HOME

Golden Globes: Hollywoods "dirty little secret"

In der Nacht zu Montag werden in Los Angeles zum 71. Mal die "Golden Globes" verliehen. Es ist die erste wichtige Preisverleihung im neuen Jahr - und gilt doch noch immer als eine Farce.

Von Frank Siering, Los Angeles

Alle Jahre wieder finden die beliebten Golden Globes in Los Angeles statt. Beliebt vor allem deshalb, weil die Stars und Sternchen nicht wie bei den Oscars steif und spritlos im Saal ausharren müssen, sondern fleißig Alkohol in Hülle und Fülle genießen dürfen. "Die beste Party in der Stadt, keine Frage", fasste ein leicht beduselter George Clooney im vergangenen Jahr die Veranstaltung zusammen.

Am Sonntag also ist es wieder soweit. Das Beverly Hilton Hotel in Los Angeles ist gebucht, die Champagner-Flaschen sind kalt gestellt und die "Nominierten" schon in heller Aufregung. Tom Hanks (für Captain Phillips) ist dabei, Cate Blanchett (Blue Jasmine) und Sandra Bullock (Gravity) ebenso. Matthew McConaughey (Dallas Buyers Club), Leonardo DiCaprio (Wolf of Wall Street) und auch Julia Roberts (August: Osage County) freuen sich über ihre Nominierungen.

Diverse kleine Skandale

Doch wie kommen die Stars eigentlich zu diesen Nominierungen? Was ist das genaue Prozedere? Verantwortlich für die Golden Globes zeichnet die sogenannte "Hollywood Foreign Press Association" (HFPA), eine umstrittene Organisation von ausländischen "Teilzeit-Journalisten", rund 90 an der Zahl, die meisten davon längst im Seniorenalter. In der Vergangenheit war die oftmals als "Renterband" bezeichnete Gruppe immer mal wieder durch diverse kleine Skandale ins Rampenlicht geraten.

Dokumentarfilmer Vikram Jayanti bezeichnete die Mitglieder der Organisation in seinem Film "The Golden Globes: Hollywood’s Dirty Little Secret" als "Schmarotzer", die Gewinner nur auf der Basis selektieren würden, wer "am besten den Hintern küssen kann".

Der ehemalige HFPA-PR-Manager Michael Russell arbeitete 17 Jahre lang für die HFPA, bevor er in einer Klage behauptete, die Mitglieder der Hollywood Foreign Press hätten über Jahre Bestechungen angenommen, auf Kosten diverser Filmstudios kostenlos Urlaub gemacht, um dann im Gegenzug die Stars der spendablen Studios mit einem Golden Globe zu belohnen.

Ausgezeichnet trotz schlechter Kritiken

Qualität würde dabei oftmals keine große Rolle spielen, behauptete Russell. Und einige Fakten sprechen tatsächlich für eine solche Vermutung. Filme wie "Burlesque" (mit Cher) oder auch "The Tourist" (mit Johnny Depp und Angelina Jolie) wurden in der Vergangenheit nicht nur von den Kritikern verrissen wie schlecht gewordene Buttermilch, sondern erwiesen sich auch an der Kinokasse als absolutes Kassengift.

Für die HFPA, deren Mitglieder zu einem Konzert mit Cher samt Flug und Hotel und Luxus-Dinner nach Las Vegas eingeflogen wurden, dennoch einer der Spitzenfilme in 2010. Russell und die HFPA einigten sich 2013 außergerichtlich. Details des Deals wurden nicht preisgegeben.

An diesem Sonntag nun dürfen die sich die HFPA-Mitglieder erneut im warmen Rampenlicht der ihn wohlgesonnenen alten Bekannten sonnen. Ob nun Julia Roberts, DiCaprio, Meryl Streep oder auch Tom Hanks, sie alle werden gut gelaunt am Tisch mit den Golden Globe-Rentnern herumwitzeln, ein Glas Sekt trinken und sich artig bei der Organisation bedanken.

The Show must go on

Denn das gehört in der sogenannten "Award-Saison" einfach dazu in Hollywood. Jeder Auftritt auf einer Bühne, jedes Lachen in eine laufende Kamera kann einem neuen Engagement gleichkommen.

Was spielt es da schon eine Rolle, ob sich - wie bei den Globes - nun 90 Teilzeit-Journalisten in fortgeschrittenem Alter oder - wie bei den Oscars - eine weltweit anerkannte Akademie mit mehr als 6000 erfahrenen Branchenkennern ein Urteil erlauben. Getreu dem Motto: The Show must go on!