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TV-Kritik "Günther Jauch" Machtfragen an Schicksalstagen


Bei Günter Jauch ringen drei Europäer und ein Amerikaner um eine Lösung der Ukraine-Krise. Und um die Frage, ob die EU sie auch ohne die USA wird bewältigen können.
Von Jan Zier

Ursprünglich hatte es ja um Griechenland gehen sollen, an diesem Abend; aber es gibt eine Krise, die ist noch dringender. Die in der Ukraine. "Schicksalstage in Europa - auf wen hört Putin noch?" also ist das Thema der Woche. Obwohl ja, sagt Günter Jauch, vielen gar nicht recht klar sei, "dass wir Krieg in Europa haben". Nur zwei Flugstunden von Berlin entfernt. Aber doch merkwürdig weit weg.

"Es könnte ein Krieg um die Ukraine werden", sagt Harald Kujat, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und frühere Chef des Nato-Militärausschusses – statt einer in der Ukraine. Und das wäre: "Eine Katastrophe". Doch schon hier beginnt der Dissens in der Runde. John Kornblum, der frühere US-Botschafter, ein Mann, der immer dann eingeladen wird, wenn Jauch über die amerikanische Außenpolitik reden will, Kornblum also will nichts von einem "Bürgerkrieg" wissen. Kornblum spricht von einem "Angriff aus Russland". Er redet von einer "internen Krise" in Russland. Und, wenn überhaupt: "dann sind wir nicht die, die den Krieg angefangen haben".

Immerhin will sich keiner in der Runde für Waffenlieferungen aussprechen. Doch auch über den Wert von Sanktionen gibt es sehr geteilte Auffassungen. Wann denn solche Sanktionen schon einmal was gebracht hätten, fragt Gabriele Krone-Schmalz, die vor 25 Jahren mal ARD-Korrespondentin in Moskau war und seither immer dann gefragt wird, wenn uns einer die Russen erklären soll. Ein eher rhetorische Frage, aus ihrer Warte. Mit Sanktionen komme man nicht weiter, sagt Kornblum. "Die Sanktionen haben schon gewirkt", sagt Martin Schulz, SPD, der Präsident des Europäischen Parlamentes. Oder war es eher der akute Ölpreisverfall? Unklar.

"Es geht auch ohne die USA"

Bleibt also die Frage nach der diplomatischen Lösung der Krise. Gerade waren Bundeskanzlerin Merkel und der französische Präsident Hollande in Kiew und Moskau, um Friedensverhandlungen aufzunehmen, kommende Woche soll es weitere Gespräche geben. "Ich verhandle bis zum Letzten", donnert Herr Schulz - "denn die Alternative ist ein Krieg mit Russland". Die Initiative von Merkel & Hollande sei "kein Zeichen von Stärke", sagt dagegen John Kornblum. Er macht den Eindruck, als finde er das derzeitige Bemühen der EU irgendwie ganz niedlich. Aber ganz ernst nimmt er es nicht. "Die Macht liegt in Washington", sagt Kornblum, und rückt die Verhältnisse wieder zu recht. Putin sei einer, der Stärke respektiere und nicht Nachgiebigkeit. Und die EU, die hält er für nachgiebig. Und so gehe es am Ende gar nicht ohne die USA.

Herr Schulz von der SPD reagiert trotzig. Mehr wie ein kleines Junge, dass seinem Vater beweisen will, dass er es jetzt schon selber kann; ohne seine Hilfe. "Es geht auch ohne die USA", also sagt Martin Schulz. Und: "Die USA sollen sich mal zurückhalten". Er ist schon ein bisschen stolz auf die EU. Weil: "Europa zieht das Krisenmanagement jetzt auf seine Seite". Aber wenn das scheitert, wird die Verantwortung in Europa liegen. "Es gibt keine militärische Lösung für den Westen", sagt Kujat. Für Russland gäbe es die schon. Und zwar innerhalb von 48 Stunden, sagt Kujat.

Russland, sagt Kornblum, will verhindern, dass die Ukraine vereint und pro-westlich orientiert ist. Und was will die EU? Den Krieg um die Ukraine verhindern. Doch die EU, sagt Kornblum, gehe "ohne eine klare Position" in die Verhandlungen. Die Frage, was genau sie Putin entgegen zu setzen hat, sie bleibt offen. Und die Frage, auf wen er noch hört, auch.


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