Heidi Klum Frau Klum und ihre Klüm(p)chen


Heidi ist ganz oben. Mit preußischer Disziplin, kalifornischem Siegerlächeln und einem geschäftstüchtigen Vater hat sich das Model zur Marke hochgearbeitet. Jetzt hat sie im Fernsehen eine neue Rolle - als Mutter aller Models.

Hielte Jobst Benthues, 36, Köln nicht für Deutschlands tollste Stadt, dann wäre es wahrscheinlich Essig mit Heidi, bevor die Show überhaupt angefangen hätte. Weil der Unterhaltungschef des Münchner Senders Pro Sieben aber weiß, dass der Rheinländer im Allgemeinen und der Kölner im Speziellen zu Stimmungen, Egozentrik und zum Provinziellen neigt, hat er auf den Streit mit Heidi Klums Vater nicht allzu viel gegeben. "Das wird doch alles nix", habe Klum am Telefon genervt gewettert. Und er, so Benthues, habe beherzt zurückgewettert.

Wie so oft ging es um eine Kleinigkeit, die Günther Klum, dem 60-jährigen Geschäftsführer der Heidi Klum GmbH, nicht gefallen hatte, irgendein Honorar, einen Dreh in New York oder sonst wo, irgendeine Formulierung in der Presseerklärung. Er habe so was schon des Öfteren gemacht, beruhigte Benthues den Papa des Topmodels schließlich. Alles werde gut. Immerhin war eine der "hochwertigsten Produktionen", die der Münchner Sender je gemacht hatte, fast fertig. Die Serie "Germany's Next Topmodel by Heidi Klum" rollte langsam an den Start, auf sechs Stellen geschätzte Gagen pro Folge standen Schlange vor Heidis Firmenkonto, und da passte es überhaupt nicht, dass Klum mit irgendeinem Pipifax die Parade gefährdete. Doch genauso schnell, wie der frühere Produktionsleiter der Kölnisch-Wasser-Firma Mülhens ins Brodeln geraten kann, kühlt er wieder ab. So ist der Rheinländer nun mal - gerade noch Aschekreuz, schon fängt er wieder die Kamelle.

Jetzt sind die Heidi Klum GmbH und die im August 2005 gegründete Heidi Klum Verwaltungs-GmbH mit dem Sender Pro Sieben wieder so harmonisch wie die Karnevalsmajore der Roten Funken beim Stippeföttchetanz. Denn letzten Endes, so Benthues, "ist das ja eine Win-win-Situation für beide". Bes- ser gesagt, für alle drei: für den Sender, für die "Executive Producerin" Heidi Klum und für deren Papa. Eines näm- lich muss man dem Mann, den manche eine "Bergische Eislaufmutter mit Bart" nennen, wirklich lassen: Als Vater und Chef eines wirklich sehr kleinen Fa- milienbetriebs ist dieser stets grimmig guckende Rheinländer Gold wert. Es heißt, dass seine schöne Tochter dies sehr zu schätzen weiß. "Ich schätze Herrn Klum als geradlinigen Geschäftspartner", sagt Benthues, "und wie so oft im Leben gilt auch hier: Reibung erzeugt Wärme."

Als vor 14 Jahren der ganze Model-Rummel um sein Kind losging, ließ Klum die feinen Anwälte der Kanzleifirma des Grafen von Westphalen Verträge prüfen und aushecken und eine GmbH unter der Handelsregisternummer 4516 beim Amtsgericht Bergisch Gladbach eintragen. Stammkapital: 50 000 Deutsche Mark.

Als Firmensitze fungieren

bis heute ein schlichtes, weißes Eckhaus und eine noch schlichtere, grau verklinkerte Doppelhaushälfte in Bergisch Gladbach. Die Gesellschaft setzte sich zum Ziel, Kosmetik und Modeartikel herzustellen und zu vertreiben, Schmuck und Accessoires, Schuhe, Gürtel, Porzellan und Glaswaren, Möbel und Inneneinrichtungsprodukte, einschließlich Tapeten und Innendekor. Außerdem behielt sich die Heidi Klum GmbH vor, Bücher, Kalender und Bildbände herzustellen und zu vertreiben sowie "Dienstleistungen im Bereich des Marketing und Merchandising, Organisation und Durchführung von Werbeveranstaltungen und Events, Betrieb einer Künstler- und Modelagentur und aller damit im Zusammenhang stehenden Dienstleistungen für Dritte" zu erbringen. Der Betrieb von "gastronomischen Einrichtungen aller Art" sollte auch nicht ausgeschlossen sein. Man muss wissen: Im Wohnort der Klums, dem drei Kilometer von Bergisch Gladbach entfernten Odenthal-Voiswinkel, gibt es bislang nur einen einzigen Italiener unten an der Hauptstraße, und der ist so lala, wenn man ehrlich isst.

Es war schon damals, als Heidi noch eine heißhungrige Anfängerin war und um jeden Auftrag, jeden Auftritt kämpfen musste, an alles gedacht. Als der Hamburger Werbefotograf Hans H. Wulff, 66, sie in einer zum Studio umgerüsteten Garage auf dem Gelände des Otto-Versands in Leggings und Motivdruck-Blüschen für Ottos Discounter Bon Prix fotografierte, schien Heidis Karriere zumindest in den Köpfen der Klums bereits so rauschend und mächtig wie der Nil kurz vor Kairo. Oder wenigstens wie der Rhein bei Köln-Deutz.

Nun ja, man hätte vielleicht noch an die Gründung einer Frisiersalonkette denken können für Mutter Erna, 62. Die hatte als Friseurin gearbeitet, bevor der Ruhm kam. Und vielleicht hätte sich auch noch etwas für Heidis Halbbruder Michael im Model-Management finden lassen, aber der steht ungern im Rampenlicht und fährt, wie der Kölner "Express" regelmäßig meldet, lieber seinen Linienbus durch Bergisch Gladbach. Man kann nicht an alles denken.

Hans Wulff jedoch, der mit Heidi Klum eines der ersten Modeshootings ihrer Karriere machte, erinnert sich noch immer wehmütig an das Mädchen zurück, das Heidi war, bevor es in die Hände amerikanischer Fitnesstrainer geriet: "Die war so sexy, so weiblich und natürlich: ein echtes Talent am Set." Heute sei sie ihm irgendwie zu trainiert, zu angespannt, sagt er, und streicht liebevoll über ein Foto, das er einst von ihr machte - für einen Billigversender aus Buchholz in der Nordheide.

Von Bon Prix zu "Vogue".

Von der Alt-Paffrather Karnevalsgesellschaft zum kalifornischen Late-Night-Talkmaster Jay Leno. Von Schäbbich Gläbbich, wie die Kölner ihre Nachbarstadt Bergisch Gladbach nennen, nach Bel Air. Das Mädchen hat einen internationalen Aufstieg hingelegt, an dem es nichts zu meckern und kaum etwas zu verbessern gibt. Heidi Klum ist die Allesrichtigmacherin im Beauty-Business. Das schöne Mädchen von Seite eins ist das kalifornisierte Erfolgs-Modell Deutschlands schlechthin. Immer guter Laune, immer pünktlich. Man mag es Magie des Marktes nennen oder Abba-Prinzip. "A big thing or a small", heißt es bei Abba, "The winner takes it all."

Es spricht für die greisen Herren der Fifa, dass auch sie das erkannt hatten. Zur WM-Endauslosungsgala in Leipzig orderte der Weltfußball-Verband deshalb das Bergische Topmodel. Man wollte sich bei der Moderation nicht allein auf die Einfühlsamkeit des Reinhold Beckmann verlassen, sondern auch auf Heidis Dekolleté. Dass die an jenem Abend dann ein geradezu geschäftsschädigendes Kleid von Roberto Cavalli trug, in dem sie aussah, als gäbe es problematische Zonen an ihrem Body; dass sie all ihre Robustheit und ihr gusseisernstes Cheerleader-Lächeln aufwenden musste gegen Bundespräsident Köhlers Mangel an Charme und Beckenbauers zum Boden gesprochene Gstanzln, all das tat der Sache keinen Abbruch.

300 Millionen Menschen haben Deutschlands preiswürdiges Aushängeschild in jener Dezembernacht gesehen. Mindestens. Zwischen fünfzig- und hunderttausend Euro soll der Westdeutsche Rundfunk für Heidis Moderation gezahlt haben, munkeln Eingeweihte, während Günther Klum Frager belehrt: "Über Summen redet auch kein anderes Topmodel." PR-Experten finden: Für diesen Auftritt zwischen Pelé und Franz hätte eigentlich die Klum-Company bezahlen müssen. Die Augen der ganzen Welt auf Heidi, mehr Publicity geht gar nicht.

Sie glaube, dass sie täglich mehr Entscheidungen zu treffen habe als ein Bundeskanzler, hat Heidi Klum neulich einem Männermagazin anvertraut. Gut, es sind vielleicht nicht jedes Mal Entscheidungen über Krieg und Frieden, aber immerhin über Erfolg und Misserfolg. So gesehen, ist die Entscheidung für Leipzig womöglich eine ihrer weisesten gewesen. "Sie hat ein tolles feeling für das Business", sagt ihre Agentin.

Und obwohl sie bereits im Zenit ihres Leckerli-Appeals steht und weiß, dass die Naturgewalten jeden Mädchenkörper, jedes Lächeln irgendwann herunterziehen, haben Experten der Werbeagentur BBDO nach einem komplizierten Schlüssel errechnet, dass die Marke Klum noch lange nicht ausgereizt ist. Hinter der Tschechin Karolina Kurkova, 21, und der gleichaltrigen Münchnerin Julia Stegner liegt die Neudreißigerin Klum mit geschätztem Marktwert von 28,3 Millionen Euro auf Platz drei der wertvollsten Model-Marken. Claudia Schiffer, übrigens, liegt mit schlappen 7,6 Millionen auf Platz elf. Und die ist nur drei Jahre älter, nämlich 35. "Das liegt eben daran, dass Heidi Klum ihre Marke perfekt pflegt", sagt Udo Klein-Bölting.

Als Chief Executive Officer bei BBDO an der Düsseldorfer Königsallee hat der 43-Jährige einen Blick für so etwas ent- wickelt. Klum kann in Deutschland gleichzeitig für McDonald's werben und in New York für unpraktische Unterwäsche mit Swarovski-Steinen und Glühbirnen drauf. Für Süßigkeiten vom Niederrhein und Gesundheitsschuhe aus dem Westerwald. Für Kosmetik und Kreditkarten.

Heidi ist der Traum des Mädchens von nebenan. Sie ist das Model mit der formbaren Persönlichkeit, das freundliche Gesicht, das einfach alles verkauft kriegt. Eben noch soll der Hamburger Bauer Verlag einen hohen sechsstelligen Dollarbetrag auf den Tisch gelegt haben, um Heidi und ihre junge Familie fotografieren und auf den Titel eines neu gegründeten Boulevardblattes bringen zu dürfen.

Der geschickte Mix aus millionenhaltigen Werbeverträgen mit McDonald's etwa und Victoria's Secret, Abschlüsse mit Otto, Douglas und Pro Sieben und der "airtime, die jede Marke braucht, also mit der Zeit auf dem Sender, mit den Abdrucken auf Titelblättern zwischen München und Malibu", so Klein-Bötting, "dieser Mix war ideal". Dass sie auch noch den schwarzen Schmusesänger Seal heiratete, finden Werber absolut genial. Wie Iman und David Bowie, black and white, die perfekte Kombination.

Seit der 42-jährige Sänger Sealhenry Samuel als Schwiegersohn bei Klum & Klum untergekrochen ist, sieht es aus, als flutsche auch dessen Karriere geschmeidiger denn je. Titelbilder, ein neues Album, Bambi-Verleihung. In New York durfte er im November seine Frau ansingen, als die für die berühmteste Unterwäschefirma der Welt über den Laufsteg schritt. Und in der zweiten Folge von Heidi-sucht-das-Supermodel hatte der Brite mit dem Narbengesicht ebenfalls seinen Auftritt: Er besuchte seine Frau bei der Arbeit.

Im Frühjahr werden Birkenstock-Sandalen auf den Markt kommen, designed by Heidi Klum. Sie macht das schon seit Jahren; Strass, Nieten, Zebrafell. Doch diesmal hat sie die Birkenstocks mit Songtexten ihres Ehemannes beschrieben. So süß! Ganz sanft liegt der Seal-Song "Love's Divine" nun fein dosiert unter den Fernsehbildern der Heidi- Casting-Show. Als Thomas Gottschalk im Sommer 2005 Seals Auftritt bei der Einweihung der Allianz-Arena in München abkündigte, frotzelte er folgerichtig: "Ein Hauch von Bergisch Gladbach wehte durch die Champions-League-Arena." Das ist noch nicht ganz das, was man "Cross-Promotion" nennt. Aber es geht in die Richtung.

Die fröhliche Heidi quatschte den künftigen Verlobten vor einem Jahr bereits in eine rote Karnevalsuniform mit weißer Perücke und Dreispitz und fuhr mit ihm am Rosenmontag auf dem Wagen des Traditionscorps Rote Funken durch die Kölner Altstadt. Anschließend gingen Seals Fotos - wegen Heidi - um die Welt. Kurz vor dem Anrollen des Zuges habe die Firma Klum mit einem kleinen Vertrag noch schnell dafür sorgen lassen, dass auch sie selbst, und nicht bloß der WDR, mit den schönen Bildern ins Netz darf, erzählt Funken-Präsident Heinz-Günther Hunold, "das sind dann so Momente, da kriegen Sie echte weiße Haare". Weil aber die Bilder von Heidi, Seal und den Jecken "es sogar in die Vatikanzeitung geschafft haben", hofft Heidi-Fan Hunold bis zum Schluss darauf, dass das schöne Paar in diesem Jahr wieder hoch auf dem Wagen mitfährt - unentgeltlich natürlich.

Dass Heidi Klum schön und charmant ist, dass sie herzlich, fleißig, tüchtig ist: in Ordnung. Dass sie gute Agentinnen in Hamburg, New York, Mailand hat: prima. Dass Anwälte auf Geheiß des Papas all around the world über Verträge und Rechte der Marke Klum wachen: geschenkt. Dass der Vater viele TV-Schnipsel bei "Brisant" und "Exclusiv" höchstpersönlich überwacht, dass er sogar noch am Weihnachtstag das World WideWeb auf Verdächtiges checkt (und prompt einen abmahnungsfähigen Tagebuchschreiber findet). Nein, all das ist nichts gegen den wirklichen, den alles andere in den Senkel stellenden Grund, den Werbeexperte Udo Klein-Bölting als Super Plus für Heidi Klums Karrieremotor ausgemacht hat. Ist nichts gegen Flavio Briatore.

Der italienische Formel-1-Manager des Weltmeister-Rennstalls Renault war für Heidi Klums Karriere in etwa das, was heute Pete Doherty von der Band Babyshambles für das britische Mega-Model Kate Moss ist - nur ohne Entzugsklinik natürlich, ohne Razzia und Schmuddelfotos. "Flavio Briatore war der absolute Turbo", schwärmt der BBDO-Mann, "ohne ihn wäre Heidi nie so weit gekommen. Sie muss ihm dankbar sein."

Es war schon eine dolle Sache,

wie auf einmal die Paparazzi vor dem Wohnhaus der Familie auf der Lauer lagen, um den Stallmeister Briatore zu knipsen, bevor der zu den Schwiegereltern in spe unter den Weihnachtsbaum huschte. Der 55 Jahre alte Frauenfreund hatte zu jenem Zeitpunkt bereits mit dem Klum-Clan Ferien im Privat-Club gemacht. Er hatte Günthers Geburtstag im Garten gefeiert, mit Kölsch-Bier und Schunkelei. Und einmal hatte er seine Freundin sogar zu einem Werbekunden begleitet. Bis heute erinnern sich die Geschäftsführer von Katjes in Emmerich am Niederrhein mit großer Freude daran.

Es war nämlich so, dass Heidi in einem Interview erzählt hatte, ihre Mutter schicke ihr immer Lakritz nach New York. Gegen das Heimweh. Da hat der clevere Pressemann der Bonbonfirma umgehend eine Pressemitteilung lanciert: "Auch Heidi Klum isst..." und so weiter. Nur wenige Stunden darauf rasselte er mit Meister Klum aneinander. So geht das aber nicht, Sie! Das kostet, wenn Sie hier mit meiner Tochter werben! Und andernfalls Prozess am Hals. Da hat Katjes zugegriffen. Und Heidi Klum hatte im Jahr 2001 den ersten Werbepartner in Deutschland. Seither stecken sich Frauen Joghurt-Gums als Abstandhalter zwischen die Zehen, wenn sie sich die Fußnägel lackieren, Katjes, yes, yes, yes...

Im September 2002

dann lud die Firma ihre neue Werbeträgerin zum Betriebsfamilienfest. Es ist sehr flach am Niederrhein und meistens gut gedüngt, Trauerweiden und Kühe, so weit das Auge reicht. Na ja, und Katjes eben. In jedem Fall sieht es in Emmerich ganz anders aus als in Monaco zum Beispiel. Dann kommt auf einmal eine Kolonne Geländewagen, Bodyguards steigen aus, die Klums steigen aus - und Flavio Briatore. "Du bleibst drinnen", sagt Heidi zu ihrem verdutzten Sugar-Daddy, "this is my Show." Da hat sich dann eben Geschäftsführer Tobias Bachmüller zwei Stunden lang mit dem Italiener ins Büro gesetzt. Noch heute kann sich Bachmüller, der genau so sympathisch aussieht wie die leckeren Bonbontüten, die er verkauft, über die Flavio-Situation kaputtlachen: "Es war, als wäre hier ein Ufo gelandet."

Aber irgendwie auch kein Wunder, dass Briatore irgendwann dann doch das Weitere suchte. Wer weiß, was noch alles gekommen wäre. Für die anschließende Heidi-Soap war die neue Rolle als sitzen gelassene Schwangere ein schöner Kick. "Briatore, Baby, Trennung", lobten Werbegurus damals, "sie lacht, sie weint, sie lacht wieder - eine sehr kluge Selbstinszenierung."

Bachmüller, der wohl in erster Linie dank Heidi einen mehr als 30-prozentigen Umsatzschub in seinem Zuckerwarensegment verzeichnen konnte, Bachmüller ist mit den Klums bis heute dicke. Als Flavio weg war, haben sie den Regisseur Detlev Buck engagiert und in Havanna einen Werbespot für tropische Früchtebonbons gedreht. Das war aufmunternd und einträglich zugleich. Und nebenbei wurde dort auch noch Erna Klums 60. Geburtstag gefeiert - mit dem ganzen Katjes-Team und dicken Havannas. Denn eines muss allen klar sein, die die Marke Klum buchen: Erna und Günther kommen fast immer mit. Mama beaufsichtigt inzwischen die Babys, der Papa das Geschäft. Neulich hat eine tüchtige Redakteurin des Lokalsenders Radio Berg ein Fünf-Minuten-Interview mit der Landsmännin ergattert. Sogar da saß Günther Klum als steinerner Gast mit am Tisch und stoppte die Zeit: "So, Schluss jetzt."

Die Frage ist: Wie geht es jetzt weiter? Zehn Folgen Pro Sieben, wenn es weiterhin gut läuft, quotenmäßig. Wenn es sehr gut läuft, wird möglicherweise eine zweite Staffel drangehängt. Und dann?

Im Rahmen seiner privaten kommunalen Wirtschaftsförderung hat Günther Klum längst die meisten mittelständischen Firmen in Nordrhein-Westfalen und ringsum, die als Werbepartner zu Heidi passen, abgeklappert: Die Douglas-Holding in Hagen, Katjes, Birkenstock, den Elektrohersteller Braun im Taunus. Sie stylt Schmuck, macht ihr eigenes Parfüm, schreibt Bücher, vermarktet ihre Models, posiert in bayerischen Jeans und amerikanischen Unterhosen. Douglas-Chef Henning Kreke freute sich gerade, dass er im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Plus von 5,7 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro Umsatz zusammenpudern konnte. Ein bisschen hat dafür wohl auch die Klum-Company mitgewirbelt. Da wird man sich doch nicht trennen.

Alles gut und schön. Doch um als Marke überlebensfähig zu bleiben, das wissen alle Strategen, muss man sich ständig neu erfinden. So wie Madonna und einst Lady Di. Der übliche Weg für Zelebritäten, sagt Klein-Bölting, ist der, dass man sich nach dem Boom ein bisschen zurückfallen lässt. "In spätestens zwei, drei Jahren müsste Heidi Klum dann etwas Soziales machen, eine Stiftung gründen, vielleicht. Und dann müsste sie ihre gesellschaftliche Stellung verändern: Vielleicht könnte sie die neue Begum werden. Oder den Chef von Sony Entertainment heiraten und eine Hardcore-Business-Frau werden." Oder die erste Bürgermeisterin von Köln? In Köln ist alles möglich.

Gut, dass der zu lauten Stimmungen neigende Günther Klum von all diesen Tipps, die ihm da von Düsseldorf aus ungefragt den Rhein hochschwappen, nichts gehört hat. Er würde was an sich kriegen. Begum, Sony, so ein Kappes! Der Mann hat ganz andere Sorgen: Es ist Februar, die närrische Session ist im Anmarsch. Und seine Heidi will nicht zum Zug.

Ulrike Posche print

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