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Interview

Finale der Serie: Sibel Kekilli über "Game of Thrones": "Die Serie hat einen Nerv getroffen"

Vier Staffeln lang wirkte sie als Geliebte von Tyrion Lannister in "Game of Thrones" mit. Im stern-Interview nimmt Schauspielerin Sibel Kekilli Abschied von der Serie.

Sibel Kekilli bei "Game of Thrones"

In der Serie "Game of Thrones" spielte Sibel Kekilli vier Staffeln lang Shae, die Geliebte Tyrion Lannisters.

Picture Alliance

Frau Kekilli, was ist Ihre allererste Erinnerung an "Game of Thrones"?

Die Showrunner Dan B. Weiss und David Benioff mussten mich erst mit einem sehr persönlichen Brief überzeugen, überhaupt in der Serie mitspielen zu wollen. Ich war einfach nicht sicher, ob die Rolle wirklich etwas für mich ist und vor allem, ob sie sich überhaupt weiter entwickeln würde. In der Rückschau ist das fast schon surreal, aber so gaben die beiden mir sofort das Gefühl, zur "Game of Thrones"-Familie zu gehören. Und nach dem ersten Drehtag haben sie mich gleich zum Thanksgiving mit ihren Familien eingeladen.

Und danach?

Als ich schon längst raus aus der Serie war, durfte ich das Team in Spanien am Set besuchen. Daraus haben wir uns dann einen Spaß gemacht. Ich habe mein altes Kostüm wieder angezogen und wir haben die Medien ein wenig an der Nase herumgeführt, dass ich als Shae wieder zurückkommen könnte. Ebenso durfte ich letztes Jahr bei der Abschlussparty in Belfast dabei sein oder gerade bei der letzten Premiere in New York. Da merkt man, dass man Teil von etwas ganz Besonderem gewesen ist. 

Was macht diese Serie so einzigartig - beispielsweise verglichen mit "Der Herr der Ringe" oder anderer Fantasy? 

"Der Herr der Ringe" war ja eine Film-Trilogie, in sich abgeschlossen. Und ich mag keine Vergleiche. Bei "Game of Thrones" konnte man anfangs überhaupt nicht abschätzen, ob das ganze funktionieren würde oder nicht und auch die Buchvorlage war noch nicht vollständig fertig. Die Serie war zur richtigen Zeit da und hat einen Nerv getroffen. Ungeschönte Gewalt, Intrigen, ein normaler Umgang mit Nacktheit, das Vorkommen von Außenseitern und gebrochenen Charakteren - eben keine Klischeerollen. Auch dass keine der Rollen, ob Haupt- oder Nebenrollen, sicher vor dem Serientod war, hat die Zuschauer in den Bann gezogen. 

Emilia Clarke kann die Frage inzwischen nicht mehr hören: "Sie spielen solch eine starke Person und doch müssen sie nackt auftreten und ihnen wird Gewalt angetan - wie geht das zusammen?" Was antworten Sie auf diese oft wiederkehrende Frage?

Für mich ist diese Frage sexistisch und jede Wiederholung überflüssig. Warum wird diese Frage nicht Kit Harington oder Alfie Allen gestellt? Nackt zu sein oder Opfer von Gewalt zu werden, heißt nicht automatisch, dass man schwach ist. Häufig sind es eben gewisse Umstände, in denen man gefangen scheint und gegen die man nicht so einfach ankommt. 

Wie genervt oder überrascht waren Sie von Ihrem frühen Serientod?

Weder noch. Ich war von der ersten Staffel an dabei, habe viel mehr zu spielen gehabt als die Figur in den Büchern und habe ja bis zur vierten Staffel "durchgehalten" und sogar noch einige andere überlebt. Ich wusste natürlich, dass meine Figur irgendwann sterben würde, deshalb war ich eher ein bisschen traurig und wehmütig, dass ich nach vier tollen Jahren nicht mehr mit so einem unglaublichen Team arbeiten konnte. Der Umgang untereinander war so respektvoll, herzlich und professionell. Das erlebt man leider nicht überall.

George R. R. Martin, der Schöpfer von "Game of Thrones", hat sich angeblich bei Ihnen entschuldigt.

Er hat mir gesagt, dass "meine Shae besser gewesen sei, als die in seinen Büchern". Und dass, wenn er mich vorher gekannt hätte, mich nicht getötet hätte. Das schönste Kompliment. Das hat mich sehr berührt.

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