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Reportage der Woche

"Germany's next Topmodel" 2019: Wenn Heidi Klum halbnackte Männer abcheckt und kleine Mädchen durchdrehen: Hinter den Kulissen von GNTM

Heidi Klum hat ihr neues "Germany's next Topmodel" gekürt. Es ist wenig überraschend Simone aus Stade. Für sie geht es jetzt auf in die weite Modelwelt. Der stern blickt hinter die Kulissen von zwei Tagen GNTM-Wahnsinn.

GNTM-Finale in Düsseldorf

Heidi Klum mit ihren Meeedchen und den Tänzern von "Magic Mike" beim GNTM-Finale in Düsseldorf

ProSieben

Es ist ein kalter Mai-Morgen. Die Stimmung vor dem ISS Dome in Düsseldorf ist entspannt, die Security-Maßnahmen dafür umso strenger. Wer keinen personalisierten Ausweis am roten Band um den Hals trägt, wird nicht hinein gelassen. Denn Heidi Klum hat ausgewählte Journalisten zur großen Studiotour einen Tag vor dem "Germany’s next Topmodel"-Finale eingeladen. Die "Model-Mama" ist selbst vor Ort.

"Germany's next Topmodel": Ein Blick hinter die Kulissen der Modelshow

GNTM ist ihr Baby, das merkt man schnell. Während manche kritisieren, die Sendung habe sich in den vergangenen Jahren zur eindimensionalen "Heidi-Show" entwickelt, argumentieren andere, dass sie genau deshalb noch immer so erfolgreich sei. Heidi funktioniert. Als die 45-Jährige die Medienvertreter begrüßt, legt sie ihr strahlendstes Heidi-Lächeln auf. Vor einem steht Klum, der Showbusiness-Profi. Sie erklärt, sie wolle die Pressekonferenz in diesem Jahr etwas lockerer gestalten. Einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen. "Hallöchen!", ruft sie der Menge zu und man fühlt sich direkt wie eines der blutjungen Topmodels. Die Befürchtung, gleich aus waghalsiger Höhe springen und dabei auf eine gestreckte Beinhaltung und das perfekte Lächeln achten zu müssen, wächst. Stattdessen geht es rein in den Saal, im Gänsemarsch hinter Heidi her. 

Auf der Bühne und dem 30 Meter langem Laufsteg proben gerade die Tänzer von "Magic Mike", deren berühmtester Filmvertreter, Channing Tatum, auch beim Finale als Gast dabei sein wird. Sind sie strippende Tänzer oder tanzende Stripper? Man weiß es nicht. Aber Heidi Klum weiß eines: "Da sind schon ein paar gut aussehende Männer dabei", staunt sie und taxiert die Tänzer mit ihrem Profi-Blick. Die wiederum biegen ihre durchtrainierten Astralkörper gerade über dem weißen Sofa, auf dem am Finalabend Heidi Klum Platz nehmen wird. Während der Probe bei schummrigem "Putzlicht", wie den Journalisten erklärt wird, deuten die Tänzer ihre Strip-Bewegungen allerdings nur an - wollen sich vermutlich noch bis zum großen Auftritt schonen. Insgesamt 9000 Gäste werden beim GNTM-Finale erwartet, 600 Mitarbeiter sind im Einsatz. Die wuseln durch die Halle, legen Kabel, bereiten vor, während Heidi ausgelassen erzählt. 

"Heidi ist der Chef"

So groß wie in Deutschland wird das Finale der Castingshow in keinem Land zelebriert. Und das liegt zweifelsohne an Klum selbst. Seit 14 Staffeln schon sucht sie nach hoffnungsvollen jungen Frauen, die den Einstieg ins Business schaffen wollen. Gerade erst hat sie mit ProSieben einen neuen Vertrag unterzeichnet. "Ich mache 20 Jahre. Also noch sechs Jahre", verkündet sie. "Heidi ist der Chef", hört man hier immer wieder. Ihr sei es wichtig, alle Entscheidungen rund um die Show - zwar gemeinsam mit ihrem Team - aber immer selbst zu entscheiden. Dann könne sie sich im Nachhinein auch nicht beschweren, wenn Abläufe nicht gestimmt haben, oder Outfits nicht ansprechend aussahen."Wollen wir mal die Meedchen sehen?" fragt sie die Meute mit angeknipstem 100.000-Watt-Lächeln. Also schieben sich die zirka 20 Journalisten an Papa Günther Klum vorbei Richtung Green Room. Dort dürfen die angehenden Topmodels sich am Finalabend entspannen, erklärt Heidi, nur um das dann direkt zurückzunehmen. Denn Entspannung ist nicht, wenn das nächste Topmodel gekürt werden soll. Alle müssen auf zack sein, genauso funktionieren wie die Model-Mama selbst. "Das ist hier ein Job", sagt Klum immer wieder, wie ein Mantra, das den jungen Frauen mit der Sendung eingeimpft wird. Möge die Stärkste und Beste gewinnen - und die Marke GNTM weiter nach vorne bringen. 

Nachdem Klum die "Meedchen" vorgestellt und sich selbst weiteren Fragen gestellt hat, ist die Studiotour vorbei. Es muss weiter geübt werden. Zwei Minuten im Fernsehen bedeuten manchmal zwei Tage Probe, erklärt Klum. "Seid ihr denn alle morgen da?", fragt sie noch in die Runde. Kollektives Nicken. Zu Heidi sagt man nicht Nein.

Das GNTM-Finale: Die Heidi-Show geht weiter

Einen Tag später, am Donnerstag, trifft man sich dann wieder im ISS Dome in Düsseldorf. Sprengstoff-Spürhunde schnuppern an Kamera-Taschen, alles wird streng kontrolliert. Nach dem Bomben-Skandal beim GNTM-Finale 2015 ist man vorsichtiger geworden. So manche Sicherheitsvorkehrung wurde allerdings wieder gelockert. Handys sind in diesem Jahr erlaubt.

Und schon beim Betreten des Eingangsbereiches fällt auf: Es wimmelt von jungen Mädchen, die sich für die anstehende Heidi-Show in Schale geschmissen haben. Achtjährige in kurzen Röckchen und mit schwarz getuschten Wimpern werden von ihren Eltern in Szene gesetzt, fotografiert und bereiten sich, so scheint es, schon jetzt auf ihre ganz eigene GNTM-Karriere vor. Vielleicht wird man hier entdeckt, vielleicht wartet die große Laufbahn als neues Topmodel - oder eben als neue ProSieben-Moderatorin. Wer weiß das schon so genau. Es werden Posen geübt, vorgeführt und noch schnell perfektioniert. Einmal an den aufgebrezelten Teenagern vorbei, geht es in die Halle. Hier sieht es noch aus wie am Tag zuvor. Der 30 Meter lange Laufsteg prangt in der Mitte des Saales - in den kommenden drei Stunden wird er zur Stätte zahlreicher Highlights und einiger Fremdscham-Momente (Stichwort: Hochzeit, aber dazu gleich mehr).

Doch was passiert, wenn die Live-Kameras gerade nicht auf Klum gerichtet sind? Wie verhält sie sich? Heidi Klum, die nach wenigen Momenten vollkommen außer Atem zu sein scheint, muss sich nach ihrer Begrüßung erstmal sammeln. Sie winkt ihren Kindern zu, die zwischen Oma Erna Klum und Opa Günther Klum im Publikum sitzen. "Das wissen ja die wenigsten. Wenn die Kameras aus sind, bin ich Mama", sagte sie noch während der Studiotour am Vortag. 

Wenig später holt die Bergisch Gladbacherin Thomas Gottschalk zu sich auf die Bühne. Er hilft ihr beim Moderieren, schließlich habe sie das ja nie gelernt. Denn der Ursprung dieser ganzen Heidi-Show, die das Publikum im Saal heute geboten bekommt, ist im weitesten Sinne Gottschalk selbst. Er entdeckte Klum 1992, als sie eine Model-Castingshow gewann, die er moderiert hatte. Die beiden verstehen sich gut, das kann jeder sehen. Und doch wirkt Gottschalk wie jemand, dem man vorher nicht gesagt hat, dass es in eine Achterbahn mit Loopings und fiesen Schleifen geht, statt zum gemütlichen Dinner beim Italiener. Etwas bedröppelt sitzt er da auf dem weißen Sofa und schaut sich das Spektakel an. 

Heidi Klum verkündet Live-Hochzeit

Immer wieder verkündet Heidi Klum pseudo-geheimnisvoll, dass hier heute geheiratet würde. Dass sie selbst im Sommer mit Tom Kaulitz den Bund der Ehe eingehen wird, weiß in den Sitzreihen jeder. Ein Raunen geht durch die Menge, als den Zuschauern klar wird, dass jetzt eine Art Eheschließung stattfinden soll. Beim Finale von "Germany's next Topmodel". Live auf ProSieben. Aber am Ende sind es nicht Klum und Kaulitz, die sich auf dem Laufsteg das Jawort geben. Wäre ja auch zu schön gewesen. Nein, es sind Ex-Kandidatin Theresia und ihr Verlobter Thomas, die sich die ewige Treue schwören. Unter den wachsamen Augen Gottes, pardon, Heidis. Das Publikum ist vereint im kollektiven Schamgefühl, als die Braut ihren Mann förmlich anschreit und theatralisch schluchzt, "Jaa, ich will!" Irgendwo sitzt Thomas Gottschalk und fragt sich, ob ein verlängertes Wochenende auf Malle nicht die bessere Alternative gewesen wäre. Die Zuschauer im Saal gucken teilweise verdutzt auf die Bühne oder auf ihre Handys. Die vielen jungen Mädchen im GNTM-Fieber sehen so aus, als verstünden sie nicht, was eine Hochzeit denn mit Modelcasting zu tun hätte. Das versteht hier niemand. 

Um das verstörte Publikum abzulenken, sind jetzt die nackten Tänzer dran. Sie ziehen zumindest ihr T-Shirt aus. Nur Channing Tatum behält seine Kleidung an. Dann folgt der Höhepunkt der Show. Die Krönung von Simone aus Stade, die vorher mehrfach umgeknickt war und sich eben gerade so auf den Beinen halten kann. Ihr Sieg ist für die wenigsten hier in der Halle eine echte Überraschung. Nicht nur das Fanlager der ehemaligen Leichtathletin ist das mit Abstand lauteste. Auch in den Reihen der Teenie-Fans ist Simone beliebt. Immer wieder kreischen die Mädels à la Heidi Klum, wenn die 21-Jährige die Bühne betritt. Auch die Fans hier haben von der Besten gelernt.

Ein Jahr lang wird Simone jetzt als amtierendes "Germany's next Topmodel" durch ProSieben-Sendungen tingeln, Instagram-Follower sammeln und für Michalsky-Düfte den Kopf hinhalten. Bis es dann im kommenden Jahr erneut heißt: "Nur eine kann 'Germany's next Topmodel' werden." Allein am heutigen Abend haben sich genügend hoch motivierte Mini-Models im ISS Dome in Düsseldorf versammelt, damit die Heidi-Party ewig weitergehen kann. Show must go on. 

Eine ausführliche TV-Kritik zum GNTM-Finale lesen Sie hier. 

GNTM: Thomas Gottschalk amüsiert die Zuschauer

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