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Peaches Geldof: Das Leben als kleiner, lustiger Pfirsich

Wie die Tochter eines Rockstars und einer 80er-Jahre-Ikone lebt? Wie ein Rockstar natürlich, nur noch ein bisschen wilder. Willkommen im Leben der Peaches Geldof.

Von Shila Behjat, London

Eine Mischung aus Schweiß, Waschpulver und Alkohol hängt in der Luft. Es ist dunkel, an den Seiten des überschaulichen Kellergewölbes hängen nackte, rote Birnen. Der Club mitten in Hackney ist voller Menschen, voller lauter, betrunkener Menschen. Hackney ist einer von Londons wilderen Stadtteilen. Hier hing Kate Moss einst kopfüber aus dem Fenster, soff sich Sienna Miller die Nächte um die Ohren. Die Musik im "Final X" ist kaum zu ertragen, sie dröhnt, lässt das Glas im Rhythmus der Elektrobeats vibrieren. Plötzlich spaltet sich die Menge und ein wasserstoffblondes Mädchen stolziert herein. Sie erinnert an Madonna in ihren frühen Jahres, aber es ist Peaches, Peaches Honeyblossom Geldof.

Ihr Reich ist die Untergrundszene Londons. Hier ist sie nicht nur die Tochter von Weltretter Sir Bob Geldof, hier ist sie die Hauptattraktion als eine Hälfte des DJ-Duos "The Trash Pussies." Die andere ist Fifi Brown, eine Freundin von Peaches, die einen halben Schritt hinter ihr her stöckelt. Ihre Kanzel ist das Mischpult, hinter dem legt die 18-jährige Peaches im Feinripp-Hemdchen auf, den Kopfhörer lässig ans Ohr gepresst. Und ihr Publikum jubelt ihr zu, tanzt, schreit.

Aufgewachsen im Vier-Mädel-Haus

Vom "Final X" ist es nicht weit bis zu Peaches Geldofs Wohnung, einer WG in Islington, die sie sich mit einer Freundin und einem Filmstudenten teilt. Dort bezahlt sie 500 Pfund Miete - für Londoner Verhältnisse lebt sie damit eher mit Studentenbudget statt wie ein Kind reicher Eltern. Dabei hätte sie es richtig nett haben können. Vater Bob bewohnt mit seiner Dauerfreundin, der französischen Schauspielerin Jeanne Marine, ein Anwesen in Battersea, in dem Peaches und ihren Schwestern Pixie und Fifi Trixibelle ihre eigenen Einliegerwohnungen haben könnten. Die vierte Tochter im Haus ist Peaches Halbschwester Tiger Lily. Die Elfjährige stammt aus der Liaison zwischen Paula Yates, Geldofs erster Frau, und dem INXS-Sänger Michael Hutchence. Als Hutchence und Yates nacheinander verstarben, nahm Geldof Tiger Lily bei sich auf.

Peaches, die Zweitälteste nach Fifi Trixibelle, zog es bereits aus dem Elternhaus, nachdem sie im Sommer ihren Schulabschluss gemacht hatte. Freunde erzählten der "Daily Mail": "Für das Abitur musste sie hart arbeiten. Sir Bob hat von ihr verlangt, dass sie wahnsinnig viel büffelt." Mit Erfolg: Sie schloss mit einem "sehr gut" ab, ein Türöffner für alle guten Universitäten. Doch statt sich um ein Studium zu kümmern, zog Peaches erst einmal nach Islington, machte Urlaub in New York und wechselte den Freund: Der unbekannte Rocker Donny Tourette wurde gegen Frederick Blood-Royale ausgetauscht, auch bekannt als Fred MacPherson. Vater Bob erklärte sie, dass sie erst einmal ein Jahr Auszeit brauche, so der "Daily Express". Aber ihre Freunde bezweifeln, dass sie sich jemals in eine Eliteschule einschreiben wird. Lieber wolle sie nach New York zu ziehen, dort möge man sie wegen ihres Talents, nicht wegen ihres Namens. "London ist einfach zu klein für mich."

"Auf Wiedersehen kleiner Pfirsich!"

Bereits als Minderjährige soff, kiffte und feierte sich Peaches durchs Londoner Nachtleben - und knüpfte auch in New York an diesen Lebensstil an. Alkohol erst ab 21? Da pfiff sie drauf. Es war die Zeit, in der sich sogar Sir Bob dazu hinreißen ließ, vor Journalisten über seine Tochter zu schimpfen: "Sometimes she is a pain in the ass!" - "Manchmal ist sie eine Nervensäge." Denn kurz vor ihrer Abreise nach New York hatte Peaches den Gipfel der Peinlichkeit erreicht: Sie wurde beim Klauen erwischt. In einer Topshop-Filiale, einer britischen Billigmodekette. 40 Minuten lang beharrte sie darauf, die Jacke gekauft zu haben, die Verkäuferin habe lediglich vergessen, den Alarmknopf abzunehmen. Doch sie konnte keine Quittung vorweisen und musste schließlich kleinlaut gestehen, dass sie sich das Geld habe sparen wollen. Sie, die einst in der "Times" prahlte, sie verdiene 450.000 Euro im Jahr durch bloßes Nichtstun. Bei ihrer Rückkehr aus dem Big Apple spuckte Peaches derart große Töne vom Auswandern, dass sich die "Sun" genötigt fühlte, Peaches mit einem "Auf Wiedersehen, du kleiner, lustiger Pfirsich!", zu verabschieden.

Auf der Insel verzeiht man ihr den Hochmut, so wie man ihr auch verzeiht, dass sie bereits als 15-Jährige volltrunken in die Kameras schimpfte. Das liegt an der traurigen Vergangenheit der Rock-Göre: Mit elf Jahren verlor Peaches ihre Mutter, die Fernsehmoderatorin und 80er-Jahre-Ikone Paula Yates. Yates starb an einer Überdosis Heroin. Sie war der Liebling der Briten gewesen, und Peaches ist die Tochter, die ihr am ähnlichsten sieht. Und je älter sie wird, desto frappierender wird die Ähnlichkeit. So spazierte Peaches auf der London Fashion Week langbeinig und blond über den Laufsteg. Sie modelte für das Modelabels PPQ. Obwohl es eine kleine, eher unbekannte Marke ist, bekam PPQ dank dieses Auftritts große Presse, meist mit demselben Foto: Peaches, wie sie in weitem Falten-Mini und laszivem Spaghetti-Träger-Top an der Kante des Laufstegs posiert, dazu ein trotziger, aufmüpfiger Ausdruck im Gesicht. Und die meisten Blätter konnten nicht widerstehen und druckten ein Bild von Paula Yates daneben. "Paulas Mädchen als Laufsteg-Königin", schrieb der "Daily Star", "Die Wiedergeburt", die "Daily Mail".

Was auch immer sie nun mit ihrem jungen Leben anfangen wird, ob schlechte Musik auflegen oder schlechte Mode präsentieren - Peaches Geldof kann es gar nicht falsch machen. Um ihre Sympathien zu verspielen, wird sie sich noch eine Menge einfallen lassen müssen.