Fox News einen Propagandasender der Republikaner, schon oft prangerten Demokraten, Bürgerrechtler und Medienexperten die Einseitigkeit des Senders an. Eine Studie "Fairleigh Dickinson University" kam Ende 2011 zu dem Ergebnis, dass Zuschauer von Fox News nicht nur deutlich schlechter informiert seien als die anderer Sender. Diese könnten sogar weniger Fragen über das politische Tagesgeschehen beantworten als solche US-Bürger, die überhaupt keine Nachrichten sähen.

Fox News erfolgreichster Nachrichtensender der USA

Ungeachtet der Kritik meinen andere, Fox News spreche nur aus, was die Mehrheit der Amerikaner wirklich denke. Man sieht sich als Gegengewicht zum angeblich "linken Mainstream". Das Konzept geht auf: Seit 2002 ist Fox News der meistgeschaute Nachrichtensender der USA, weit vor MSNBC oder CNN. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Fox News 567 Millionen US-Dollar Gewinn.

Demokraten kommen bei Fox News in der Regel schlecht weg, bei Donald Trump ging der Sender anfänglich allerdings ebenfalls auf Konfrontationskurs. Seitdem der Milliardär als republikanischer Kandidat feststeht, hat sich das Verhältnis wieder entspannt. Nach einem zwischenzeitlichen Boykott von Trump wegen eines Streits mit einer Moderatorin, haben sich der Sender und der Kandidat nun wieder lieb.

Skandale und Kritik

Der Sender veröffentlichte Anfang 2015 ein unzensiertes Video, auf dem ein jordanischer Kampfpilot vom Islamischen Staat (IS) bei lebendigem Leib in einem Käfig verbrannt wurde. Dafür erntete der Kanal harte internationale Kritik. Das Video ist bis heute abrufbar.

Im Sommer 2016 erschütterte ein weiterer Skandal den Sender: Mehrere Mitarbeiterinnen, darunter prominente Moderatorinnen, bezichtigten den Fox-News-Chef Roger Ailes der sexuellen Belästigung. Ailes, der den Kanal konzipiert und seit 1996 geführt hatte, musste daraufhin zurücktreten.

Auch die Moderatoren und Analysten selbst sorgten schon für den ein oder anderen Eklat. So bezeichnete Moderator Sean Hannity den radikalen britischen Islamprediger Anjem Choudary während eines Interviews 2015 als "bösartigen Hurensohn". Die für den Sender tätige Analystin Monica Crowley twitterte im Oktober 2015 ein Bild von sich vor der Berliner Mauer und schrieb in Anspielung auf Trumps Pläne, eine Mauer an der US-Südgrenze zu bauen: "Mauern funktionieren".

Fox News lebt von seinen Moderatoren

Trotz solcher Geschichten lebt Fox News vor allem von seinen Moderatoren. Anders als etwa im deutschen TV spielt die Meinung in der Berichterstattung eine wesentlich größere Rolle. So zum Beispiel beim Flaggschiff "The O'Reilly Factor". Dort kommentiert Moderator Bill O'Reilly von Montags bis Freitags aktuelle politische Themen. Sein Stil ist populistisch, laut und auf Konfrontation ausgerichtet. Er befürwortet eine aggressive Außenpolitik und war ein ausgesprochener Unterstützer des völkerrechtswidrigen Irak-Krieges der Bush-Regierung 2003. Jahre später revidierte er einige seiner Einschätzungen dazu. Er ist ein klarer Befürworter Trumps und schließt sich dessen Vermutungen über eine mediale Kampagne gegen ihn und den Verschwörungstheorien rund um möglicherweise manipulierten Wahlumfragen an. Kaum jemand verkörpert das, wofür Fox News steht, so sehr wie O'Reilly.

Die Leitung in der Manege beim TV-Duell bekommt aber ein anderer: Der 69-jährige Chris Wallace ist ein weiteres Aushängeschild des Senders. Er wird der erste Fox-News-Moderator sein, der ein TV-Duell leiten wird. In seiner politische Talkshow "Fox News Sunday" lässt der als harter Interviewer bekannte Wallace die Woche Revue passiert - vor einem Millionenpublikum. Er sorge sich um die Terrorgefahr in den USA, die ob der offenen Grenzen groß sei, sagte er dort Mitte September. Dem würde Trump zwar sicher uneingeschränkt zustimmen. So radikal wie der erzkonservative Hannity oder konfrontative O'Reilly ist Wallace, der trotz seines Arbeitgebers bei den Demokraten registriert ist, aber bei weitem nicht. Er ist der seriöse Anstrich für eine konservative Krawallbude.