VG-Wort Pixel

Anhörung in New York Kautionsantrag abgelehnt: Ghislaine Maxwell bleibt in Haft – Prozess startet 2021

Ghislaine Maxwell
Ghislaine Maxwell im Oktober 2016 bei einem Event in New York
© Sylvain Gaboury/Patrick McMullan / Getty Images
Ghislaine Maxwell muss bis zum Beginn ihres Prozesses in Haft bleiben. Ein Gericht in New York lehnte den Kautionsantrag der 58-Jährigen ab. Jegliche Beihilfe zu den kriminellen Machenschaften von Jeffrey Epstein hat Maxwell abgestritten.

Ghislaine Maxwell, frühere Vertraute des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, muss bis zu Beginn ihres Prozesses in einem Jahr in Untersuchungshaft bleiben. Die New Yorker Richterin Alison Nathan lehnte am Dienstag einen Antrag der 58-Jährigen auf Freilassung gegen Kaution ab. Den Prozessbeginn legte Nathan auf den 12. Juli 2021 fest. Zuvor hatte Maxwell bei der Gerichtsanhörung per Videokonferenz die Vorwürfe gegen sie zurückgewiesen und auf nicht schuldig plädiert.

Maxwell trug bei der Anhörung ein dunkles T-Shirt und zeigte nur sehr wenige Reaktionen. Auch zwei Frauen, die ihr Beihilfe bei Epsteins Machenschaften vorwerfen, meldeten sich zu Wort. Eine las ihre Wortmeldung selbst vor, die zweite wurde von der Staatsanwaltschaft vorgetragen. Beide Frauen baten darum, Maxwell vor Prozessbeginn nicht auf Kaution freizulassen.

Maxwells Anwälte boten fünf Millionen Dollar Kaution an, damit die mutmaßliche Epstein-Komplizin vorläufig auf freien Fuß kommt. Die Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell war demnach auch bereit, ihre Reisepässe abzugeben und eine Fußfessel zu tragen. Ihre Anwälte argumentierten zudem, dass für die 58-Jährige wegen der Coronavirus-Pandemie in einem Gefängnis ein "ernsthaftes" Gesundheitsrisiko bestehe.

Staatsanwälte sehen extreme Fluchtgefahr bei Maxwell

Die Bundesanwaltschaft von Manhattan sprach sich gegen eine Freilassung Maxwells gegen Kaution aus und begründete dies mit einer "extremen" Fluchtgefahr. Die gut vernetzte Geschäftsfrau sei wohlhabend und habe Reisepässe aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Als besonders problematisch sehen die Ermittler Maxwells französische Staatsbürgerschaft an, weil Frankreich seine Staatsangehörigen nicht ausliefert.

Die Staatsanwaltschaft hob zudem erneut hervor, dass Maxwell sich bei ihrer Festnahme Anordnungen der Bundespolizei FBI widersetzt habe. Die Beamten hätten deswegen die Eingangstür zu ihrem Haus im Bundesstaat New Hampshire gewaltsam öffnen müssen. "Sie hat nicht das Vertrauen des Gerichts verdient", sagte Staatsanwältin Alison Moe bei der Anhörung.

Maxwell war Anfang Juli in Bradford im Ostküstenstaat New Hampshire festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft in Manhattan wirft ihr vor, minderjährige Mädchen für Epstein rekrutiert zu haben, die von dem Investmentbanker dann sexuell missbraucht wurden.

Ghislaine Maxwell in sechs Punkten angeklagt

Maxwell soll an dem Missbrauch teilweise auch selbst beteiligt gewesen sein. Das jüngste Opfer war laut Staatsanwaltschaft 14 Jahre alt. Die Vorwürfe beziehen sich auf drei mutmaßliche Opfer und den Zeitraum zwischen 1994 und 1997.

Gegen Maxwell wurden insgesamt sechs Anklagepunkte erhoben, darunter Transport Minderjähriger für eine "kriminelle sexuelle Handlung" sowie Meineid in zwei Fällen. Bei einer Verurteilung drohen ihr bis zu 35 Jahre Haft. Sie sitzt derzeit in New York in Untersuchungshaft.

Maxwells Festnahme war eine spektakuläre Entwicklung im Fall Epstein. Der Multimillionär soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Der bestens vernetzte Investmentbanker wurde im Juli 2019 festgenommen und im August tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan gefunden. Nach Angaben des US-Justizministeriums nahm der 66-Jährige sich das Leben.

Epstein war bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt und seitdem als Sexualverbrecher geführt worden. Der Fall sorgt auch nach Epsteins Tod für Schlagzeilen. Im Fokus der Ermittler steht unter anderem der britische Prinz Andrew. Dem einst mit Maxwell und Epstein befreundeten Royal wird vorgeworfen, 2001 Sex mit einer damals 17-Jährigen gehabt zu haben. Prinz Andrew bestreitet die Vorwürfe.

jum AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker