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Prinz Philip wird 95: Happy Birthday, alter Haudegen

Er ist der Mann mit den seltsamen Sprüchen: Heute wird Prinz Philip 95 Jahre alt. Selbst an seinem Geburtstag steht er hinter der Queen zurück. Würdigung eines Mannes, der immer im Schatten seiner Frau lebte.

Prinz Philip

Ganz schön rüstig für sein Alter: Prinz Philip wird am Freitag 95 Jahre alt.

Prinzgemahl Philip, Herzog von Edinburgh, ist ein Phänomen: So lange man denken kann, sah man ihn immer zwei Schritte hinter seiner Frau Elisabeth, der Herrscherin über das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland sowie Staatsoberhaupt weiterer 15 Staaten weltweit -  zurückbleiben, ihr in der Öffentlichkeit den Vortritt und alle relevanten Entscheidungen während ihrer inzwischen bald 69 Jahre währenden Ehe ihr überlassen – zumindest nach außen.

Keine leichte Aufgabe für einen Mann mit seinem Selbstverständnis. Als es nach der Geburt seines ersten Kindes Charles 1948 darum ging, welchen Nachnamen die Kinder der Thronfolgerin und ihres Mannes tragen sollten, bestand der damals noch regierende Vater der heutigen Königin, König Georg VI., darauf, dass es "Windsor" sein solle, und nicht Philips seit Jahren geführter Familienname "Mountbatten", ein Doppelname, oder gar Schleswig Holstein-Sonderburg-Glücksburg, der Geburtsname des ehemals griechischen Prinzen deutscher Abstammung. Sein Wutausbruch als Reaktion darauf ist legendär: "Ja, bin ich denn nur eine Amöbe, dass ich nicht mal meinen Namen an meine Kinder vererben darf?" schäumte er vergeblich.

Also doch "Mountbatten-Windsor"

Später wurde dem Prinzen doch noch etwas Genugtuung zuteil: 1960 entschied die Queen, dass fortan alle ihre Nachfahren, die kein Anrecht auf den Titel "Königliche Hoheit" haben, den Familiennamen "Mountbatten-Windsor" tragen sollten.

Und trotz seiner verfassungsmäßig nicht existenten Rolle hat er sich den Schneid nie abkaufen lassen, anders als beispielsweise Amtskollege Prinz Henrik von Dänemark, der immer mal wieder öffentlich schmollt, weil er nur Prinzgemahl ist und seine Frau, Königin Margrethe, sich nie dafür eingesetzt hat, ihn zum König zu erheben.

Ähnlich wie es schon die gemeinsamen Vorfahren Königin Viktoria und Prinzgemahl Albert im 19. Jahrhundert hielten, führt die Queen seit Jahr und Tag die Staatsgeschäfte, und ihr Mann war zumindest in den ersten 25 Ehejahren vor allem der Familienbeauftragte – mit mehr oder weniger großem Erziehungserfolg, wenn man seinen Kindern glauben darf. Selbst Opfer einer harten und unsteten Kindheit, war er es gewohnt, die Dinge zu nehmen wie sie kommen und möglichst wenig Emotionen zu zeigen.

Prinz Philip wurde auf Korfu geboren

Philip Prinz von Griechenland als Baby

Philip, Prinz von Griechenland, damals noch mit Familienamen Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, 1922 im Alter von 1 Jahr.

Auf Korfu 1921 geboren, wurde er noch als Baby von 18 Monaten zusammen mit seinen vier älteren Schwestern mit auf die Flucht genommen, als Vater Andreas, griechischer Königssohn, und seine Frau Alice, geborene Prinzessin von Battenberg (daher "Mountbatten", die anglisierte Form) mit der ganzen Familie während der Revolution 1922 ins Exil gehen musste. Zunächst in Paris bei einem anderen Zweig der Familie  untergekommen, erlitt seine Mutter kurz darauf einen Nervenzusammenbruch und verbrachte in der Folge mehrere Jahre in diversen Sanatorien, während der Vater Andreas sich fortan hauptsächlich als herumreisender adeliger Playboy die Zeit vertrieb.

Mit sieben Jahren ins Internat

Der kleine Philip kam zunächst bei einem Bruder seiner Mutter, dem Marquis von Milford Haven, in England unter, der ihn mit sieben Jahren ins Internat schickte: Erst nach Cheam in Surrey, später für kurze Zeit nach Salem in Süddeutschland, da seine deutlich älteren Schwestern allesamt deutsche Adelige geheiratet hatten, um dann im schottischen Gordonstoun seine Erziehung abzuschließen.

Während dieser Zeit hatte der andere Bruder seiner Mutter, Louis Mountbatten, die Vormundschaft für den quasi-verwaisten Verwandten aus Griechenland übernommen und empfahl dem nahezu mittellosen aber gut aussehenden und hochintelligenten jungen Mann eine Karriere in der Armee. "Da ich nicht so gerne zu Fuß gehe, entschied ich mich für die Marine", scherzte Philip später einmal.

Ausgezeichnet für seine Tapferkeit

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, nach der Grundausbildung am Royal Naval College in Dartmouth diente der junge Prinz im Zweiten Weltkrieg und wurde mehrfach wegen Tapferkeit ausgezeichnet.

Sein Schicksal entschied sich aber noch am Vorabend des Krieges, direkt an der Militärakademie: dort lernte er 1939 bei einem Besuch des britischen Königspaares die junge Thronfolgerin Elisabeth kennen, da er sie und ihre Schwester Margaret im College herumführen sollte, während die Erwachsenen den offiziellen Teil des Besuches absolvierten.

Der 18-jährige Kadett war geschmeichelt, dass er die Königstöchter herumführen durfte, die 13-jährige Elisabeth allerdings war sofort hingerissen und hat allen ihren Biographen zufolge von diesem Tag an nie wieder einem anderen Mann angesehen. Bei Philip dauerte es etwas länger, bis der Funke endgültig übersprang, gefördert sicher auch durch den ambitionierten "Onkel Dickie" Louis Mountbatten, der seinen Neffen nur allzu gerne in höchste Kreise verheiraten wollte. Jedenfalls schrieb sich das Paar regelmäßig während der Kriegsjahre, die Philip weitgehend auf See verbrachte.

Verlobung 1947

Nach Kriegsende 1945 sah man sich endlich häufiger, verloben durften sich die beiden aber erst im Frühjahr 1947, da der besorgte Vater der Prinzessin nicht überzeugt war, dass der mehr als selbstbewusste aber arme Exil-Prinz der richtige Ehemann für seine Tochter sein könnte. Im November 1947 war dann aber endlich Hochzeit. Die nächsten fünf Jahre waren die schönsten ihrer Ehe, als Elisabeth ihrem Mann als fast normale Seemannsfrau nach Malta folgte, wo er stationiert war, und nur selten nach London zurückreiste, um dort ihren Vater bei seinen königlichen Pflichten zu unterstützen.

Hochzeit Elisabeth und Philip 1947

Armer Prinz heiratet Thronfolgerin: Elisabeth und Phlip verlassen glücklich nach der Trauung die Westmisnter Abbey

Der Ernst des Lebens begann im Februar 1952, als Georg VI. plötzlich mit nur 57 Jahren starb und seine Tochter Amt und Krone übernehmen musste. Seitdem – dass müssen ihm selbst seine größten Kritiker zugestehen - war er seiner Frau immer eine verlässliche Stütze, ihr "Fels in der Brandung", wie sie selbst es einmal anlässlich des 60. Hochzeitstages in einem raren Anfall von Offenheit in einer Rede formulierte. Ob er in den zurückliegenden Jahrzehnten hin und wieder mal eine diskrete Affäre mit einer Schauspielerin oder einer Dame aus dem englischen Hochadel hatte, wie ihm immer mal nachgesagt wurde, sei dahin gestellt. Von ihm gibt es kein "Camillagate-Tape", keine verfänglichen Bilder oder peinlichen Liebesbriefe.

Auch hat er über die Jahre unzählige britische Charityorganisationen unterstützt , international beispielsweise die Arbeit des WWF gefördert und absolviert bis heute mehre hundert offizielle Termine pro Jahr.

Nur eine seiner Schwächen hat die Queen immer wieder die Stirn runzeln lassen: seine häufig an Grobheit grenzende Offenheit. Seine - vornehm ausgedrückt – Bonmots sind legendär:

So antwortete er in den 70er Jahren einmal einem Reporter auf die Frage, ob er nach Moskau reisen würde, um für eine Beendigung des Kalten Krieges zu werben: "Ich würde sehr gerne mal nach Russland reisen – obwohl die Bastarde meine Familie umgebracht haben!" (Die letzte Zarin, 1918 mit Mann und Kindern erschossen von Kommunisten, war eine Cousine seiner Großmutter.)

Während eines Staatsbesuches in Neuseeland wurde Prinz Philip aufgefordert, sich doch mal am Scheren eines Schafes zu versuchen. Er reagierte typisch über-ehrlich: "Auf keinen Fall, ich könnte das Tier dabei versehentlich umbringen, und wir hatten auf dieser Reise schon viel zu oft Hammel auf dem Teller!"

Arme Konservanfabrik!

Mit einer Bemerkung hatte er jedenfalls unrecht: Als er 2005 eine Konservenfabrik besichtigte, schenkte man ihm dort zwei Dosen eingelegte Früchte zusammen mit dem Versprechen, ihm von nun an für den Rest seines Lebens einmal im Jahr ein solches Deputat zukommen zu lassen. Seine Antwort: "Dann werde Sie das ja nicht mehr sehr lange tun müssen". Immerhin, 11 Jahre sind schon ’rum, die Dosenfabrik wird ihr Geschenk vielleicht inzwischen bereuen.

Mit typischer Selbstironie reagierte er einmal, als ihm in Australien ein Ehepaar als "Mr. Robinson" und "Dr. Robinson" vorgestellt wurde, und der Ehemann etwas kläglich hinzufügte: "Wissen Sie, meine Frau ist Doktor der Philosophie und soviel bedeutender als ich!" Darauf Philip: "Oh ja, das kenne ich, wir haben in unserer Familie dasselbe Problem!"

Und schließlich gibt es zumindest vom Prinzgemahl, wenn auch nicht von der Königin, eine veröffentlichte Meinung zum Thema Großbritannien in der EU: In einer Diskussion über die Gestaltung von Fischerei-Rechten in Europa blaffte er: "Alles Unsinn mit der EU, man sollte es wie die Isländer machen und unsere Gewässer mit Kanonenbooten schützen."

In einem Zeitalter, in dem sich Personen des öffentlichen Lebens bei ihren Äußerungen beinahe zwanghaft an die Gesetze der Political Correctness halten, muss man solche Chuzpe einfach bewundern.

Der ewige Zweitwichtigste in Familie und Staat muss nun selbst an seinem 95. Geburtstag zurückstehen: Er nimmt mit seiner Gemahlin an einem feierlichen Gedenkgottesdienst in der St. Paul’s Cathedral teil – aus Anlass des 90. Geburtstages seiner Frau.

Doch eines ist sicher: für einen Menschen auf der Welt ist er seit 1947 der allerwichtigste, und das ist die Königin. Sie hat immer wieder betont, wie sehr sie oft auf seine Unterstützung angewiesen war in den über 60 Jahren auf dem Thron. Nicht umsonst machte kürzlich in Hofkreisen das Gerücht die Runde, dass der einzige Anlass, der die Queen eventuell zum Abdanken bewegen könnte, der Tod ihres Mannes wäre.

Möge Prinz Philip noch ein langes Lebens beschieden sein, er würde nicht nur seiner Frau fehlen...