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"Neo Magazin Royale": Kein Flitzer! Das macht der Nackte bei Jan Böhmermann

Was haben ein Nackter, ein Clown und ein Mann auf einem Esel mit "Bernd" Höcke zu tun? Das erklärte Jan Böhmermann in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" auf geniale Weise. Leider fällt er am Schluss selbst auf die AfD-Masche rein.

Jan Böhmermann

Jan Böhmermann liest vor, während im Hintergrund ein Nackter durchs Bild läuft.

"Kennen Sie diese drei Männer?", fragt Jan Böhmermann seine Zuschauer. Zu sehen sind die Köpfe von Dietmar Woidke, Erwin Sellering und Reiner Haseloff ("nicht zu verwechseln mit David Hasselhoff") - den Ministerpräsidenten von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. "Die Ministerpräsidenten von drei Bundesländern kennt keine Sau", konstatiert Böhmermann, wo hingegen das Gesicht des rechtsextremen AfD-Mitglieds "Bernd" Höcke jeder kenne. "Woran liegt das?" 

Diese Frage beantwortete der Moderator des "Neo Magazin Royale" am Donnerstag auf geniale Weise. Seine These: "Echte Lösungen haben Rechtsextreme wie 'Bernd' Höcke nicht." Er beherrsche jedoch wie alle Populisten das Prinzip der "Aufmerksamkeitsökonomie". Zuschauer interessierten sich nicht mehr für Inhalte, sondern hielten das für wichtig, was ihre Aufmerksamkeit errege. 

Jan Böhmermann und die Lehrstunde mit Nackedei

Zur Verdeutlichung liest Böhmermann den Wikipedia-Auszug zum Thema Aufmerksamkeitsökonomie vor. Gleichzeitig erscheinen im Bild ein Clown, der mit Bällen jongliert, ein tanzender Hofnarr, ein Ritter, der auf einem Esel durchs Bild reitet und schließlich ein nackter Mann, der durchs Studio läuft. Spätestens da hört das Publikum nicht mehr zu, sondern johlt über den Nackedei. Experiment gelungen.

Wer Aufmerksamkeit wolle, der müsse es machen wie "Hitler-Versteher" Höcke, der das Berliner Holocaust-Mahnmal als "Denkmal der Schande" bezeichnete. Die öffentliche Verharmlosung und Relativierung des Holocaust habe für Höcke keinerlei Konsequenzen gehabt - im Gegenteil. Sie habe ihm genutzt. "Er bekam zur Strafe ein dreiseitiges Interview im 'Spiegel'", witzelt Böhmermann. Darin habe Höcke erklärt, warum er kein Nazi sei, habe als Beweis dafür einen "Brot für die Welt"-Kalender in seinem Büro gezeigt, auf dem ein schwarzes Kind zu sehen gewesen sei. "Null Substanz, dafür viel Aufmerksamkeit", konstatiert Böhmermann.

Böhmermann fällt selbst auf Masche rein

Seine Lehrstunde in Sachen "Aufmerksamkeitsökonomie" schließt der Moderator mit folgender Erkenntnis: Rechtsextreme und Populisten in ganz Europa würden "die Gier der Medien nach Aufmerksamkeit und Reichweite" ausnutzen,  gleichzeitig aber die Medien verachten.

Allerdings fällt Böhmermann ganz am Schluss selbst auf die Masche der Populisten rein. Als er mit Dorothee Bär "Wer bin ich?" spielt, klebt ein Foto von Alexander Gauland auf seinem Kopf, den er erraten soll. So bekommt AfD-Rechtsaußen Gauland wieder mal Aufmerksamkeit. Schade.

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