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John Cleese-Werbung Monty Python, Schokolade und der Krieg


In einem israelischen Werbespot für einen Schokobrotaufstrich genehmigt "General" John Cleese einen Luftangriff. Steckt dahinter tödlicher Zynismus oder absurde Kritik?
Von Sophie Albers

Schon sein strenges Gesicht bringt Menschen zum Lachen. John Cleese ist als Mitglied der genialen Komödiantentruppe Monty Python berühmt geworden. Filme wie "Das Leben des Brian", "Ein Fisch namens Wanda", "James Bond: Stirb an einem anderen Tag" oder "Shrek" haben seinen Status als verrückter britischer Witzbold manifestiert. Doch mit einer Werbekampagne für einen israelischen Schoko-Brotaufstrich überfordert der 72-Jährige nun Fans.

Mit der berühmten erstarrten Miene sitzt Cleese als offensichtlich westlicher General in einer Kommandozentrale der israelischen Armee, laut Einblendung in Tel Aviv. Im Hintergrund leuchten Landkarten, auf denen Atomanlagen verzeichnet sind. Cleese gegenüber sitzen israelische Militärs, die mit hanebüchenem Akzent auf Englisch darauf drängen, dass "General Rogers" den Angriff endlich genehmige. "Wir sind in 33 Minuten drinnen und wieder draußen. Wir haben das Recht, unser Land zu verteidigen", ereifert sich ein Anzugträger.

"General Rogers" interessiert das weniger als eine Dose Brotaufstrich der Marke Hashachar Ha'ole, die vor ihm steht. Hashachar Ha'ole ist das Pendant zu Nutella, das jedes israelische Kind kennt und liebt. Cleese leckt den Deckel ab und stellt mit einem Rest Schokopaste auf der Nase zufrieden fest: "sababa egozim". Das heißt soviel wie "großartige Nüsse" und wird im Untertitel mit "Let's go nuts" übersetzt. Die Israelis werten das als Zustimmung für den Angriff, springen auf und jubeln.

Hat John Cleese sich verkauft?

Kritiker haben harsche Worte für Cleese' Mitwirkung an dem Spot gefunden. Er solle sich schämen, steht in den Youtube-Kommentaren zu lesen, habe sich "verkauft", mache gemeinsame Sache mit "Kriegstreibern" - was noch harmlose Einträge sind. Auch wenn es nicht explizit genannt wird, liegt nah, dass es sich bei dem Land, das angegriffen werden soll, um den Iran handelt. Der Schokoaufstrich-Werbung wird die Veralberung eines drohenden Krieges und damit menschenverachtender Zynismus unterstellt, dessen Anprangerung in den Kommentaren immer wieder in glühenden Antisemitismus und Drohungen gegen Israel umschlägt.

Allerdings übersehen viele Kritiker ein paar wichtige Einzelheiten: Der Spot ist bewusst auf Englisch gehalten. Wenn Cleese von den großartigen "egozim" spricht, heißt das "nuts", Nüsse, woraus der neue Brotaufstrich besteht. Doch "nuts" heißt im Englischen auch "verrückt" oder "irre". Erklärt Cleese die israelischen Militärs also möglicherweise für "irre"? Und warum bringt sein "General Rogers" den israelischen Kollegen null Respekt entgegen, schnippst stattdessen auch noch einen Landkarten-Leuchtpunkt nach ihnen. Oder anders gefragt: Ist es als kriegstreibender Zynismus zu verstehen, wenn die Militärvertreter des eigenen Landes, dessen Armee nach eigenem Bekunden zu den besten der Welt zählt, in dem die Selbstverteidigung Staatsraison ist, so lächerlich und inkompetent dargestellt werden? Wenn der historische Satz "Wir haben das Recht, uns selbst zu verteidigen" wie ein Witz klingt? Und - wenn die Parallele zur aktuellen politischen Situation gezogen wird - würde solch ein Land seinen engsten Verbündeten, die Amerikaner, die Cleese dann ja repräsentiert, so verächtlich ignorant auftreten lassen? Führt dieser Spot die Situation nicht eher ad absurdum? Worin er allerdings angesichts der vielfältigen Kritik offensichtlich durchweg gescheitert ist. Das sind Fragen, die man sich in der Wut stellen muss.

Denn vielleicht fördert dieser Werbespot, der so etwas Harmloses wie einen Brotaufstrich für Kinder zum Thema hat, noch etwas ganz anderes zu Tage: die Vorurteile und Ressentiments, die seine Kritiker über Israel sowieso schon in sich tragen.


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