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Prominente Umweltschützer Welche Stars wirklich anpacken - und wer bloß redet


Für den Umweltschutz zu sein, macht sich prima in der öffentlichen Wirkung, ganz besonders am Earth Day. Doch nicht jeder Promi, der sich als Aktivist präsentiert, krempelt auch aktiv die Ärmel hoch.
Von Andreas Renner, Los Angeles

Tue Gutes und rede darüber. Dieser Weisheit hat sich selbst die öffentlichkeitsscheueste Hollywood-Prominenz immer dann verschrieben, wenn man den Bekanntheitsgrad gezielt nutzt, um für eigene politische oder gesellschaftliche Guttaten zu werben. Der internationale "Earth Day", der seit 1970 auf Initiative des 2012 verstorbenen Friedensaktivisten John McConnell jeweils am 22. April im Kalender geführt wird, ist einer dieser Anlässe, an dem Stars und Sternchen wieder verstärkt ihr humanitäres Engagement und ihre vermeintlichen Verdienste für den Umweltschutz in die Öffentlichkeit tragen. Doch nicht jeder Hollywood-Promi verdient tatsächlich unseren Respekt.

Es gibt gravierende Unterschiede zwischen jenen, die an Tagen wie dem "Earth Day" gezielt den schnellen PR-Kick suchen und wie Paris Hilton stolz berichten, dass sie einen umweltfreundlichen Hybrid fahren, auch wenn der eigentlich hässlich sei. Und wenn Nicole Richie erklärt, ihre Familie würde sich im Sinne des Umweltschutzes ausschließlich organisch ernähren, dann fällt es einem schon schwer, soviel "selbstlosen" Einsatz tatsächlich zu würdigen.

Kurzer Auftritt versus langjähriges Engagement

Dass Jessica Alba mit ihrer "Honest Company" giftfreie Windeln und Kinderbettchen aus nachhaltigen Baumbeständen fertigt ist löblich. Allerdings ist nicht bekannt, dass das mittlerweile milliardenschwere Unternehmen einen guten Teil der fetten Gewinne auch in den Umweltschutz investieren würde. Klar ist es auch unterstützenswert, wenn Sängerin Pink Fastfood-Ketten wie KFC auffordert, die Hühner, die letztlich in deren Fritteusen landen, artgerecht zu halten. Ebenso wie eine Initiative von Selena Gomez, die einen besseren Schutz der Frösche fordert. Doch richtig verbiegen müssen sich die Stars für derartige Kampagnen nicht. Es kostet sie lediglich einige Minuten Zeit, um ein Statement abzugeben oder einen Videotext einzusprechen.

Für einen aktiven Umweltschutz bedarf da schon etwas mehr Einsatz. Wie das geht, leben Promis wie Leonardo DiCaprio eindrucksvoll vor. Seit Jahren ist der Schauspieler einer der Vorreiter in Sachen Umweltschutz und gesellschaftspolitischem Engagement. "Es muss endlich in die Köpfe der Menschen: Der Klimawandel ist real und bedroht unseren Planten massiv", sagt DiCaprio. Als unermüdlicher Kämpfer für Umweltbelange ist DiCaprio mit seiner Stiftung gleich an mehreren Fronten aktiv. Er will die letzten Naturreservate der Erde, Regenwälder und Ozeane schützen und setzt sich zugleich ein für erneuerbare Energien und sauberes Trinkwasser für Menschen in Afrika.

Leonardo DiCaprio spendet mehrere Millionen

Er sitzt in den Ausschüssen des "World Wildlife Fund" (WWF), des "Natural Resources Defense Council" (NRDC), bei "Global Green USA" und dem "International Fund for Animal Welfare" (IFAW). Mit seinem Dokumentarfilm "The 11th Hour" über den Zustand von Mutter Erde sorgte er für Aufsehen - und für konkrete Lösungsansätze bei diversen Umweltproblemen. Mehrere Millionen Dollar hat DiCaprio bereits aus seiner prall gefüllten Privatschatulle gespendet für Umweltaktivitäten. Zuletzt überwies seine Stiftung satte drei Millionen Dollar an den WWF mit der Vorgabe, Nepal bei der Initiative zu helfen, die Zahl der vom Aussterben bedrohten wildlebenden Tiger bis 2022 zu verdoppeln.

Brad Pitt gab seinem Hobby Architektur eine tiefere Bedeutung, indem er mit seiner Stiftung "Make It Right" nach dem Hurrikan Katrina 150 Häuser im zerstörten New Orleans baute - nach ökologischen und ökonomischen Maßstäben. Seither engagiert sich Pitt verstärkt auch auf politischer Ebene, um Anstöße für ökologische Normen beim Hausbau in ganz Amerika zur Diskussion zu bringen. Häuser baut Pitt derweil auch weiterhin, derzeit packt er selbst mit an beim Bau von 20 von ihm mit gestalteten Unterkünften in Montana für Familien mit niedrigen Einkommen.

Das brasilianische Supermodel Gisele Bündchen hat nach ihrem Rückzug vom Laufsteg künftig noch mehr Kapazitäten für ihre Umweltschutz-Bemühungen. Bei der Produktion ihrer Flip-Flop-Kollektion "Ipanema" verzichtet sie auf Gummi aus dem brasilianischen Regenwald und versichert, 99 Prozent ihrer Fabrikabfälle würden recycelt. Bündchen nutzt zudem einen Großteil der Gewinne aus der Sandalenproduktion, immerhin mehr als 250 Millionen Modelle wurden bislang bereits verkauft, um damit Konservierungs-Kampagnen für den Erhalt des Regenwaldes in Brasilien zu finanzieren. Die 34-Jährige ist zudem Umweltschutzbeauftragte der Vereinten Nationen.

Schauspielerin Daryl Hannah machte zuletzt mehr als Umweltaktivistin denn als Hauptdarstellerin in Filmen von sich reden. Bereits dreimal wurde Hannah verhaftet, weil sie für den Umweltschutz protestierte. Zuletzt kettete sie sich an den Zaun des Weißen Hauses, um so gegen eine Ölpipeline zu demonstrieren. Wenn sie sich nicht gerade irgendwo ankettet, produziert Hannah einen wöchentlichen Video-Blog über ökologischen Lebensstil und verwaltet ein Online-Geschäft, das ökologisch unbedenkliche Produkte verkauft.

Der hawaiianische Sänger Jack Johnson zählt ebenfalls zu den Stars, die nicht nur vom Umweltschutz reden, sondern auch aktiv etwas tun. Johnson initiierte die Kampagne "All At Once Campaign" als soziales Netzwerk, in dem sich Menschen aus der ganzen Welt austauschen, gemeinsame Projekte planen und unterstützen können. Johnson ist zudem Mitglied zahlreicher Organisationen wie "Waterkeeper Alliance", "Heal the Ocean", "Live Earth" oder "Climate Counts".

Vorreiter ist Schauspieler Robert Redford

Wenn Ian Somerhalder sich in seiner Serie "Vampire Diaries" nicht als Vampir durchbeißt, engagiert er sich mit seiner Stiftung für den Umweltschutz. "Es ist mir ein sehr wichtiges Anliegen, mich um den Schutz und den Erhalt unserer Natur zu kümmern. Und zwar um alles, was lebt! Menschen, Tiere, Pflanzen. Wir leben alle gemeinsam auf diesem Planeten und sind als Organismen miteinander verbunden und auch aufeinander angewiesen. Darum ist es sehr wichtig, dass ein Gleichgewicht herrscht zwischen allen Elementen", sagt Somerhalder über sein Wirken.

Ein Umweltaktivist der ersten Stunde ist Alt-Star Robert Redford. Der Oscar-Preisträger und Gründer des Sundance-Filmfestivals kaufte bereits 1969 ein 2000 Hektar großes Tal namens North Fork Canyon unterhalb des Mount Timpanogos in Utah, um es vor der Bebauung zu bewahren. Stattdessen schuf Redford mit seinem Sundance-Resort eine Einrichtung, die Natur, Kunst und Gemeinschaft im gesunden Einklang verbinden will. Er gründete zudem einen TV-Kanal namens "The Green", der Themen von Solar bis Naturschutz sendet.


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