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Zurück zu.... Lück!: Zweite Auflage "Die Wochenshow"

Wenn Neues nicht hilft, dann greift der Mensch gern auf Altbewährtes zurück. Weil Pochers Late-Night-Show mit Pauken und Trompeten floppte, muss jetzt die gute alte "Wochenshow" wieder ran.

Als die Privatsender die Comedy für sich entdeckten, haben sie Maßstäbe gesetzt und Charaktere geschaffen. Michael "Bully" Herbig verdankt ProSieben seine Karriere, Hugo Egon Balder hat in Diensten von RTL die Lachmuskeln der Zuschauer strapaziert, Anke Engelke war unter den Fittichen von Sat.1 - auch Ingolf Lück gehört zur Bande derer, die im Privat-TV Karriere machte. Von 1996 bis 2002 präsentierte er 220 Mal für Sat.1 "Die Wochenshow". Dann war Schluss - jetzt aber haben "neun Jahre Schweigen", wie Lück sagt, ein Ende.

"Die Wochenshow" reiht sich ein in die Riege der TV-Formate, in die die TV-Sender wieder Leben einhauchen. Vielleicht weil ihnen nichts Neues einfällt? Oder neue Ideen scheitern? Wie zuletzt auf dem Sendeplatz am späten Freitagabend Oliver Pochers Late-Night-Show.

"Mäßige Quoten der Vorgängersendung steigern die guten Voraussetzungen für den Start einer neuen Show", orakelt der 53-jährige Lück, der am Freitagabend um 22.15 Uhr mit zunächst acht Ausgaben im wöchentlichen Sende-Rhythmus loslegt - Fortsetzung nicht ausgeschlossen, wenn die Quoten stimmen.

Lück, der wieder den Anchorman macht (der alte und wohl auch neue Slogan lautete: "Zurück zu Lück."), wird mit einer völlig neu formierten Mannschaft um sich herum das Wochengeschehen bissig kommentieren.

Keine Anke Engelke (das geflügelte Wort damals: "Danke, Anke"), kein Bastian Pastewka, keine Annette Frier und kein Markus Maria Profitlich säumen ihn, sondern Carolin Kebekus, Friederike Kemptner, Axel Stein, Dave Davis, Matthias Maschke und Matze Knop sitzen an seiner Seite, reißen ihre Possen und schlüpfen in die Rollen.

Mittwochs wird in der Regel aufgezeichnet, dann machen sich Skript-Schreiber an das aktuelle Geschehen und formen aus ihm Witze. Vergangene Woche hätte der Rücktritt von FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin von allen Ämtern wunderbar in die Comedy-Arithmetik gepasst. Als Blondine hätte sich Carolin Kebekus als Koch-Mehrin zurechtmachen müssen. "Und wäre die gerade als Frau Obama verkleidet gewesen, hätte ich mich zur Koch-Mehrin gemacht", witzelt Lück, der bei früheren "Wochenshows" immer mal gern den Thomas Gottschalk gegeben hat.

Weil im Herbst ja der Abschiedstrubel um Gottschalk und "Wetten, dass..?" beginnt, wird der ZDF-Showmaster seinem Imitator wieder viel Stoff bieten, vorausgesetzt "Die Wochenshow" wird in der zweiten Jahreshälfte fortgesetzt. "Am liebsten würde ich Gottschalk in seiner letzten Sendung ersetzen", sagt Lück. "Dass ich im nächsten Jahr "Wetten, dass..?" moderiere, steht fest in meiner Planung. Aber das weiß keiner, nicht mal Gottschalk und seine Familie." Also Lück ein Geheimtipp fürs ZDF? Vielleicht, denn sein Name wurde für die "Wetten, dass..?"-Moderation im Vorfeld noch nicht verbrannt.

Gegenwind bekommt der gebürtige Bielefelder (Ja: er ist Arminia-Fan - der Klub ist gerade in die dritte Liga abgestiegen) und Vater von zwei Kindern vom ZDF und von RTL: Das ZDF präsentiert mit Lücks altem Kollegen Oliver Welke die satirische "heute Show", die sich auch aktueller Stoffe bedient, RTL zeigt nach einer Doppelausgabe von "Wer wird Millionär?" ab 22.15 Uhr noch einmal Mario Barths Live-Show im Berliner Olympiastadion vor drei Jahren. "Ist mir recht", sagt Lück. "Lieber ein Vergleich mit Comedy als mit irgendeinem Actionfilm, der mir keinen Aufschluss über die Qualität meiner Sendung gibt."

Wenn alte Formate aufgewärmt werden, zeigt die Erfahrung, dass es mit der Quote in vielen Fällen nicht hinhaut. Lück: "Wenn die Quote schlecht sein sollte, bin ich der Erste, der bei Sat.1 anruft und sagt, wir sollten die Sendung einschläfern." Bevor das aber passiert, bekommen Lück und sein Team genug Raum für bitterbösen Humor. In der ersten Ausgabe erklärt Boxer Wladimir Klitschko, warum er sich von seiner Freundin Hayden getrennt hat, und Dieter Bohlen sucht "The next Osama bin Laden".

Carsten Rave/DPA / DPA