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TV-Kritik

Wahlsendung bei ARD und ZDF: "Schlussrunde" vor der Bundestagswahl: Alles für die Binse

Statt in der "Schlussrunde" das eigene Wahlprogramm vorzustellen, nutzten die Politiker ihre Zeit lieber für eine Fehlersuche bei den Gegnern. Am Ende stand leider viel zu häufig ein banales Fazit.

Von Andrea Zschocher

Bald alle vereint im Bundestag?

Bald alle vereint im Bundestag? Alexander Gauland (AfD), Joachim Hermann (CSU), Christian Lindner (FDP), Ursula von der Leyen (CDU). Manuele Schwesig (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Sahra Wagenknecht (Linke) in der "Schlussrunde"

Die " " von ARD und ZDF sollte eigentlich noch einmal deutlich machen, wofür die sieben Parteien stehen, die am Sonntag aller Wahrscheinlichkeit nach in den neuen Bundestag gewählt werden. Statt einer Diskussion über echte Inhalte war es aber vor allem ein gegenseitiges Fingerzeigen. Es ging so ziemlich jedem kurz noch einmal darum zu sagen, wer von den anderen Parteien seine Wahlversprechen nicht eingelöst habe. Da der Vorwurf aber, mit Ausnahme der AfD, die schlicht und einfach noch nie im Bundestag vertreten war, auf alle anwesenden Parteien zutrifft, waren die Gespräche in aller erster Line eins: ermüdend. Schade, möchte man fast sagen, wieder Sendezeit verschenkt.

Denn eigentlich sind Politiksendungen wie eben diese, aber auch "Anne Will", "Maybritt Illner" oder "hart aber fair" ja dafür gemacht Menschen zu erreichen, sie in ihrer Wahl zu bestärken oder Entscheidungshilfe zu bieten. Und so blieb vor allem das übliche Geplauder über Binsen, dass die Wahl erst Sonntag entschieden werde zum Beispiel, und dass es noch eine große Anzahl an unentschlossenen Wählern gebe.

Schuldzuweisungen statt Zukunftsplanung

Sie alle, Ursula von der Leyen (CDU), Manuela Schwesig (SPD), Kathrin Göring- Eckardt (Bündnis 90/ die Grünen), Sahra Wagenknecht (die Linke), Christian Lindner (FDP), Joachim Hermann (CSU) und Alexander Gauland ( ) hätten ihre Chance also nutzen können, ihr Wahlprogramm vorzutragen, um für Stimmen zu werben.

Statt aber mit einzelnen Programmpunkten Unentschlossene zu überzeugen, war es den Anwesenden wichtiger, zu erklären, wer in den letzten 12 Jahren wann wo wie einen Fehler machte, eine falsche Entscheidung traf, eine eigentlich gute Idee blockierte oder schlicht gar nichts unternahm. Natürlich, auch das ist Wahlkampf. Aber vielleicht sollte man allen nochmal sagen: Nur weil man den Gegner schlecht macht, steht man selbst nicht unbedingt besser dar.


, die sich in der "Schlussrunde" selbstverständlich auch am Fingerzeig beteiligte, fasste das Ganze gleich auch noch kritisch zusammen. Es sei ein "Ritual, dass Parteien Dinge kritisieren", die sie selbst miterschaffen haben. Es sei schließlich Wahlkampf, "die Leute kennen das". Es werde viel versprochen und am Ende ändert sich nichts. Nun macht aber auch "die Linke" Wahlversprechen, an denen sie sich messen lassen wird. Um sich dann, wie von Wagenknecht prophezeit, im Zweifelsfall doch nicht mehr so richtig daran zu halten.

Wenig Inhalt bei der AfD

Anders da die AfD. Deren Spitzenkandidat Alexander Gauland machte keinen Hehl daraus, dass das inhaltlich doch einige Lücken hat. Fürs Thema Rente habe sich noch keine der zahlreichen Ideen durchgesetzt, Bildung sei wichtig, aber wichtiger sei es, dass im Geschichtsunterricht weniger über die NS-Zeit gesprochen wird.


Diese Ansicht korrigierte Gauland dann aber gleich wieder, denn weil er oft als "Nazi" beschimpft würde, wäre es vielleicht doch erstrebenswert mehr Unterricht mit NS-Bezug in den Lehrplan zu packen, um ihn von den Nationalsozialisten der Geschichte zu unterscheiden.

Von Christian Lindner auf konkrete Wahlinhalte angesprochen, blieb Gauland schmallippig. Den Kooperationsvertrag zwischen Bund und Ländern, ja, den könne man aufheben. Mehr hatte Gauland nicht zu sagen, es schien fast, als sei er froh, dass alle anderen der Redezeit hinterherhechelten und ihm nur allzu gern ins Wort fielen.

Stellenweise waren weder die Moderatorinnen Bettina Schausten und Tina Hassel zu verstehen, noch die Befragten, weil alle wild durcheinander sprachen. Sieht so debattieren in der heutigen Zeit wirklich aus?

Zu Beginn der Sendung erklärte Ursula von der Leyen, angesprochen auf die Buh-Rufe gegen Angela Merkel bei öffentlichen Auftritten: "Brüllen ist nie eine Möglichkeit. Weder auf dem Markt- oder Arbeitsplatz, noch in der Familie." Auch wenn sich die Politiker der Runde nicht anbrüllten, verständlich waren weite Teile der "Schlussrunde" auch nicht.

Nicht jede AfD- Meldung diskutieren

Der Zeigefinger auf die Themen der anderen, er landete mit zunehmender Dauer der Sendung immer mehr in Richtung Gauland. Da ist dann doch die Frage, ob sich das gemeinsame Abarbeiten an der AfD so geschickt ist von CDU/CSU, SPD, Grünen, Linken und FDP. Christian Lindner fiel dies irgendwann auch auf, weswegen er forderte, sich nicht mit jeder Aussage der AfD zu befassen. "Ich halte es für unangemessen, hier jede AfD-Meldung zu diskutieren, die Menschen können das selbst einordnen", bat er, um das Zitieren verschiedener AfD- Aussagen zu beenden.

Der Erfolg war mäßig, auch er selbst kehrte doch immer wieder zur AfD zurück. Allerdings ist ein Wahlkampfslogan der Liberalen in diesen letzten Wahltagen auch: "FDP statt AfD". Darauf angesprochen erklärte Alexander Gauland, dass es die AfD vielleicht gar nicht geben würde, wäre die FDP in den letzten Jahren eine stärkere Partei gewesen.

Am Sonntag wird gewählt und nicht wählen ist keine Option. Das betonte Manuela Schwesig mehrfach. Und auch wenn die "Schlussrunde" vielleicht nicht zur Wahlentscheidung beitragen konnte, gehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, bitte wählen.


Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo