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"Morgen hör ich auf": Wie gut ist das deutsche "Breaking Bad"?

Das ZDF beginnt das Jahr mit einem Mehrteiler: In "Morgen hör ich auf" gerät ein biederer Familienvater auf Abwege und druckt falsche Fünfziger. Wer keine überzogenen Erwartungen an die Serie stellt, wird sich amüsieren.

Morgen hör ich auf

Jochen Lehmann (Bastian Pastewka) hat es nicht leicht: Seine Firma ist pleite, die Kinder machen Ärger, und dann ist da auch noch seine Frau Julia (Susanne Wolff)

Auf einmal war sie in der Welt, die Rede vom "deutschen Breaking Bad": ZDF-Programmchef Norbert Himmler hatte 2014 in einem Interview die preisgekrönte US-Serie als Vergleich gewählt, um "Morgen höre ich auf" anzukündigen. Damit hat er den Machern des ZDF-Mehrteilers keinen Gefallen getan. Denn mit nichts schadet man einer ambitionierten Produktion mehr, als sie mit unhaltbaren Erwartungen zu überfrachten. Denn natürlich schaffen es weltweit nur ganz wenige Serien, dem Vergleich mit "Breaking Bad" standzuhalten.

Andererseits wären den meisten Zuschauern vermutlich auch ohne Himmlers unachtsamen herausposaunten Vergleich gewisse Parallelen aufgefallen. Denn in beiden Serien steht ein biederer Familienvater im Mittelpunkt, der mit dem Rücken zur Wand steht und sich in seiner Not nicht anders zu helfen weiß als mit einer kriminellen Handlung.

Bastian Pastewka als Geldfälscher

In "Morgen hör ich auf" ist es Jochen Lehmann (Bastian Pastewka), mit dem es das Schicksal gerade besonders schlecht meint. Die Druckerei, die er von seinem Schwiegervater geerbt hat, läuft nicht. Lehmann ist pleite und darüberhinaus hoch verschuldet. Seine Ehefrau Julia (Susanne Wolff) hat sich derweil einen Liebhaber genommen, und die drei Kinder machen sowieso nur Ärger.

So wie Walter White in der Not sein Wissen als Chemielehrer nutzt, um Drogen herzustellen, bedient sich nun Jochen Lehmann seiner Schlüsselqualifikation, um dem Ruin zu entkommen: Er stellt in seiner Druckerei 50-Euro-Blüten her. Und das offenbar so täuschend echt, dass kaum jemand den Unterschied bemerkt. Das geht so lange gut, bis der tapsige Drucker der Mafia in die Quere kommt.

Dass mit Bastian Pastewka ein Komiker die Hauptrolle übernommen hat, zeigt schon, dass "Morgen hör ich auf" bei weitem nicht so düster ist wie das vermeintliche US-Vorbild. Umgekehrt kann aber Pastewka beweisen, dass er weit mehr kann als Comedy. Insgesamt ist die Serie mit dieser Mischung aus Drama, Krimi und Komödie verdaulicher geraten als "Breaking Bad" und weit weniger abgründig. Bastian Pastewka traut man anders als Bryan Cranston auch keine kaltblütigen Morde zu. Sein Jochen Lehmann ist schon mit den Nerven am Ende, wenn sein Verfolger vom Auto überfahren wird.

Wer kein deutsches "Breaking Bad" erwartet, wird hier gut unterhalten. Denn die im hessischen Bad Nauheim angesiedelte Serie entschädigt mit vielen netten Details, einer Elvis-Hommage und Anspielungen auf andere Serien. In jedem Fall zeigt das ZDF mit Produktionen wie dieser, dass es dem Sender ernst ist mit der Modernisierung des Programms.


Das ZDF sendet die fünf Folgen der Mini-Serie immer samstags um 21.45 Uhr. Die erste Folge ist bereits gelaufen und findet sich in der ZDF-Mediathek.